
Trump kündigt Ende der US-Militärhilfe für Israel noch 2026 an
JERUSALEM, 04.11.2026 (DR) – US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, die jährliche Militärhilfe für Israel bereits Ende dieses Jahres einzustellen. Er behauptet, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe den Vorschlag selbst gemacht und beide hätten sich vor Monaten darauf geeinigt. Eine Bestätigung aus Jerusalem lag zunächst nicht vor.
„Wir haben vor Monaten vereinbart, dass wir Israel bis Ende dieses Jahres nicht mehr bezahlen werden“, erklärte Trump am Dienstag in einem Telefoninterview mit Fox News. Israel könne weiterhin amerikanische Waffen kaufen und bei Bedarf Unterstützung erhalten.
Abkommen läuft eigentlich bis 2028
Die Vereinigten Staaten stellen Israel auf Grundlage eines 2016 geschlossenen Abkommens jährlich 3,8 Milliarden Dollar bereit: 3,3 Milliarden für militärische Ausrüstung und 500 Millionen für gemeinsame Raketenabwehrprogramme. Die Vereinbarung gilt bis September 2028. Ihre Finanzierung hängt vom US-Kongress ab.
Netanjahu hatte bereits im Mai gegenüber CBS erklärt, Israel wolle die Unterstützung innerhalb von zehn Jahren auf null reduzieren. Ein schrittweiser Ausstieg könnte Israels finanzielle Unabhängigkeit stärken und die heimische Rüstungsindustrie fördern. In einer Untersuchung vom Februar 2026 hielt das israelische Forschungsinstitut INSS einen solchen Schritt langfristig für wirtschaftlich machbar, warnte jedoch vor Risiken eines überstürzten Vorgehens.
Nach Medienberichten wurden auch Vertreter des Finanz- und Verteidigungsministeriums sowie der Armee von Trumps Ankündigung überrascht. Ein Offizieller erklärte gegenüber dem israelischen Nachrichtenportal Walla, dem Finanzministerium liege kein offizielles Dokument aus dem Ministerpräsidentenbüro zum Ende der Hilfen vor. Laut ABC News wurde der Haushalt bereits auf Grundlage der bislang zugesagten Unterstützung geplant.
Die Mittel finanzieren unter anderem amerikanische Rüstungsgüter und Raketenabwehrsysteme. Ein kurzfristiger Stopp könnte deshalb zusätzliche Haushaltsmittel erfordern oder geplante Anschaffungen verzögern. Unklar bleibt, welche Hilfen wegfallen und wie bestehende Bestellungen betroffen wären.

Trump begründete den Schritt auch mit den amerikanischen Zwischenwahlen. Dabei verwies er auf den demokratischen Senatskandidaten Abdul El-Sayed aus Michigan, der die Militärhilfe für Israel im Wahlkampf kritisiert hatte. Ohne die Zahlungen verlören die Demokraten ein wichtiges Argument gegen die Republikaner. Zudem brauche Israel die finanzielle Unterstützung nicht mehr, meinte Trump.
Opposition verlangt Antworten von Netanjahu
Bei der Opposition stieß Trumps Ankündigung auf heftige Kritik. Gadi Eisenkot, Vorsitzender der Partei Yashar, warf Netanjahu vor, Bevölkerung und Sicherheitsapparat hätten von der möglichen Änderung der Beziehungen zu Washington erst aus den Medien erfahren. „Ihm kann man nicht mehr vertrauen, und er muss ersetzt werden“, schrieb Eisenkot auf X.
Auch Yair Golan, Vorsitzender der Demokraten, warnte vor einer zusätzlichen Belastung für die israelische Bevölkerung. Avigdor Lieberman bezeichnete den möglichen Verlust von 3,8 Milliarden Dollar jährlich als Preis für Trumps Unterstützung Netanjahus.
Während Israel langfristig von größerer finanzieller Unabhängigkeit profitieren könnte, bleibt unklar, wie der überraschend vorgezogene Ausstieg ohne erhebliche Belastungen für den Verteidigungshaushalt umgesetzt werden soll.
Titelbild: US-Präsident Donald Trump spricht bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Weißen Haus in Washington (Archivbild). Foto: Liri Agami/Flash90