
Iran nennt Abkommen „Niederlage Amerikas“ – IAEO pocht auf Inspektionen
JERUSALEM, 25.06.2026 (DR) – Iran wertet die Islamabad-Vereinbarung als Sieg über die USA: Washington setzte Sanktionen auf iranische Ölverkäufe für 60 Tage aus, ohne dass Teheran bislang klare Zugeständnisse im Atomstreit gemacht hat. Gleichzeitig bleibt offen, wann internationale Inspektoren Zugang zu den iranischen Atomanlagen erhalten. IAEO-Generaldirektor Rafael Grossi versicherte am Mittwoch, die Kontrollen würden stattfinden.
Washington gibt nach, Teheran triumphiert
Die USA haben für das Abkommen einiges auf den Tisch gelegt: eine 60-tägige Sanktionsausnahme, die Ölexporte und den Empfang der entsprechenden Zahlungen ermöglicht. Hinzu kommt der weiterhin strittige Zugriff auf bereits eingefrorene Auslandsgelder: Washington will einen großen Teil davon für den Kauf amerikanischer Lebensmittel und Medikamente verwenden lassen; Teheran besteht darauf, selbst darüber zu entscheiden. Klare Zugeständnisse im Atomstreit hat Iran bislang nicht gemacht.
Irans Parlamentssprecher und Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf kommentierte das Ergebnis auf einer Konferenz in Aserbaidschan entsprechend: Die Vereinbarung sei nicht durch Druck entstanden, sondern durch „Widerstand und Stärke des iranischen Volkes“ – „darum wurde die Islamabad-Vereinbarung zu einer Erklärung der Niederlage Amerikas.“
IAEO beharrt auf Kontrollen
IAEO-Generaldirektor Grossi widersprach der Darstellung, Inspektionen seien nicht geplant. Er verwies auf den Wortlaut der Vereinbarung, die eine Überwachung nuklearer Aktivitäten durch die IAEO ausdrücklich vorsehe. „Das wird stattfinden“, erklärte Grossi bei einer Pressekonferenz in Japan. Wann genau, steht allerdings bislang nicht fest.
Irans stellvertretender Außenminister Kasem Gharibabadi präzisierte Teherans Position: Ein Zugang zu angegriffenen oder sensiblen Anlagen sei erst nach einem endgültigen Abkommen und der vollständigen Aufhebung der Sanktionen denkbar. Auch über die beteiligten Kontrolleure besteht Uneinigkeit: Trump erklärte, sowohl amerikanische als auch IAEO-Inspektoren sollten tätig werden; Grossi bestätigte eine Beteiligung amerikanischer Inspektoren jedoch nicht.
Israel außen vor, Araghtschi telefoniert mit Hamas-Vertreter
Israel ist an den Verhandlungen nicht beteiligt. Israelische Vertreter äußerten Besorgnis über die Sanktionslockerungen und fehlende iranische Zugeständnisse im Atomstreit. Der zur Vermeidung von Zwischenfällen im Libanon vorgesehene Deeskalationsmechanismus umfasst laut Pakistan die USA, Iran, den Libanon sowie die Vermittler – Israel wird darin nicht genannt.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi telefonierte nach den Verhandlungen mit Bassem Naim, Mitglied des Hamas-Politbüros, und bekräftigte Irans fortdauernde Unterstützung für die Palästinenser. Hamas begrüßte die Vereinbarung und äußerte die Hoffnung, sie könne auch den Kampfhandlungen in Gaza ein Ende setzen.
Was von der Vereinbarung bleibt, ist ein dichtes Geflecht offener Fragen: Wer darf die Atomanlagen inspizieren – und wann? Wofür verwendet Iran die eingefrorenen Gelder? Antworten sollen die technischen Gespräche bringen, die voraussichtlich am 29. oder 30. Juni in der Schweiz fortgesetzt werden.
Titelbild: IAEO-Generaldirektor Rafael Grossi informiert Medienvertreter über den Iran, Wien, 02.03.2026. Bild: Dean Calma/IAEA