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Schawuot: Fest der Torah, der Milch und des Weizens

JERUSALEM, 20.05.2018 (JG/TM) – Schawuot, das jüdische Wochenfest, hat gestern Abend begonnen. Es ist das zweite der drei Wallfahrtsfeste, die einst mit einem Besuch des Jerusalemer Tempels begangen wurden. Schwauot hat heutzutage verschiedene Bräuche: Fromme studieren die ganze Nacht hindurch die Torah. Gegessen werden vor allem Milchspeisen (besonders beliebt: Eierkuchen mit Quark und Käsekuchen). Schließlich ist Schawuot auch ein Erntedankfest, weil um diese Zeit in Israel der erste Weizen geerntet wird. In den Synagogen wird das Buch Rut gelesen, das während der Getreideernte spielt. Nicht orthodoxe Jüdinnen haben im Vorfeld des Festes darauf hingewiesen, dass die Konversion der Moabiterin Rut zum Judentum heutzutage vom jüdischen Oberrabbinat nicht anerkannt würde.

Die „Omer-Zählung“

Schawuot ist – genau wie das christliche Pfingstfest – ohne die so genannte „Omer-Zählung“ ab Pessach nicht denkbar. „Omer“ ist das hebräische Wort für die Getreidegarbe, die im Heiligtum als Opfer dargebracht wurde. Am zweiten Tag des Passafests soll das Volk Israel nach biblischer Anweisung mit der Zählung beginnen (3. Mose 23,10ff; 5. Mose 16,9).

Fünfzig Tage oder sieben „Wochen“ (hebräisch: Schawuot) nach der Gedenkfeier an den Auszug aus dem Land der Sklaverei soll ein Erntedankfest für die Erstlingsfrüchte des Feldes gefeiert werden. Diese „Fünfzig“ war für die ersten Christen ein so fest stehender Begriff, dass die Zahl – griechisch „Pentekoste“, von der „Pfingsten“ kommt – im Neuen Testament ausschließlich für die Omer-Zählung verwendet wird (Apostelgeschichte 2,1; 20,16; 1. Korinther 16,8).

Die Israeliten sollen niemals vergessen „dass du Sklave warst in Ägypten“ (5. Mose 16,12).

Torah-Studium die Nacht hindurch

Schließlich verband schon Mose in seinem Vermächtnis das Wochenfest mit dem „Bewahren und Tun der Gesetze“ Gottes (5. Mose 16,12). Heute ist Schawuot das Fest, an dem das jüdische Volk in besonderer Weise daran denkt, dass Mose auf dem Sinai die Torah empfangen hat. Deshalb studieren fromme Juden an Schawuot die ganze Nacht hindurch das Wort Gottes. Sie machen sich Gedanken darüber, was es bedeutet, die Stimme Gottes zu hören und ob die Offenbarung seines Willens eine einmalige Angelegenheit war, oder ob der Schöpfer auch heute noch in unsere Zeit und Gegenwart hinein spricht.

Rabbi Schlomo Riskin aus Efrat kommt zu dem Schluss: „Gott hat uns seine Torah in der Vergangenheit gegeben, bleibt aber gleichzeitig bis in die Gegenwart hinein der Geber der Torah.“ Deshalb gilt: „Nur wenn wir unsere Auslegungen auf die ursprüngliche und einzigartige Offenbarung vom Sinai gründen, werden wir auch in der Gegenwart die göttliche Stimme hören.“

Am Morgen sprechen sie dann das Frühgebet zum frühest möglichen Zeitpunkt, um so ihrer Begeisterung über die Gabe der Torah Ausdruck zu verleihen. An der Westmauer sind die Morgengebete von Tänzen und Gesängen begleitet.

Grüne Pflanzen und Milch

Nach jüdischer Tradition soll der Berg Sinai, als Mose die Torah empfing, grün gewesen sein. Deshalb werden manche Synagogen mit grünen Pflanzen und Blumen dekoriert. Dass vielerlei Milchspeisen verzehrt werden, soll darauf verweisen, dass die Torah der Muttermilch gleicht: Wie ein Säugling die Milch seiner Mutter braucht, braucht das jüdische Volk die Weisung Gottes.

Die Kibbuz- und Moschaw-Bewegungen des modernen Israel griffen in besonderer Weise Schawuot als Erntedankfest auf, um neue Produkte und Errungenschaften aus der Landwirtschaft, aber auch darüber hinaus, vorzustellen.

Bild: reife Weizenähren. Foto: H.-J. Sydow