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Israels Sicherheitsminister gibt sensible Militärgeheimnisse preis

JERUSALEM, 04.05.2022 (NH) – Die israelischen Streitkräfte im kleinen jüdischen Staat leisten Ungeheuerliches. Die Armee, die von ihrer Größe der Bundeswehr gleicht, gilt als eine der stärksten Armeen der Welt. Auch die israelische Polizei rühmt sich mit ihren kampferprobten Einheiten. Daher ist es mehr als verwunderlich, dass Israels Minister für öffentliche Sicherheit in seiner Position alles andere als glänzt.

„Wir werden den Terroristen vor Gericht stellen“

Omer Barlev, der 68-jährige Minister für die Landessicherheit Israels, stach in den vergangenen Wochen mehrfach durch unakzeptables Verhalten hervor und sorgte mit seiner Unwissenheit landesweit für Furore.

Der schreckliche Terroranschlag in Beer Sheva vergangenem März, bei dem vier Menschen getötet und der Terrorist von einem Busfahrer eliminiert wurde, löste in Israel eine Welle des Terrors aus. Barlev beschloss, der Beerdigung des Terroropfers Dorit Yahbas beizuwohnen. In seiner Grabrede versprach er den Hinterbliebenen, nicht zu ruhen, bis er den Terroristen gefasst und für seine Taten zur Rechenschaft gezogen hat. Später scherzte der Minister über seinen Ausrutscher und kündigte kurzerhand seinen Sprecher. Mit weiteren schlecht durchdachten und geschmacklosen Tweets auf sozialen Netzwerken, in welchen er mit zwinkernden Emojis seine peinliche Grabrede beschönigt, geriet er ein weiteres Mal in heftige Kritik.

Omer Barlev entwickelt sich zum Staatsclown

Leider sollten die blamablen Versprecher des Sicherheitsministers nicht die Letzten sein: Omer Barlev erklärte nur zwei Tage nach dem Mord an dem 23-jährigen Wachmann in Ariel, dass es „im vergangenen Monat keine Anschläge in Israel gegeben hat“. Die Tatsache, dass in Tel Aviv drei Menschen bei einer tödlichen Schussattacke palästinensischem Terror zum Opfer fielen, scheint der Sicherheitsminister auszublenden.

Nach beschämenden Tweets und verwirrten Grabreden sorgt der Minister nun kurz vor dem israelischen Soldatengedenktag für einen Medien-Sturm. Omer Barlev gab während eines Interviews sensible Staatsgeheimnisse, die unter Militärzensur standen, preis. Der Minister sprach über eine lange Liste von Kämpfern, die unter seinem Kommando im Kampf getötet wurden. So erzählte er von einem Soldaten, der in der Eliteeinheit „Sayeret Matkal“ 1984 unter seinem Befehl verstarb. „Barak Sharabi (Name des verstorbenen Soldaten) wurde getötet, als er unter meiner Aufsicht stand. Ich war damals Kommandeur der Einheit. Er fiel irgendwo tief im Inneren Syriens“, so der Sicherheitsminister.

Laut öffentlich zugänglichen Informationen geriet die Einheit während einer geheimen Militäroperation in eine Notlage und erlitt große Verluste. Acht weitere Kämpfer wurden schwer verletzt. Die Mission galt als strategischer Wendepunkt des Elite-Kommandos und war so geheim, dass jahrelang keine Details veröffentlicht wurden. Zu Beginn teilte man Sharabis Eltern mit, ihr Sohn sei bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Erst viel später eröffnete die Armee den Hinterbliebenen, dass Barak bei einer geheimen Operation auf feindlichem Gebiet gefallen war.

Opposition drängt auf Rücktritt

Nach Barlevs Ausrutscher wurde die Militärzensur für den Fall „Sharabi“ aufgehoben. Inzwischen fordern Knessetabgeordnete, die Qualifikation des Sicherheitsministers zu prüfen. Seine Aussagen wiesen auf einen besorgniserregenden Gesundheitszustand hin. Formelle Anträge zur Untersuchung seiner Kompetenz für das Amt des Sicherheitsministers seien von der Regierungsopposition eingereicht worden.

Titelbild: Der Minister für öffentliche Sicherheit Omer Barlev bei einer Zeremonie der israelischen Polizei in Jerusalem. Foto: Arie Leib Abrams/Flash90

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