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Israel trocknet aus: Jahrhundertdürre bedroht die Wasser- und Landwirtschaft

JERUSALEM, 29.07.2025 (BF) – Israel steuert auf eine beispiellose Wasserkrise zu. Die trockenste Regenzeit seit Beginn der Wetteraufzeichnung, kombiniert mit sinkenden Pegeln des Jordans und des Sees Genezareth, alarmiert Wasserbehörden und Landwirtschaft – und zwingt das Land zum radikalen Umdenken.
Trockenster Winter seit einem Jahrhundert
Die Regenfälle im Winter 2024/25 erreichten nur 50 bis 55 Prozent des langjährigen Durchschnitts. Der Jordanpegel fiel in den Monaten Februar und März erstmals kontinuierlich, der Wasserstand des Sees Genezareth sank um 1,72 Meter innerhalb eines Jahres. Das Hermon-Quellgebiet Banias, früher ein verlässlicher Strom, ist nahezu ausgetrocknet. Die Wasserbehörde stuft die Lage als schlimmste Dürre seit hundert Jahren ein.
Trotz dieser Entwicklung ist die alltägliche Wasserversorgung bislang gesichert – vorwiegend durch Entsalzungsanlagen und effiziente Wasserverwaltung. Doch langfristig droht eine ernste Versorgungskrise. Israels Bevölkerung wächst stetig, der Wasserbedarf steigt, während die Niederschlagsmengen rückläufig sind.
Entsalzung und Recycling
Um die Versorgung zu sichern, setzt die Wasserbehörde auf zusätzliche Entsalzungsanlagen und die erweiterte Nutzung von recyceltem Abwasser. Derzeit sind sechs große Anlagen in Betrieb, weitere sind in Planung. Eine neue Entsalzungsanlage in Westgaliläa soll bis 2027 in Betrieb gehen, wurde jedoch durch lokale Widerstände jahrelang verzögert.
Gleichzeitig wird der Wasserverbrauch in der Landwirtschaft schrittweise reduziert. Besonders betroffen ist der Norden des Landes, wo Bauern Feldfrüchte aufgeben und das knappe Wasser auf Obstplantagen konzentrieren. Erste Kürzungen sind bereits erfolgt, landesweite Einschränkungen könnten ab 2026 folgen.
Der Preis der Dürre
Jede Entsalzungsanlage benötigt rund 0,5 Prozent des nationalen Strombedarfs. Aufgrund gestiegener Strompreise ist auch das Wasser teurer geworden. Die Wasserbehörde kauft zunehmend zusätzliche Mengen von bestehenden Anlagen, um die aktuellen Ausfälle zu kompensieren.

Die Meerwasser-Entsalzungsanlage Sorek. Israel will weitere Anlagen bauen, aber sie sind teuer und benötigen viel Energie. Foto: Isaac Harari/Flash90


Während Spanien im Dürrejahr 2023 mit explodierenden Olivenpreisen zu kämpfen hatte, verschwinden in Israel schlicht die Ernten. Für viele Bauern steht die Existenz auf dem Spiel. Das Landwirtschaftsministerium soll Hilfsprogramme prüfen, doch konkrete Maßnahmen stehen noch aus.
Weitblick bis 2050
Israel plant, die jährliche Wasserproduktion bis 2050 auf 1,7 Milliarden Kubikmeter zu steigern. Derzeit liegt sie bei rund 800 Millionen. Neben mehr Entsalzungsanlagen beabsichtigt man, die Nutzung von Recyclingwasser für die Landwirtschaft massiv auszubauen. Langfristig soll der gesamte Norden an das nationale Wassernetz angeschlossen werden, wie es bereits vor Jahren von Experten gefordert wurde.
Obwohl die Wasserhähne weiterlaufen, zeichnet sich ein klarer Trend ab. Die Wasserbehörde rechnet bis 2050 mit einem Niederschlagsrückgang von zwölf Prozent, langfristig könnten es noch deutlich mehr sein. Bereits heute ist klar: Ohne strukturelle Veränderungen wird die Wasserkrise zum dominierenden Thema der kommenden Jahrzehnte.

Titelbild: Die israelische Landwirtschaft – hier ein Weinberg im Norden des Landes – leidet unter dem Niederschlagsmangel. Foto: Michael Giladi / Flash90

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