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Spionagevorwurf: Reinigungskraft im Haus des Verteidigungsministers kontaktiert Iran

JERUSALEM, 21.11.2021 (DK) – Ein grober Sicherheitsfehler hat beim israelischen Inlandsgeheimdienst Shin Bet für Aufsehen gesorgt: Im Haus des Verteidigungsministers Benny Gantz war eine Reinigungskraft mit beträchtlichem Vorstrafenregister eingestellt worden. Omri Goren war mehrmals verhaftet worden und saß unter anderem wegen Bankraub im Gefängnis. Nach Angaben des Geheimdienstes sei er jedoch für gerade mal 6200 Euro bereit gewesen geheime Informationen an den Iran weiterzugeben – ein Schnäppchen für Israels Erzfeind Teheran. Obwohl der Shin Bet den Spionageversuch rechtzeitig aufdeckte, nehmen die Beamten den Fall sehr ernst. 

Goren wollte angeblich Virus auf Gantzs Computer installieren 

Mit Fotos von Gantzs Arbeitszimmer, dem Internetrouter, einem Safe und seinem persönlichen Tablet, wandte sich der 37-jährige Kriminelle über Telegram an die iranische Hackergruppe Black Shadow. Die Hacker hatten bereits vergangenen Monat auf sich aufmerksam gemacht, als sie private Details einer israelischen Dating-Seite für Schwule und Lesben öffentlich ins Netz stellten. Goren hatte den Iranern angeboten einen Virus auf Gantzs Laptop für eine lächerlich kleine Geldsumme zu installieren.

Der israelische Fernsehsender Kanal 12 zitierte eine anonyme Sicherheitsquelle, dass beim Shin Bet „Köpfe rollen könnten“ für einen Fehler, der in einer nationalen Katastrophe hätte enden können. Goren war von Gantz eingestellt worden, als dieser noch nicht das Amt des Verteidigungsministers inne hatte. Nach der Übergabe des Amtes waren allem Anschein nach die Akten der Angestellten nicht sorgfältig eingesehen worden. Dem Ex-Häftling werden rein finanzielle Motive unterstellt. Gorens Anwalt, Gal Wolf, deutete an, dass es sich lediglich um einen Bluff gehandelt hätte. „Eine Person kann sich rühmen und sagen, dass sie die Informationen liefern kann, aber die Anschuldigung des Shin Bet hält dem Test der Realität nicht stand“.

Auch der Geheimdienst bestätigte, dass der Verdächtige „keinen Zugang zu Geheimmaterial hatte und demnach nichts von ihm an die Gruppe weitergegeben wurde, mit der er im Kontakt stand“.

Iranische Hacker hatten Zugriff auf Informationen des israelischen Militärs 

Iran und Israel messen sich seit geraumer Zeit auf Cyber-Ebene. Vergangenen Monat hatte eine weitere iranische Hackergruppe namens „Moses Staff“ Einzelheiten über den Einsatz einer IDF-Kampfbrigade, einschließlich der Wohnadressen ihrer Mitglieder ins Internet gestellt. Es wurden auch Fotos von Gantz gepostet, gefolgt von der Drohung, dass er von Hackern überwacht werde.  „Wir kennen jede Entscheidung, die Sie treffen und greifen Sie dort an, wo Sie es am wenigsten erwarten. Wir haben geheime Dokumente des Verteidigungsministeriums“, so die Hacker. Vor seiner Karriere als Politiker war Gantz der Generalstabschef des israelischen Militärs gewesen. 

Bild: Verteidigungsminister Benny Gantz bei einer Sitzung in seinem Ministerium am 19. Oktober 2021. Quelle: Yonatan Sindel/Flash90

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