
Die Wahrheit über Al-Kibar: Wie Israel eine nukleare Bedrohung stoppte
JERUSALEM, 08.09.2026 (NH) – Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat ihre Einschätzung zum syrischen Reaktor bei Deir ez-Zor weiter erhärtet. IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi erklärte am 7. September in Wien, die 2007 von Israel zerstörte Anlage sei nahezu fertiggestellt gewesen und so ausgelegt worden, dass sie Spaltmaterial für Atomwaffen hätte produzieren können. Damit erhält Israels damalige Entscheidung für einen Luftangriff zusätzliches Gewicht.
Israels Präventivschlag von 2007
Im September 2007 zerstörte die israelische Luftwaffe den geheim errichteten Reaktor in der syrischen Provinz Deir ez-Zor. Die IAEA kam bereits 2011 zu dem Schluss, es handelte sich sehr wahrscheinlich um ein nicht deklariertes syrisches Nuklearprojekt. Israel bestätigte seine Verantwortung erst im März 2018. Die USA hatten das syrische Nuklearprojekt bereits 2008 öffentlich gemacht. Bashar al-Assad bestritt damals, dass es sich bei der Anlage um einen Atomreaktor gehandelt habe.
Der Sturz des Assad-Regimes Ende 2024 eröffnete der IAEA neue Möglichkeiten zur Untersuchung der syrischen Nuklearaktivitäten. Die neuen Behörden in Damaskus ermöglichten den Zugang zu bislang schwer zugänglichen Standorten. Dabei wurden unter anderem rund 73 Tonnen natürliches Uranmetall identifiziert, teilweise in Form von Brennstäben. Das Material steht unter IAEA-Überwachung. Die Funde ergänzen frühere Erkenntnisse zu nicht deklarierten nuklearen Aktivitäten Syriens.
Nach Grossis Einschätzung war der Reaktor aufgrund seiner Konstruktion grundsätzlich geeignet, Spaltmaterial für Atomwaffen zu erzeugen. Die IAEA unterscheidet allerdings zwischen der technischen Fähigkeit einer Anlage und der Absicht ihrer Betreiber. Grossi erklärte, die genaue Zielsetzung des syrischen Projekts lasse sich nicht in allen Punkten abschließend feststellen. Für Israel stellte die mögliche nukleare Entwicklung Syriens dennoch eine unmittelbare strategische Gefahr dar. Jerusalem entschied sich 2007 für einen Präventivschlag, bevor die Anlage vollständig fertiggestellt und möglicherweise in Betrieb genommen werden konnte.
Israels Entscheidung gewinnt an Bedeutung
Die neuen Erkenntnisse verleihen dem israelischen Vorgehen von 2007 zusätzliche historische Bedeutung. Israel verhinderte die Fertigstellung und Inbetriebnahme einer Anlage, die für die Produktion von Spaltmaterial für Atomwaffen geeignet war. Vor dem Hintergrund des späteren syrischen Bürgerkriegs gewinnt die Entscheidung zusätzlich an Gewicht. Ein nuklear relevantes Projekt in den Händen des Assad-Regimes hätte eine erhebliche Gefahr für Israel und die gesamte Region darstellen können.
Die IAEA bestätigt nicht, dass Syrien bereits über eine fertige Atomwaffe verfügte. Sie bestätigt jedoch die nukleare Natur der Anlage und ihre grundsätzliche Eignung zur Erzeugung von Spaltmaterial für Waffen. Für Israels Sicherheitsdoktrin ist dies eine wichtige nachträgliche Bestätigung der damaligen Bedrohungsanalyse. Der Präventivschlag von 2007 erscheint damit als Ausdruck einer Strategie, eine potenziell existenzielle Bedrohung frühzeitig zu beseitigen.
Titelbild: Die Außenansicht der Anlage vor und nach dem Luftangriff der israelischen Luftwaffe. Foto: US-Government.