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Gegenseitiger Boykott: Israel verbietet Export palästinensischer Agrarprodukte

RAMALLAH, 10.02.2020 (TPS/DK) – Israel hat den Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse aus den Palästinensergebieten verboten. Damit hat Jerusalem auf ein Einfuhrverbot der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) für israelisches Vieh reagiert. Das im September vergangenen Jahres verhängte Einfuhrverbot hat israelischen Viehzüchtern schwer zugesetzt. Nach wiederholten Verwarnungen wird nun der Export von palästinensischen Agrarprodukten über die Allenby-Brücke nach Jordanien von den israelischen Behörden aufgehalten. 

Palästinensisches Einfuhrverbot schadet israelischen Viehzüchtern seit Monaten

Verteidigungsminister Naftali Bennet erklärte am vergangenen Sonntag, dass der PA-Boykott „israelischen Landwirten schweren Schaden zufügte“. In einer Erlärung des israelischen Verteidigungsministerium hieß es: „Wenn die Palästinensische Autonomiebehörde beschließt, ihre einseitigen Schritte zu stoppen und die Situation wieder zu normalisieren, wird das Verteidigungsministerium seine Entscheidung überdenken.“ Bennett hatte Anfang Februar bereits ein Importverbot landwirtschaftlicher Produkte aus den Palästinensergebieten nach Israel ausgesprochen. Im Gegenzug stoppte die Autonomiebehörde daraufhin den Import israelischer Produkte wie etwa Obst, Gemüse und Wasserflaschen.

Ein PA-Beamter sagte gegenüber der Nachrichtenagentur TPS, dass der Boykott zwar als nationaler Kampf gegen Israel dargestellt werde, jedoch eigentlich den wirtschaftlichen Interessen Yasser Abbas, dem Sohn von PA-Präsident Mahmoud Abbas, diene. Abbas und der hochrangige Fatah-Beamte Azzam al-Ahmed profitieren finanziell von dem Import von Vieh aus Portugal und Ungarn. Das neue Einfuhrverbot für israelische Kälber hat den Markt in den Palästinensischen Autonomiegebieten zu ihren Gunsten verändert. Aufgrund dessen, sind die Preise von Rindfleisch in der Region jedoch um rund 25 Prozent angestiegen. 

Analysten warnen vor einem Zusammenbruch der palästinensischen Wirtschaft

Die Palästinensische Autonomiebehörde hat in den vergangenen Monaten angekündigt, dass sie sich vollständig von der israelischen Wirtschaft emanzipieren will. Man werde „weiterhin versuchen, israelische Produkte durch arabische Alternativen zu ersetzen“. Analysten warnten, dass dies zu einem Zusammenbruch der Wirtschaft in den Autonomiegebieten führen könnte.

Der wirtschaftliche Konflikt zwischen den beiden Parteien ist nicht zuletzt den politischen Spannungen geschuldet. Die Palästinenserführung hatte im Oktober 2018 erklärt, angesichts des stockenden Friedensprozesses Israel die Anerkennung als Staat zu entziehen und jegliche Kooperation zu beenden. Seit der Veröffentlichung des von US-Präsident Donald Trump vorgelegten Nahostplans hat sich der Konflikt weiter verschärft. 

Bild: Ein Mann aus Gaza sortiert Datteln nach der Ernte. Quelle: Majdi Fathi/TPS

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