
Archäologische Funde in Jerusalem belegen die in der Bibel beschriebene assyrische Invasion
JERUSALEM, 10.10.2024 (TPS) – Zum ersten Mal wurden in der Nähe von Jerusalem archäologische Funde gemacht, die Aufschluss über die wirtschaftlichen Auswirkungen des assyrischen Feldzugs gegen das Königreich Juda geben. Über diesen Krieg berichtet die Bibel. Das teilte die Israelische Altertumsbehörde mit.
„Es ist sehr bewegend, auf Botschaften von hochrangigen Beamten der judäischen Verwaltung aus der Zeit vor rund 2.700 Jahren zu stoßen“, erklärte der Minister für Kulturerbe, Rabbi Amichai Eliyahu. „Die faszinierende Entdeckung der israelischen Altertumsbehörde erzählt die jahrtausendealte Geschichte des jüdischen Volkes, das es trotz Krisen und sehr schwieriger Zeiten immer verstanden hat, wieder aufzustehen, wieder aufzubauen und zu gedeihen.“
Gott rettete die Stadt Jerusalem
Die Entdeckungen wurden bei Ausgrabungen der Altertumsbehörde im Süden Jerusalems im Vorfeld des Baus eines neuen Viertels gemacht. Die Funde zeigen einen tiefgreifenden Wandel im Verwaltungs- und Wirtschaftssystem Judas nach der assyrischen Invasion im Jahr 701 v. Chr., einem Feldzug, der sowohl aus biblischen als auch aus assyrischen Quellen bekannt ist. Das Königreich Juda wurde von Hiskia angeführt, der sich gegen die assyrische Herrschaft auflehnte. Sennacheribs (auch Sanherib genannt) Truppen belagerten Jerusalem, doch der Bibel zufolge griff Gott auf wundersame Weise ein und rettete die Stadt.
Diese Ausgrabung ist das erste Mal, dass Beweise für dieses im zweiten Buch der Könige beschriebene Ereignis so nahe an Jerusalem entdeckt wurden. Bisher wurden Spuren von Sennacheribs Feldzug vor allem in der judäischen Tiefebene gefunden. Der Feldzug verwüstete viele judäische Städte. Doch während die physische Zerstörung der Städte im Tiefland gut dokumentiert ist, bieten die jüngsten Entdeckungen in der Nähe von Jerusalem einen Einblick in die administrativen und wirtschaftlichen Umwälzungen, die das Königreich im Gefolge dieses Angriffs erlebte.
An der Fundstelle Mordot Arnona im Süden Jerusalems haben Archäologen die Überreste von zwei übereinander liegenden Verwaltungsgebäuden entdeckt. Das frühere Gebäude aus dem späten 8. Jahrhundert v. Chr. wurde während der Regierungszeit von König Hiskia oder möglicherweise sogar seines Vaters, König Ahas, genutzt. Nach Angaben der Grabungsleiter Neria Sapir, Natan Ben-Ari und Benyamin Storchan wurde das Gebäude zerstört und unter einem massiven Steinhaufen begraben. Der Steinhaufen diente als Fundament für ein späteres Verwaltungsgebäude, das im frühen 7. Jahrhundert v. Chr. nach der Niederschlagung der Rebellion Hiskias durch die Assyrer errichtet wurde.
Henkelkrüge erzählen Geschichte
„Wir interpretieren diese dramatischen Veränderungen als eine Erklärung der assyrischen Reichsregierung, die eine politisch-diplomatische Botschaft an die umliegende Region übermitteln sollte“, erklärten die Archäologen. „Die Überarbeitung der Verwaltungsstruktur zeigt, wer wirklich das Sagen hatte, während gleichzeitig die Rolle Judas in der Wirtschaft des assyrischen Reiches beibehalten wurde.“ Eine der auffälligsten Entdeckungen an der Fundstelle war eine Sammlung von über 180 mit Stempeln versehenen Henkeln von Krügen, von denen viele mit der Inschrift „dem König gehörend“ versehen waren.

Die judäischen Siegelabdrücke werden im „Jay and Jeanie Schottenstein National Campus for the Archaeology of Israel“ zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert Foto: Yoli Schwartz, Israelische Altertumsbehörde
Diese Abdrücke deuten darauf hin, dass die Gefäße Teil eines Lagersystems waren, das zur Erhebung und Verwaltung von Agrarabgaben diente. Im alten Juda mussten die Bauern ihre Steuern in Form von landwirtschaftlichen Erzeugnissen entrichten, die dann in großen Keramikgefäßen transportiert und gelagert wurden. Es ist wahrscheinlich, dass an diesem Ort Wein und möglicherweise auch Olivenöl hergestellt und gelagert wurden. 17 der gestempelten Henkel tragen in hebräischer Schrift geschriebene „private“ Namen, die Aufschluss über die Personen geben, die zur Elite Judas gehörten. Namen wie Menachem Yubna, Peqach Tavra und Tzophen Azaryahu wurden identifiziert, was die Frage aufwirft, ob es sich bei diesen Personen um Landbesitzer, hochrangige judäische Beamte oder andere prominente Persönlichkeiten im Wirtschaftssystem des Königreichs handelte. Die lange Chronologie der gestempelten Henkelkrüge gibt Aufschluss über die Kontinuität der Verwaltungstätigkeit in Juda, trotz der durch die assyrische Eroberung hervorgerufenen Veränderungen.
Siegel werden weiter untersucht
Forscher der Universität Tel Aviv unter der Leitung von Professor Oded Lipschits arbeiten mit der Altertumsbehörde zusammen, um die Siegelabdrücke genauer zu untersuchen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die privaten Stempelabdrücke Teil eines kurzlebigen Verwaltungssystems waren, das Hiskia in Vorbereitung auf seine Rebellion gegen Assyrien eingerichtet hatte. Dieses System wurde nach dem Feldzug Sennacheribs abgeschafft, und die jetzt entdeckten Stempelabdrücke spiegeln eine Rückkehr zur assyrischen Besteuerung wider.
Titelbild: Ein 2 700 Jahre alter königlicher Stempel aus Judäa, der auf die Zeit des assyrischen Königs Sennacherib zurückgeht. Foto: Emil Aladjem, Israelische Altertumsbehörde/TPS-IL