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Wohltätigkeit oder freie Marktwirtschaft? Israels größte Supermarktkette bietet Orthodoxen günstigere Preise

JERUSALEM, 11.01.2023 (LS) – Einem Bericht des Fernsehsenders Channel 12 zufolge bietet Israels größte Supermarktkette Shufersal Kunden in ultraorthodoxen Vierteln deutlich günstigere Preise für dieselben Produkte als im Rest des Landes.

Das Unternehmen betreibt eine Tochtergesellschaft, Yesh Chesed, die überwiegend orthodoxe Kunden bedient und in der die Preise für einige Artikel nur halb so hoch sind wie in regulären Shufersal-Verkaufsstellen..

Unterschiedliche Preise für dieselben Produkte

Sowohl Shufersal als auch Yesh Chesed betreiben ihre eigenen Hausmarken. Obwohl die Produkte in denselben Fabriken hergestellt werden, werden sie zu sehr unterschiedlichen Preisen verkauft.

Bei Shufersal kosteten Papierhandtücher dem Bericht zufolge 18,90 Schekel (5,44 €), während sie bei Yesh Chesed 14,90 Schekel kosteten. Geschirrspülmittel kostete bei Shufersal 9,90 Schekel, bei Yesh Chesed 4,90 Schekel. Auch Gemüse war bei Yesh Chesed billiger, Gurken kosteten 24 % weniger als in den Shufersal-Läden. Den größten Unterschied zwischen den beiden Ketten gab es bei den Preisen für Müllsäcke – ein Unterschied von 111 %.

Auf den Bericht angesprochen, erklärte Shufersal: „Alle unsere verschiedenen Arten von Geschäften sind für jedermann zugänglich. Wir versorgen Millionen von Kunden durch verschiedene Einzelhandelsformate mit unterschiedlichen Betriebskosten, Produkten und Preisen in verschiedenen Stadtvierteln.“

Viel Lärm um nichts?

Da Shufersal ein privates Unternehmen ist, bietet es orthodoxen Kunden die günstigeren Preise sicherlich nicht an, weil es ihnen einen Gefallen tun möchte. Die Filialen des Tochterunternehmens Yesh Chesed bieten ein deutlich begrenzteres Sortiment an Produkten.

Während Kunden in anderen Shufersal-Filialen die Wahl zwischen verschiedenen Marken haben und auch spezielle, weniger gefragte Produkte finden können, sind in Yesh Chesed vor allem Grundnahrungsmittel und Produkte mit hoher Nachfrage zu finden. Viele Produkte sind lediglich als Eigenmarken des Unternehmens erhältlich. Yesh Chesed kauft die Produkte in großen Mengen und kann sie daher billiger anbieten.

Außerdem sind die Filialen von Yesh Chesed weniger attraktiv, schlechter gepflegt, es gibt lange Warteschlangen und der Kundenservice ist nicht gut. Sie werden kostengünstiger geführt, aber das Einkaufserlebnis ist deutlich schlechter.

Geeignete Zielgruppe

Ultraorthodoxe Familien sind für so ein Geschäftsmodell eine passende Zielgruppe. Sie haben große Familien mit oft mehr als zehn Kindern, kaufen also in großen Mengen die günstigsten Produkte. Sie kaufen selten fertige Gerichte, sondern kochen vieles selbst, um Geld zu sparen. Daher findet man bei Yesh kaum Fertigprodukte oder Fertigsaucen. Sie achten nicht auf Marken, sondern vor allem auf den Kaschrut (Koscher)-Standard. In Yesh-Filialen sind ausschließlich Produkte mit hohem Kaschrut zu finden. Das allein schränkt das Sortiment sehr ein. Aufgrund des hohen Koscherstandards sind jedoch einige Produkte auch deutlich teurer, vor allem Geflügel- und Fleischprodukte.

Shufersal betreibt auch die Marken Shufersal Express, Shufersal Deal und My Shufersal, die alle unterschiedliche Preise für verschiedene Marktsegmente anbieten.

Titelbild: Diskriminierung oder Marketing? Ein Supermarkt steht unter Beschuss. Foto: Michael Giladi/ Flash90

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