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Geheimdienstdokument kurz vor dem 7. Oktober: „Hamas bereitet sich auf 200-250 Entführte vor“

JERUSALEM, 19.06.2024 (NH) – Ein brisanter Medienbericht hat ein Geheimdienstdokument enthüllt, das etwa drei Wochen vor den grausamen Ereignissen des 7. Oktober von der Gaza-Division der israelischen Streitkräfte zusammengestellt wurde. Das neu aufgetauchte Schriftstück skizziert die Angriffspläne der Hamas auf israelische Ziele bis ins letzte Detail. Dem Fernsehbericht zufolge sollen die israelischen Geheimdienstsysteme auch davon ausgegangen sein, dass der Hamas-Schlachtplan die Entführung von etwa 250 Menschen beinhaltet. Trotz vorläufiger, akut alarmierender Informationen, hat das israelische Militär jedoch nur Vorbereitungen für einen punktierten Überfall von ein paar Dutzend Terroristen an drei Orten getroffen  – und de facto nicht auf das, was tatsächlich geschah.

Sicherheitsquellen ignorieren Warnsignale

Einem Fernsehbericht des israelischen Nachrichtensenders Kan 11 zufolge wurde das Geheimdienstdokument mit dem Titel „Detailliertes End-to-End-Überfalltraining“ bereits am 19. September 2023 in Umlauf gebracht. Das Expose skizzierte zunächst Details über die Kontinuität des Trainings der Hamas-Eliteeinheiten: „Die Ausbildung der Terroristen begann täglich in den frühen Morgenstunden mit Gebet und einer Mahlzeit. Um 12:00 Uhr mittags wurden Kampfausrüstungen und Waffen an die Terroristen verteilt, gefolgt von Übungen im Hauptquartier der jeweiligen Kompanie. Ab 14 Uhr übten die Hamaseinheiten verschiedene Überfallszenarios auf israelisches Territorium, wobei jede Truppe einen anderer Zielposten innehatte“, so in dem Schriftstück. Die Unterlagen beinhalteten dramatische Invasions-Szenarien in israelische Armeestützpunkte, Grenzgemeinden und Städte sowie die Entführung von Soldaten und Zivilisten. Das Dokument listet nicht nur detaillierte Anweisungen zur Übergabe der Geiseln an die Kommandeure der verschiedenen Terrorkompanien und ihre spätere Behandlung in Gaza-Gefangenschaft auf, sondern auch unter welchen Bedingungen die israelischen Gefangenen hingerichtet werden dürfen.

„Nur Hamasausbildung – keine akute Warnung“

In dem Bericht von Kan 11 heißt es: „Sicherheitsquellen berichten, dass der Entwurf der Geheimdienstführung bekannt war – zumindest der Gaza-Division“. Das israelische Militär behauptet jedoch, dass es sich bei dem Dokument nur um „die Ausbildung der Hamas und nicht um akute Warnung vor Aktionen“ handle. Es scheint, dass die Informationen von den höheren Diensträngen nicht richtig gedeutet oder gar die Warnsignale nachlässig in den Wind geschlagen wurden. Es mag auch sein, dass der israelische Sicherheitsapparat seine Hoffnungen an die hochtechnologisch-ausgeklügelte Sicherheitsbarriere hängte, die zwei Jahre vor dem Hamasangriff fertiggestellt wurde – ganz nach dem Motto: „Der neue Sicherheitszaun mach einen Angriff in diesem Ausmaß unwahrscheinlich“. Am besagten 7. Oktober versagte die Barriere kläglich.

Das israelische Militär veröffentlicht jetzt in einer Stellungnahme: „Die Armee untersucht die Ereignisse vom 7. Oktober und was ihnen vorausging. Der Zweck der Nachbesprechungen ist es, Lehren für die Fortsetzung der Kämpfe zu ziehen. Die Untersuchungen werden derzeit durchgeführt, und wenn sie abgeschlossen sind, werden die Ergebnisse der Öffentlichkeit transparent präsentiert.“

Titelbild: Die hochtechnologische Grenzbarriere wurde am 7. Oktober zerstört. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90

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