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Netanjahu fordert Rüstungsunabhängigkeit von den USA – neue Verhandlungsrunde mit Libanon in Washington

JERUSALEM, 24.06.2026 (DR) – Israel muss nach Ansicht von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu seine militärische Abhängigkeit von den USA schrittweise verringern. Er forderte den Ausbau einer eigenen Waffen- und Munitionsproduktion. Parallel dazu verhandeln israelische und libanesische Diplomaten in Washington über die Zukunft des Südlibanon, während die israelische Armee (IDF) weiter gegen Hisbollah-Terroristen vorgeht.

Netanjahu: Israel braucht eigene Waffen

Bei einem Treffen mit Reserveoffizieren im Kibbuz Migdal Oz in Gusch Etzion am vergangenen Donnerstag betonte Netanjahu, Israel stehe weiterhin Iran und dessen Verbündeten gegenüber. Der Ausgang dieser Auseinandersetzung hänge von Israels eigener Stärke ab.

Netanjahu würdigte die amerikanische Unterstützung, forderte jedoch ein unabhängigeres System zur Herstellung von Waffen und Munition. Israel müsse neue Technologien entwickeln und seine Produktionskapazitäten ausweiten.

Laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI entfielen zwischen 2021 und 2025 rund 68 Prozent der israelischen Importe großer konventioneller Waffen auf die USA. Auch US-Vizepräsident J.D. Vance hatte darauf hingewiesen, dass ein großer Teil der israelischen Abwehrwaffen aus amerikanischer Produktion stamme.

Gespräche unter schwierigen Vorzeichen

Parallel dazu führen Israel und der Libanon in Washington direkte Gespräche. Die Ausgangspositionen liegen jedoch weit auseinander. Israel strebt die Entwaffnung der Hisbollah und langfristige Sicherheitsvereinbarungen an. Die libanesische Regierung fordert den vollständigen Abzug der israelischen Truppen aus dem Südlibanon.

Präsident Joseph Aoun sprach sich zugleich gegen jede ausländische Einflussnahme auf den Libanon aus. Damit bezog er sich auch auf den iranischen Einfluss über die Hisbollah. Allein der libanesische Staat müsse die Souveränität über das gesamte Land ausüben.

Überschattet werden die Gespräche von einem geplanten Deeskalationsmechanismus für den Libanon. Einem Bericht von Channel 12 zufolge soll das Gremium die USA, Iran, den Libanon, Pakistan und Katar umfassen, nicht jedoch Israel. Auch in einer gemeinsamen Erklärung Katars und Pakistans wurde Israel nicht als Teilnehmer genannt.

Zudem soll israelisches Militärvorgehen auf die Abwehr „unmittelbarer Bedrohungen“ beschränkt werden. Netanjahu stellte dagegen klar, die IDF behalte ihre „volle Handlungsfreiheit“ gegen unmittelbare und sich abzeichnende Gefahren. Berichten zufolge beauftragte er Ron Dermer, engen Vertrauten und früheren Strategieminister, Israels Interessen gegenüber Washington zu vertreten.

IDF geht gegen Hisbollah vor

Während der Gespräche meldete die IDF zwei Vorfälle im Südlibanon. Am Ali-Taher-Kamm nahe Nabatieh eröffneten israelische Soldaten das Feuer auf eine bewaffnete Hisbollah-Zelle. Libanesische Medien berichteten von zwei Toten und zwei Verletzten. Die Hisbollah behauptete, es seien Zivilisten getroffen worden. Die IDF veröffentlichte eine Aufnahme, die nach ihren Angaben einen bewaffneten Terroristen zeigt.

Später näherten sich vier weitere Hisbollah-Terroristen mit einem Bulldozer und einem Motorrad einer israelischen Stellung in der Sicherheitszone. Die Soldaten gaben zunächst Warnschüsse ab. Als die Männer weiter vorrückten, eröffneten die Kräfte das Feuer. Mindestens einer der Terroristen wurde getroffen.

Netanjahu, Verteidigungsminister Israel Katz und Generalstabschef Eyal Zamir bekräftigten, die IDF werde weiter gegen Bedrohungen und terroristische Infrastruktur im Südlibanon vorgehen.

Titelbild: Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei einem Treffen mit Reserveoffizieren im Kibbuz Migdal Oz, 23.06.2026. Bild: Maayan Toaf/GPO/TPS-IL

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