zurück zu Aktuelles

Großbritannien empört über Netanjahus „Islamische Republik“- Bezeichnung

JERUSALEM, 16.08.2026 (DR) – Die britische Regierung hat Äußerungen des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu über Großbritannien als „Islamische Republik“ als „völlig inakzeptabel“ zurückgewiesen. Ein Regierungssprecher erklärte, London habe die Angelegenheit gegenüber der israelischen Regierung angesprochen. Netanjahu hatte Großbritannien zuvor in einem Podcast des israelischen Armeesenders als „Islamische Republik“ bezeichnet.

Netanjahu verweist auf Großbritannien und Europa

In dem am Donnerstag veröffentlichten Gespräch erinnerte Netanjahu an die israelfreundliche Berichterstattung von Winston Churchills Sohn und Enkel über den Sechstagekrieg 1967. Eine vergleichbare Haltung sei im heutigen Großbritannien kaum noch zu finden. Er sprach dabei von der „Islamischen Republik Großbritannien“.

Als Moderator Avi Harush anschließend mit Blick auf wachsende muslimische Gemeinschaften fragte, ob nicht ganz Europa bereits so sei, stimmte Netanjahu zu. Er fügte hinzu: „Jemand hat einmal gesagt, die erste islamische Republik mit Atomwaffen werde die Islamische Republik Großbritannien sein.“ Israel sorge dafür, dass es „keine weitere“ im Iran geben werde.

Regierungssprecher David Mencer spielte die Äußerung des Ministerpräsidenten gegenüber der BBC herunter und erklärte, Netanjahu habe damit eine frühere Äußerung von US-Vizepräsident JD Vance aufgegriffen. Vance hatte 2024 Großbritannien als möglichen ersten „wirklich islamistischen Staat mit Atomwaffen“ bezeichnet. Er relativierte die Aussage jedoch selbst mit dem Hinweis auf Pakistan, das offiziell Islamische Republik Pakistan heißt und seit 1998 über Atomwaffen verfügt.

Angespannte Beziehungen zwischen London und Jerusalem

Die Äußerungen fallen in eine Phase angespannter Beziehungen zwischen Israel und Großbritannien. London hat im September 2025 einen palästinensischen Staat offiziell anerkannt und damit Jerusalem erzürnt.

Der seit Juli amtierende Premierminister Andy Burnham hatte bereits vor seinem Amtsantritt angekündigt, den Druck auf Israel erhöhen zu wollen. Er stellte weitere Sanktionen sowie mögliche Handelsbeschränkungen für Waren aus israelischen Ortschaften in Judäa und Samaria in Aussicht.

Auch im Umgang mit Iran gingen London und Jerusalem zuletzt unterschiedliche Wege. Großbritannien beteiligte sich nicht an den ersten amerikanisch-israelischen Angriffen auf Iran Ende Februar. Die damalige Regierung unter Keir Starmer erlaubte den USA später jedoch, britische Stützpunkte für „defensive“ Angriffe auf iranische Raketen und deren Abschussvorrichtungen zu nutzen. Starmer betonte zugleich, Großbritannien werde sich nicht an offensiven Angriffen beteiligen.

Titelbild: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei einer Ansprache. Bild: Kobi Gideon/GPO

Weitere News aus dem Heiligen Land