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Antisemiten unterbrechen Holocaust-Gedenkfeier der israelischen Botschaft

BERLIN, 22.04.2020 (DK) – Die virtuelle Gedenkfeier der israelischen Botschaft in Berlin ist von antisemitischen Tätern unterbrochen worden. Anlässlich des nationalen Gedenkfeiertages „Jom HaShoah“ wurde der Holocaust-Überlebende Zvi Herschel eingeladen, einen Online-Vortrag zu halten. Während Herschel sein persönliches Schicksal schilderte, begannen unbekannte Angreifer Bilder von Hitler zu zeigen und „Palästina, Palästina“ zu skandieren. Die Veranstaltung zu Ehren der Opfer des NS-Völkermords wurde abgebrochen und später ohne die Anti-Israel-Aktivisten fortgesetzt. Trotz der Störung sei Herschel sehr ruhig geblieben: „Auf eine Art ist das ein Beispiel, das ich benutzen kann“, erklärte er. Es zeige, wie feige Antisemiten seien.

Israels Botschafter: Gedenken zu missachten ist beschämend und schändlich

Die Aktion sei nicht nur anti-israelisch, sondern gezielt antisemitisch motiviert gewesen, teilte die Botschaft mit. „Das Gedenken an den Holocaust und die Würde des Überlebenden zu missachten, ist mehr als beschämend und schändlich und zeigt die eklatante antisemitische Einstellung der Aktivisten“, schrieb der Botschafter Jeremy Issacharoff auf Twitter. Die Botschaft erwäge, bei der Polizei Anzeige gegen die Täter zu erstatten. Da die Videokonferenz jedoch nicht aufgezeichnet wurde, seien die Verantwortlichen schwer ausfindig zu machen. 

Der Antisemitismus gehört nicht erst seit Halle zum Alltag deutscher Juden. Jedes Jahr werden über tausend Fälle antisemitischer Anfeindungen, Angriffe und Sachbeschädigungen gemeldet. In den vergangenen Jahren wuchs die Zahl in Deutschland auf mindestens fünf Angriffe pro Tag. Der Expertenkreis für Antisemitismus der Bundesregierung weist jedoch daraufhin, dass man von einer noch höheren Dunkelziffer ausgehen muss. Obwohl die Polizei dazu angehalten ist, stärker durchzugreifen, stieg die Zahl der Übergriffe um rund 20% von 2018 auf 2019. 

Weltweit steigt Anzahl antisemitischer Übergriffe um 18 %

Gerade in Krisenzeiten ist der Antisemitismus wieder auf dem Vormarsch. Im Netz verbreiten sich derzeit viele Verschwörungstheorien zum Ausbruch des Coronavirus, welche die Juden oder den Staat Israel für die Pandemie verantwortlich machen. Vor Allem im Westen ist die Anzahl antisemitischer Übergriffe in den vergangenen Jahren erheblich angestiegen. Die Ergebnisse der Universität Tel Aviv im Jahr 2019 verzeichneten einen weltweiten Anstieg antisemitischer Vorfälle um 18% gegenüber dem Vorjahr.

Bild: Brennende Kerzen zum Gedenken an die Gräuel des Holocaust in Jad Vashem. Quelle: Avigail Eyal/TPS

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