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Hisbollah-Pager wurden zum tödlichen Trojaner – die angebliche Science-Fiction-Mission des Mossad im Libanon

JERUSALEM, 07.10.2024 (NH) – Die amerikanische Tageszeitung Washington Post hat neue brisante Details über die Pager-Angriffe auf Hisbollah-Terroristen im gesamten Libanon veröffentlicht. Demnach hatte der berüchtigte israelische Auslandsgeheimdienst Mossad eine unsichtbare Kontrolle über die Funkrufempfänger. Eine verschlüsselte elektronische Nachricht an das Gerät habe die Explosion von Tausenden von Piepsern auf einmal ausgelöst. Die Science-Fiction-Geheimdienstoperation wird verschiedenen Quellen zufolge dem Mossad zugeschrieben.

Verschlüsselte Nachricht erfordert zwei Hände

Am 17. September piepten im Libanon und in Syrien tausende Pager. Auf dem Display soll ein kurzer Satz auf Arabisch erschienen sein: „Sie haben eine verschlüsselte Nachricht erhalten“. Pflichtbewusste Hisbollah-Terroristen folgten der Anweisung: In Häusern und Supermärkten, Fahrzeugen und öffentlichen Einrichtungen explodierten die kleinen Geräte, verletzten und töteten Tausende von Terroranhängern.

Die Washington Post veröffentlichte jetzt in ihrer Titelgeschichte neue Details aus Interviews mit israelischen, amerikanischen und arabischen Sicherheitsbeamten, Politikern und Diplomaten. Einige der Interviewpartner sollen sogar der Hisbollah nahestehen. Eine dieser Quellen erklärt, dass die Hisbollah-Aktivisten zwei Knöpfe gleichzeitig drücken mussten, um die verschlüsselte Nachricht zu lesen. In der Praxis bedeutete dies, dass der Empfänger „beide Hände benutzen musste“. Die Pager-Besitzer sind so mit ziemlicher Sicherheit „an beiden Händen verletzt und damit kampfunfähig“ gemacht worden.

Chaos im Libanon: Krankenwagen werden vor dem Eingang des medizinischen Zentrums der American University of Beirut von Menschen umringt. Nach den Explosionen suchten Tausende medizinische Hilfe.
Chaos im Libanon: Krankenwagen werden vor dem Eingang des medizinischen Zentrums der American University of Beirut von Menschen umringt. Nach den Explosionen suchten Tausende medizinische Hilfe. Foto: Anwar Amro / AFP

Abhörradios made in Israel

Hinter dem Angriff soll ein ausgeklügelter Plan des Mosad stecken. Der Schlachtplan sei in Tel Aviv ausgeheckt und von einem Team von Geheimagenten und unwissenden Kollaborateuren weltweit ausgeführt worden. Die Washington Post behauptet, der israelische Geheimdienst habe jahrelang versucht, die Hisbollah elektronisch zu überwachen und sogar mit Spionen zu infiltrieren. Die Führung der Terrororganisation fürchtete israelische Überwachung und Cyberangriffe und ahnte, dass selbst gewöhnliche Mobiltelefone zu Abhörgeräten mutieren könnten. Die Suche der Hisbollah nach elektronischen Geräten, die gegen israelische Cyberangriffe immun sind, brachte Israel auf die Idee, ein elektronisches Netzwerk aufzubauen, das im richtigen Moment als „Trojanisches Pferd“ eingesetzt werden könnte.

Der Mossad entwickelte daraufhin zwei Strategien: Israel begann mit der Herstellung von Radios, die mit Sprengstoff und Abhörgeräten ausgestattet waren. Die präparierten Funkgeräte gelangten 2015 in den Libanon und ermöglichten dem israelischen Geheimdienst in den vergangenen neun Jahren vollen Zugriff auf die Kommunikation der Hisbollah.

Pager und Walkie-Talkies als Trojanische Pferde

In einer technischen Meisterleistung stattete der Mossad dannach kleine Pager mit hochexplosivem Sprengstoff aus. Über eine vertrauenswürdige Handelsvertreterin, die für den Markt im Nahen Osten zuständig war, erhielt die libanesische Terrororganisation 2023 eine Anfrage für das in Taiwan hergestellte Kommunikationsgerät AR-924 der Firma Gold Apollo. Wie sich erst später herausstellte, war die Produktion des Pagers ausgelagert worden und die Herstellung der Geräte soll physisch in Israel unter Aufsicht des Mossad stattgefunden haben. Die Vertriebsmitarbeiterin, deren Identität bis heute geheim gehalten wird, soll von dieser Operation nichts gewusst haben. Ironischerweise war es schließlich die Hisbollah, die Israel für 5.000 kleine Pager-Bomben und den anschließenden Angriff bezahlte.

Der Pager-Angriff soll jedoch im israelischen Verteidigungsestablishment vor seiner Durchführung zu heftigen Kontroversen geführt haben. Besorgte Offiziere erklärten, man könne „eine Eskalation im Libanon nicht auf der Grundlage eines Spielzeugs auslösen“. Die Entscheidung, den Funkangriff durchzuführen, soll laut Washington Post erst fünf Tage vor dem Attentat gefallen sein.

Am 17. September explodierten schließlich in weniger als einer Minute tausende Pager, die auf einen ferngesteuerten Befehl reagierten. Am nächsten Tag explodierten Tausende von Walkie-Talkies auf die gleiche Weise.

Titelbild: Illustration eines Pagers, auch Piepser genannt. Foto: Nati Shohat/Flash90

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