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Die Gesichter & Geschichten hinter den Geiseln – Nadav Popplewell

JERUSALEM, 30.04.2024 (NH) – Wir wollen den Geiseln in Gaza ein Gesicht geben und ihre Geschichte erzählen. Wir wollen gemeinsam unseren Alltag für ein paar Minuten anhalten und für die Heimkehr eines jeden Einzelnen beten.

„Wer auch nur ein Leben rettet, rettet die ganze Welt” (Mischna, Sanhedrin 4:5)

Nadav Popplewell (52), Kibbutz Nirim

Familie Popplewell stammt ursprünglich aus Wakefield in West Yorkshire aus England. Doch die Popplewells leben bereits seit vielen Jahren in Israel. Damals ließ sich die britische Familie in dem idyllischen Grenzkibbuz Nirim nieder. Die Mutter Channa Perri (79) und ihre beiden Söhne Roi (54) und Nadav leben noch immer in der Kibbuzgemeindschaft. Die Tochter Ayelet, die als Schriftstellerin tätig ist, lebt mit ihrem Gatten und ihren Kindern in einer Gemeinde im Norden Israels.

Nadav Popplewell wird als Familienmensch und Literaturliebhaber beschrieben. Der 52-Jährige, der über eine Sammlung von Hunderten von Science-Fiction-Büchern verfügt, verbringt  seine Zeit mit seinen geliebten Neffen oder spielt mit seinen Freunden aus dem Kibbuz Bridge.

Zerstörung inmitten idyllischer Natur. Die Überreste der Häuser in Nirim, die von Hamas-Terroristen zerstört wurden, als sie am 7. Oktober 2023 in der Nähe der Grenze zwischen Israel und Gaza in den Kibbuz infiltrierten. Foto: Yossi Aloni/Flash90

Am Morgen des 7. Oktober stürmten bewaffnete Hamasterroristen den Kibbuz Nirim und richteten ein Massaker an. Fünf Menschen wurden ermordet, Dutzende verletzt. Weitere fünf Zivilisten wurden als Geiseln nach Gaza verschleppt. Bei der Hamas-Invasion auf den Süden Israels wurden insgesamt rund 20 Briten, darunter auch Kinder, massakriert oder verschleppt. Die Familie Popplewell war eine dieser Opfer.

An diesem “Schwarzen Schabbat“ machte Ayelets Ehemann sie auf die beunruhigenden Nachrichten aufmerksam, an der Gazagrenze und den umliegenden Grenzgemeinden sei etwas im Gange. Ayelet rief sofort ihre Mutter an und erklärte ihr, sie solle sich sofort zusammen mit ihren Brüdern im Schutzbunker des Hauses einschließen. Channah antwortete noch, die Tür habe kein Schloss. Im gleichen Augenblick hörte Ayelet Männer auf Arabisch Schreien. Die Hamasterroristen hatten das Haus der alten Frau gestürmt.

Channa Perri ist eine der fünf Zivilisten aus Nirim, die nach Gaza verschleppt wurden. Foto: privat

Ayelet konnte die Terroristen reden hören, dann brach das Telefonat ab. Wenige Minuten später erhielt die Tochter Fotos von ihrem Bruder Nadav und ihrer Mutter Channa – mit einem bewaffneten Terroristen im Hintergrund. Die Nachricht lautete: “Hamas”. Die unmenschlichen Terroristen hatten ihre Opfer fotografiert und schickten Fotos an die Kontakte im Handy der alten Frau. Ein weiteres Foto wurde später auf Channahs Facebook-Seite veröffentlicht. Das Bild dokumentierte sie mit Nadav und einem bewaffneten Hamas-Kämpfer.

Die Terroristen fotografierten die 79 Jahre alte Großmutter und schickten das Foto an ihre Handykontakte. Foto: privat

Die Terroristen nahmen Oma Channah und ihren Sohn Nadav gefangen und verschleppten die beiden nach Gaza. Roi, der ältere Sohn, wurde bei dem Angriff auf den Kibbuz hinter seinem Haus ermordet. Seine sterblichen Überreste wurden beigesetzt, während sich seine Mutter und sein Bruder in Hamas-Geiselhaft befanden.

“Mein Leben wurde am 7. Oktober in zwei Teile geteilt. In der ersten Nacht war meine ganze Familie verschwunden, dann fanden sie am nächsten Tag die Leiche meines ältesten Bruders und ich verbrachte die Zeit damit, seine Leiche zu identifizieren”, erzählt Ayelet den israelischen Medien. “Jetzt sind alle weg. Meine ganze Familie. Niemand ist mehr da. Von meiner Familie ist nichts mehr übrig.”

Channah wurde am 24.11. im Rahmen eines vorübergehenden Geiselabkommens und Waffenstillstandes aus der Gefangenschaft in Gaza entlassen. Doch das Abkommen, das von Katar und den Vereinigten Staaten zwischen der Hamas und Israel ausgehandelt wurde, beinhaltete nur die Freilassung von Frauen und Kindern – Männer, jung und alt, blieben zurück. So hat Channa ihren Sohn Nadav in Gaza zurücklassen müssen. Channah und Nadav wurden während ihrer gesamten Gefangenschaft in einem Tunnel unter Gaza zusammen gehalten. Weiter berichtete die 79-Jährige, ihr Nadav habe während seiner Gefangenschaft bereits sehr viel Gewicht verloren. Dazu leide Nadav an Diabetes und Asthma und benötige dringend Medikamente und Inhalatoren.

Channa Perri (Zweite von links) wird nach 49 Tagen Geiselhaft freigelassen. Foto: Hamasvideo Screenshot

Nachdem Channah aus der Hamas-Gefangenschaft befreit wurde, erfuhr die 79-Jährige vom Tod ihres ältesten Sohnes Roi. Gleich nach ihrer Befreiung besuchte sie das Grab ihres geliebten Kindes.

In einem Interview mit der Daily Mail berichtet Ayelet, ihre Mutter könne das Begräbnis eines weiteren Sohnes nicht ertragen.

Am 1.4.2024 „feierte“ Nadav seinen 52. Geburtstag in Hamas-Gefangenschaft. Er hatte nicht das Privileg, den besonderen Moment mit seinen Liebsten zu teilen.

Nadav, wir beten für Deine Rückkehr.

***UPDATE***

Die Terrororganisation Hamas hat am 11. Mai, nach 217 Tagen in Geiselhaft, ein Video veröffentlicht, das den Entführten Nadav Popplewell zeigt. Nadav hat einen großen Bluterguss im Gesicht und noch ist unklar, wann das Bildmaterial gefilmt wurde. In dem sehr kurzen Film, der als psychologischen Kriegsführung der Terrorgruppe dient, behaupten die Terroristen, die Geisel wäre bei Luftangriffen der israelischen Luftwaffe getötet worden. Foto: Screenshot Hamas Video

Forum der Familien und Freunde von Hunderten von unschuldigen Entführten, die von der Hamas als Geiseln genommen wurden.

Titelbild: Nadav Popplewell. Foto: privat

 

 

 

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