zurück zu Aktuelles

Hungersnot in Gaza? Neuer Bericht zeigt: Die düsteren Vorhersagen waren weit übertrieben

JERUSALEM 03.07.2024 (LS) – Eine in der vergangenen Woche veröffentlichte Untersuchung der Organisation Integrated Food Security Phase Classification („Integrierte Klassifizierung der Ernährungssicherheitsphasen“, kurz IPC) hat festgestellt, dass im Gazastreifen derzeit keine Hungersnot herrscht. Auch die Anfang des Jahres geäußerten Behauptungen über Massenhunger scheinen keine Grundlage zu haben.

Eine genaue Prüfung des Berichts zeigt nicht nur Diskrepanzen zwischen den Behauptungen von UN-Organisationen und humanitären Helfern über die Lage in Gaza, sondern auch zwischen den Behauptungen der Mitarbeiter der IPC selbst und den Daten in ihrem eigenen Bericht.

Die Daten zeigen auch, dass die IPC-Prognose vom März, wonach im Juli etwa 1,1 Millionen Menschen im Gazastreifen unter dem höchstmöglichen Grad an Ernährungsunsicherheit leiden würden, laut ihrer eigenen neuen Studie völlig falsch war: Sie war mehr als dreimal so hoch wie die tatsächliche Zahl der Menschen, die sich am 15. Juni in dieser Kategorie befanden.

Hungersnot als angebliche Kriegsmethode

Die IPC, die mit der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen verbunden ist, gilt als neutrale und verbindliche Einrichtung, deren Aufgabe es ist, vor Hungersnöten und drohenden Hungersnöten in der ganzen Welt zu warnen und darauf aufmerksam zu machen.

Ihr Bericht vom März, in dem sie eine Hungersnot im Gazastreifen noch vor dem 15. Juli vorhersagte, ließ weltweit Panik ausbrechen, da anscheinend eine humanitäre Katastrophe drohte.

Die Vorwürfe der drohenden Hungersnot sind auch ein zentraler Bestandteil der juristischen Verfahren gegen Israels Kriegsführung gegen die Hamas sowohl vor dem Internationalen Gerichtshof als auch vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Premierminister Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Yoav Gallant werden wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt, da sie angeblich Hungersnot als Kriegsmethode gegen die Palästinenser eingesetzt haben.

Hungersnot oder nicht?

Die Ergebnisse des aktuellen Berichts haben einige Experten dazu veranlasst, die Grundlage der neuen IPC-Prognosen in Frage zu stellen, die erneut eine Zunahme der Hungersnot im Gazastreifen vorhersagen.

Prof. Aron Troen von der School of Nutrition Science der Hebräischen Universität erklärte, dass die “begrenzte Transparenz” der Studie und die darin enthaltenen “schrägen Projektionen” das “Vertrauen in den Bericht und in die Neutralität und Unparteilichkeit” des IPC und seiner Institutionen untergraben.

Eine israelische Untersuchung über die Versorgung der Einwohner Gazas ergab im Mai, dass es dort nicht einmal eine Unterernährung gibt. Die Experten, die sich mit der Menge der während des Krieges in den Gazastreifen gelangten Lebensmittel befasst haben, sind zu dem Schluss gekommen, dass die Lieferungen von Januar bis April ausreichen, um den täglichen Energie- und Proteinbedarf der Bevölkerung zu decken.

Die Autoren stellten fest, dass die durchschnittliche Energieverfügbarkeit über vier Monate hinweg 3.163 kcal pro Person und Tag betrug.

Dies übersteigt deutlich den weithin akzeptierten Standard von 2.100 kcal pro Person und Tag, der für die Mindestmenge an Nahrungsmittelhilfe im Krisenfall festgelegt wurde.

Titelbild: Seit Beginn des Krieges erreichen Hilfslieferungen aus aller Welt den Gazastreifen. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90

Weitere News aus dem Heiligen Land