
Israel unter Beschuss an vier Fronten – IDF zerstört iranische Luftabwehrstellungen
JERUSALEM 08.06.2026 (DR) – Während Millionen Israelis den Montagmorgen im Schutzraum verbrachten, spitzte sich die Lage weiter zu: Die Huthis feuerten erstmals seit April wieder Raketen auf Israel. Nahe der Siedlung Itamar in Samaria beschädigte ein iranischer Raketentreffer vier Wohnhäuser.
Die israelische Armee (IDF) antwortete mit zwei gezielten Angriffswellen auf strategische Ziele im Iran. Getroffen wurden Luftverteidigungssysteme, die Teheran nach dem letzten Krieg neu aufgebaut hatte. Außerdem griff die IDF einen petrochemischen Komplex an, der laut Militär zur Raketenproduktion genutzt wurde.
Direkttreffer in Samaria – Huthis erklären Blockade im Roten Meer
Die Huthis feuerten kurz nach sechs Uhr morgens zwei ballistische Raketen Richtung Zentralisrael ab. Eine Rakete wurde abgefangen. Die zweite erreichte Israel nicht. Ein Trümmerstück landete in einem unbewohnten Gebiet in Judäa. Es war der erste Huthi-Angriff seit April.
Rund eine Stunde später schlugen iranische Raketenfragmente in ein Wohnviertel nahe Itamar in Samaria ein. Vier Häuser wurden teils schwer beschädigt. Verletzt wurde niemand. Der Magen David Adom (MDA), das israelische Pendant zum Roten Kreuz, behandelte lediglich einen Mann. Er war auf dem Weg zum Schutzraum gestürzt.
Das Gesundheitsministerium meldete bis 11 Uhr morgens insgesamt 44 Krankenhauseinweisungen. Der Großteil der Betroffenen wurde bereits entlassen oder benötigte keine stationäre Behandlung.
Huthi-Sprecher Yahya Saree bekannte sich zum Angriff. Zugleich erklärte er eine vollständige Seesperre. Die Huthis würden die Meeresenge Bab el-Mandeb für israelische Schiffe schließen. Jede israelische Bewegung im Roten Meer gelte als militärisches Ziel.
Israel steht damit wieder in einem aktiven Konflikt an vier Fronten: Iran, Hisbollah, Huthis – und Gaza.
Israels Gegenschlag: Raketenproduktion und Luftverteidigung getroffen
Die IAF führte am Montagmorgen zwei Angriffswellen auf strategische Ziele im Iran durch. In der ersten Welle griffen Dutzende Kampfjets iranische Boden-Luft-Raketensysteme an. Getroffen wurden unter anderem Luftverteidigungssysteme in Teheran sowie in Zentral- und Westiran.
Die Anlagen waren nach IDF-Angaben in den Wochen zuvor neu aufgebaut worden. Teheran wollte damit Abwehrfähigkeiten wiederherstellen, die während der „Operation Brüllender Löwe“ schwer beschädigt worden waren. Der Angriff dehne die Bewegungsfreiheit der IAF im iranischen Luftraum weiter aus, so das Militär.
In der zweiten Angriffswelle traf die IAF Energie- und Industrieinfrastruktur im Südwesten des Iran. Dazu gehörte auch der petrochemische Komplex Mahshahr. Laut IDF wurden dort Ausgangsstoffe für ballistische Raketen produziert und exportiert. Es handelt sich um kritische Komponenten des iranischen Raketenprogramms.
Teile des Geländes wurden beschädigt. Die IRGC-nahe Nachrichtenagentur Fars News berichtete, das Gebiet werde evakuiert.
Teheran droht – Trump hofft auf schnellen Deal
Die IRGC behauptete, israelische Luftwaffenbasen – darunter Nevatim und Tel Nof – getroffen zu haben, und bezeichnete dies als Vergeltung. Ebrahim Rezaei, Sprecher des Außenpolitikausschusses im iranischen Parlament, drohte auf X, die Streitkräfte seien bereit, „stärker zu antworten als am 9. März“ – jenem Tag, an dem ein israelischer Luftangriff im Teheraner Stadtteil Resalat Dutzende Todesopfer forderte. Alle Einheiten befänden sich in voller Einsatzbereitschaft.
Trump schrieb am Montag auf Truth Social, beide Seiten wollten einen sofortigen Waffenstillstand – nur „Dummheit“ könne den Frieden noch verhindern. Die US-Blockade iranischer Häfen werde er bis zu einem endgültigen Abkommen aufrechterhalten. Gegenüber der Financial Times hatte er bereits angedeutet, ein Nuklearabkommen könnte noch diese Woche unterzeichnet werden.
Der frühere Verteidigungsminister Yoav Gallant forderte im Armeeradio, die physische Entnahme des angereicherten Urans aus dem Iran ernsthaft zu prüfen – gefährlich, aber das „Risiko wert“. Die IDF erklärte unterdessen, sie sei auf mehrere weitere Kampftage vorbereitet – und notfalls auf eine vollständige Wiederaufnahme des Krieges. Das sicherheitspolitische Kabinett kam am Montagvormittag zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.
Titelbild: Trümmerteil einer iranischen ballistischen Rakete in der Wüste nahe Vered Jericho im Westjordanland, 08.06.2026. Foto: Chaim Goldberg/Flash90