zurück zu Aktuelles

Tiere helfen heilen: Der biblische Zoo in Jerusalem feiert 20 Jahre Tiertherapie

JERUSALEM, 11.07.2021 (NH) – Tiergestützte Therapie ist eine Methode, die in Israel bereits in der Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie und selbst in Pflegeheimen zum Einsatz kommt. Behandlungsverfahren, die Vierbeiner als Co-Therapeuten mit einbeziehen, kommen Kindern und Erwachsenen, die unter körperlichen sowie geistigen und emotionalen Behinderungen leiden, zugute. Nachforschungen und Statistiken zu diesem Thema zeigen auf, dass Menschen, die mit Tieren interagieren, persönlichen Problemen und Angststörungen effizienter entgegentreten können. Selbst eine Senkung erhöhten Blutdrucks wurde bei den Patienten festgestellt. Zwar sind die Vierbeiner keine Allheilmittel, doch sie tragen deutlich zur Verbesserung der Lebensqualität einzelner Teilnehmer bei.

Tiertherapie hat positive Auswirkungen auf Körper und Geist

Vor über 20 Jahren entschied der biblische Zoo in Jerusalem, dass es unerlässlich sei, tiergestützte Therapieprogramme anzubieten. Die Behandlung baut das Beziehungsdreieck Patient – Tier – Bezugsperson auf. Seit dem Beginn des Programms suchen über 500 Kinder und Erwachsene mit besonderen Bedürfnissen einmal pro Woche das Therapiezentrum im Jerusalemer Zoo auf, um mit großen und kleinen Tieren, sowie professionell ausgebildeten Therapeuten zu interagieren. Das Programm bietet den Teilnehmern die einzigartige Gelegenheit, mit den Tieren hautnah Kontakt aufzunehmen, indem sie zum Beispiel Giraffen und Elefanten füttern und streicheln dürfen. Selbst Bären und gefiederte Zoobewohner werden von den Besuchern mit Köstlichkeiten verwöhnt und gepflegt.

„Die Teilnehmer genießen eine besondere Erfahrung, die ihnen ein Gefühl von Stolz und Freude schenkt“, erklärt ein Zoomitarbeiter. „Die gesammelten Erfahrungen mit den Tieren bleiben bei den Teilnehmern weit über ihre Besuchszeit im Zoo hinaus hängen. Die Patienten verinnerlichen das Gefühl von Erfolg, Fürsorge und Empathie. Die Wärme und Anerkennung, die ihnen die Tiere entgegenbringen, legt eine Grundlage, auf der sie später in ihrem persönlichen Leben weiter bauen können.“

Auf der Website des Zoos wird erklärt, dass das Bedürfnis nach körperlicher Berührung und Verbindung ein grundlegendes menschliches Bedürfnis sei und der Aufbau von Beziehungen zu Tieren, die Ausdauer, Konzentration, den gesunden Umgang mit Frustration, sowie das Selbstvertrauen der Patienten fördert.

Tierische Liebe heilt Wunden

Veevee Merlin-Knopp, die Therapiekoordinatorin des Zoos, erklärt, dass es sich bei den Teilnehmern hauptsächlich um Schulkinder aus ganz Jerusalem handelt. 95 Prozent der Kinder haben einen sonderpädagogischen Hintergrund. Die kleinen Teilnehmer kommen aus allen kulturellen und religiösen Sektoren der Stadt. Streng religiöse und säkulare jüdische Kinder teilen die Erlebnisse mit arabischen Teilhabern. „Das Hauptziel ist es, diesen Kindern zu helfen und zu versuchen ihre Probleme zu lösen und im Endeffekt, wie in jeder Therapie, ihre Lebensqualität zu verbessern“, erklärt die Koordinatorin.

Die Versorgung und der enge Kontakt zu den Zoobewohnern vermittelt den Teilnehmern ein Gefühl der Verantwortung. Zum Dank schenken die Tiere ihren besonderen Betreuern bedingungslose Zuneigung. Merlin-Knopp erklärt, dass das Gefühl, von den Vierbeinern geliebt und akzeptiert zu werden, mit der mentalen Unterstützung durch einen Therapeuten, erstaunliche Wirkung auf die Kinder zeigt. Viele der Schulkinder erleben weder Anerkennung noch Liebe in ihren Familien.

„Es ist ein wunderbares Programm“, so Merlin-Knopp. „Ich denke, es ist etwas ganz Besonderes.“

Titelbild: Ein Junge füttert einen kleinen Papagei im biblischen Zoo in Jerusalem. Bild: Kobi Gideon/Flash90

Weitere News aus dem Heiligen Land