
Reservisten seit zwei Jahren im Dauereinsatz: Ihre Familien zahlen einen hohen Preis
JERUSALEM, 07.10.2025 (TPS/BF) – Israelische Statistiken offenbaren ein erschütterndes Bild: Der Dauer-Reservedienst wirkt sich massiv auf Ehen, Kinder und die psychische Gesundheit von Militärfamilien aus. Eine Umfrage des Zentralen Statistikinstituts (CBS) aus Frühjahr/Sommer 2025 zeigt: Fast die Hälfte der Ehepaare fühlte sich belastet, mehr als die Hälfte der Kinder litt sichtbar unter dem Dienst eines Elternteils.
Zwei Jahre Krieg: Hohe Belastung
Die Studie beschäftigte sich mit Familien von Reservisten, die zwischen dem 7. Oktober 2023 und dem 1. Februar 2025 aktiv waren. Eheleute, hauptsächlich Frauen, gaben an, dass der langwierige Dienst ihrer Partner die Beziehung beschädigt hatte. Rund ein Drittel sprach offen davon, dass sie Trennung oder Scheidung erwogen hätten. Die Belastung stieg mit der Dauer des Einsatzes. Bei 200 bis 350 Tagen Reservedienst sahen 57 % der Ehefrauen die Beziehung gestört, bei kürzeren Einsätzen waren es deutlich weniger.

Auch Kinder zahlten einen hohen Preis: 52 % der befragten Ehefrauen berichteten von Verschlechterungen im psychischen Zustand ihrer Kinder; bei längeren Einsätzen stieg diese Zahl auf 63 %. Die psychische Belastung trifft nicht nur die Minderjährigen: 61 % der Ehefrauen sagten, sie hätten Unterstützung benötigt – 55 % emotional oder psychologisch, 38 % finanziell.
Professionelle Hilfe nahmen 35 % der Befragten in Anspruch. Bei Ehefrauen von Bodeneinheiten lag der Anteil mit 68 % besonders hoch. Viele Familien greifen auf ihr soziales Umfeld zurück: Drei Viertel gaben an, auf Hilfe von Verwandten oder Freunden angewiesen zu sein. Dabei zeigte sich ein kulturelles Gefälle: 83 % der religiösen, 74 % der säkularen und 64 % der orthodoxen Familien suchten familiäre Unterstützung.
Staatliche Hilfe erreicht nur einen Teil der Betroffenen, 30 % der Familien erhielten Unterstützung vom Militär, 23 % von lokalen Behörden. Das Ausmaß der Hilfe hängt stark von der Länge des Dienstes ab. Finanzielle Hilfen durch das National Insurance Institute werden zumeist geleistet: 87 % der Paare bekamen zumindest einen Teil ihrer Ansprüche ausgezahlt. Besonders in Haushalten von Alleinerziehenden und Witwen treten jedoch Lücken auf.
Hinter den Zahlen – ein nachhaltiger Schock
Die Umfrage spiegelt wider, was auch unabhängige Studien bestätigen: Die Reservistenpflicht in dieser Form übt Druck auf Immobilien, Arbeitsplätze und Psyche aus. Eine Untersuchung des Taub Centers zeigte, dass die längere Abwesenheit eines Elternteils nicht nur die emotionale Verfassung des Partners beeinträchtigt, sondern auch die Entwicklung kleiner Kinder (1–6 Jahre). Kinder tragen eine doppelte Last: Sie spüren die Abwesenheit des einen Elternteils und die Erschöpfung des anderen.
Eine weitere Umfrage ergab, dass 45 % der Reservisten und 68 % ihrer Partner weiter unter psychischer Belastung stehen. Viele berichten darüber hinaus von massiven finanziellen Problemen.
Auch die Arbeitswelt leidet: Eine Analyse des Israel Democracy Institute zeigt, dass im Höhepunkt des Krieges bis zu 5 % aller Arbeitsstunden durch Reservistenpflicht verloren gingen.
Fazit: Krieg geht weit über das Schlachtfeld hinaus
Diese Zahlen machen deutlich: Die Verantwortung im Krieg bleibt nicht an der Front. Sie erreicht Wohnzimmer, Schulhöfe, Familienbetten. Die Reservistenpflicht in ihrer aktuellen Form ist nicht nur eine militärische Belastung, sondern auch eine soziale.
Wenn Ehen unter dem Druck zerbrechen, wenn Kinder emotional leiden und Ehepartner Unterstützung suchen müssen – dann stehen wir vor einer heimlichen Front des Krieges. Israel muss nicht nur militärisch denken, sondern auch menschlich. Eine Nation, die ihre Kämpfer ehrt, darf ihre Familien nicht preisgeben.
Titelbild: Ein israelischer Reservist in Tel Aviv verabschiedet sich, nachdem er zum Dienst einberufen wurde. Foto: Gideon Markowicz/TPS