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Wie viele Leichen von Geiseln liegen noch in den Tunneln der Hamas im Gazastreifen?

JERUSALEM, 20.08.2024 (TM / TPS) – Die israelische Armee hat heute die Leichen von sechs Israelis aus dem Gazastreifen geborgen. Die Männer im Alter zwischen 34 und 80 Jahren sind am 7. Oktober entführt und später von Hamas-Terroristen ermordet worden. Nachdem immer mehr Leichen von verschleppten Entführten im Gazastreifen gefunden werden, stellt sich die Frage: Lehnt die Terrororganisation ein Abkommen mit Israel ab, weil sie nicht mehr über genügend lebende Geiseln verfügt, um die Forderungen Israels und der USA erfüllen zu können?

Israel will lebende Geiseln zurück

Bei den Angriffen der Hamas auf israelische Gemeinden nahe der Grenze zum Gazastreifen wurden 252 Israelis und Ausländer als Geiseln genommen. Einige kamen beim ersten Geiselabkommen im November 2023 frei, andere wurden von israelischen Truppen befreit, drei wurden irrtümlich erschossen. Von den 105 übrigen Geiseln wurden mehr als 30 offiziell für tot erklärt. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass deutlich mehr Entführte nicht mehr am Leben sind. Dafür spricht, dass die Hamas gefordert hat, beim nächsten Abkommen auch die Rückgabe von Leichen als „freigelassene Geiseln“ zu zählen. Israels Regierungschef Netanjahu hat das abgelehnt und darauf bestanden, dass als Gegenleistung für eine Waffenruhe möglichst viele lebende Geiseln freikommen sollen, vor allem Kinder, Frauen und ältere Menschen. Obwohl die Hamas militärisch weitgehend besiegt ist, sträubt sich ihr Führer Yahir Sinwar gegen diesen Teil der Abmachung. Geheimdienst-Experten vermuten, dass Sinwar etwa zwei Dutzend Geiseln als menschliche Schutzschilde missbraucht, um sich vor israelischen Angriffen zu schützen.

Demonstranten fordern in Tel Aviv die Freilassung der Geiseln, die von Hamas-Terroristen in den Gazastreifen entführt wurden. Foto: Jamal Awad/Flash90

Sechs Tote – sechs Schicksale

Alle sechs Männer, deren sterbliche Überreste heute nach Israel gebracht wurden, waren bei ihrer Entführung gesund. Wochen später tauchten sie in Propaganda-Videos der Hamas auf. Das sind die sechs Männer:

Yoram Metzger (80) wurde zusammen mit seiner Frau Tamar aus dem Kibbutz Nir Oz entführt. Sie kam während einer vorübergehenden Waffenruhe im November frei. Seinen Enkeln zufolge machte Metzger Karriere in der Armee und gehörte zu den ersten Fallschirmjägern, die während des Sechstagekrieges 1967 an der frisch befreiten Klagemauer eintrafen. Außerdem war er Mitbegründer einer erfolgreichen Farbenfirma. Yoram hinterlässt drei Kinder und sieben Enkel.

Avraham Munder (79) arbeitete in einer Farbenfabrik im Kibbutz Nir Oz und war Veteran des Sechstagekrieges. Er wurde zusammen mit seiner Frau Ruti, seiner Tochter Keren und seinem Enkel Ohad gefangen genommen, die alle im Rahmen des Geiselabkommens im November freigelassen wurden. Am 7. Oktober wurde sein Sohn Roy ermordet. Nach Angaben seines Neffen Eyal Mor wurde Avraham vermutlich im März in Gefangenschaft umgebracht.

Nadav Popplewell (51) wurde zusammen mit seiner Mutter Channah, die ebenfalls im November freigelassen wurde, aus dem Kibbuz Nirim entführt. Nadav war ein Computerspezialist und Literaturliebhaber mit einer Sammlung von Hunderten von Science-Fiction-Büchern. Nadavs älterer Bruder Roi wurde in seinem Haus im Kibbuz ermordet. Nadav hinterlässt eine Schwester und eine Mutter.

Chaim Peri (80) aus Nir Oz war Künstler, Drehbuch- und Kinderbuchautor, Kurator und Gründer der Nir Oz-Kunstgalerie sowie Friedensaktivist. Peri arbeitete ehrenamtlich für die gemeinnützige Organisation Road to Recovery, die kranke Palästinenser von der Grenze zum Gazastreifen zur medizinischen Behandlung nach Israel brachte. Er wurde entführt, als er seine Frau schützen wollte. Chaim hinterlässt fünf Kinder und dreizehn Enkel.

Alexander Dancyg (76) aus Nir Oz war Historiker, Holocaust-Pädagoge und Verfechter des polnisch-jüdischen Dialogs. Dancyg wurde als Sohn von Holocaust-Überlebenden in Polen geboren und kam im Alter von neun Jahren nach Israel. Er war Mitbegründer eines weit verbreiteten Programms, das israelische Schüler nach Polen brachte, um sie über die Konzentrationslager zu informieren. Er hinterlässt vier Kinder und 13 Enkel.

Yagev Buchshtav (34) aus dem Kibbutz Nirim war Tontechniker und Musiker. Er wurde zusammen mit seiner Frau Rimon entführt, die im November freigelassen wurde. Beide teilten eine Leidenschaft für die Rettung ausgesetzter und misshandelter Tiere. Yagev baute außerdem Musikinstrumente und betrieb ein Tonstudio. Er hinterlässt seine Frau, seine Eltern und zwei Geschwister.

Titelbild: Das sind die sechs Männer, deren Leichen vom israelischen Geheimdienst und der Armee im Gazastreifen gefunden wurden: (im Uhrzeigersinn von oben links): Yagev Buchsthtab, Avraham Munder, Nadav Popplewell, Alexander Dancyg, Yoram Metzger und Haim Peri. Fotos mit freundlicher Genehmigung des Forums der Geiseln

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