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Mitten im Krieg: Erschreckender Konsum -Anstieg von Psychopharmaka unter Israelis

JERUSALEM, 21.11.2024 (TPS/NH) – Die Einnahme von Medikamenten zur Behandlung psychischer Erkrankungen ist in Israel seit Kriegsbeginn sprunghaft angestiegen. Das berichteten Beamte des Gesundheitsministeriums jetzt dem Gesundheitsausschuss der Knesset. Die Mitarbeiter des israelischen Gesundheitsministeriums teilten den Gesetzgebern mit, dass der Konsum von Medikamenten gegen Angstzustände im letzten Quartal 2024 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19,7 Prozent gestiegen sei. Insgesamt stieg der Konsum von Psychopharmaka um etwa 5 Prozent, was nach Ansicht von Experten den anhaltenden psychologischen Tribut des Krieges widerspiegelt. Bei der Einnahme dieser angstlösenden Medikamente ist jedoch äußerste Vorsicht geboten, da eine extreme Suchtgefahr besteht.

Dramatische Nachfrage bei Kindern und Jugendlichen

„Obwohl Medikamente für viele Patienten die wirksamste Behandlung sein können, muss sichergestellt werden, dass sie verantwortungsvoll verschrieben werden“, sagte Yaron Levy, amtierender Vorsitzender des Komitees und Knessetabgeordneter der Partei Jesch Atid. Er betonte die Notwendigkeit, die Frage, wie mit möglichen Nebenwirkungen, Suchtgefahren und Entzugsproblemen umgegangen wird, genauer zu untersuchen.  Der Ausschussvorsitzende wies jedoch darauf hin, dass bereits vor Beginn des Krieges veröffentlicht wurde, dass etwa 7,5 Prozent der israelischen Bürger Antidepressiva und Anxiolytika konsumieren.

Dr. Gilad Bodenheimer, Leiter der Abteilung für psychische Gesundheit im Gesundheitsministerium, erklärte vor der Regierungskommission, dass es nach Ausbruch des Krieges zu einem enormen Anstieg der Verwendung und Nachfrage nach Medikamenten gegen Angstzustände und Antidepressiva gekommen sei. Diese immense Nachfrage spiegele die schwierige Situation der Bevölkerung sehr gut wider, so der Experte. Dr. Bodenheimer betonte jedoch, dass es kurzfristig zu einem leichten Rückgang gekommen sei und die Nachfrage später wieder stark angestiegen sei, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen.

Kinder sitzen am Ort des tödlichen Raketenangriffs auf ein Fußballfeld im drusischen Dorf Majdal Shams, bei dem 12 Kinder getötet wurden. Der psychologische Preis des Krieges ist hoch. Foto: Erez Ben Simon/Flash90

Steigender Alkohol- und Tabakkonsum

Dr. Ehud Rozitzky, leitender Psychiater bei Clalit Health Services in Jerusalem (eine Art staatliches Gesundheitszentrum und Krankenversicherung), sprach sich dafür aus, Patienten, die Langzeitmedikamente einnehmen, regelmäßig zu untersuchen, um sicherzustellen, dass die Medikamente angemessen sind. Rozitzky berichtete auch, dass die Wartezeit für eine Behandlung in psychiatrischen Kliniken derzeit etwa sechs Monate betrage.

Laut den von Dr. Yonatan Friedman vom Israelischen Zentrum für Suchtkrankheiten präsentierten Daten zeigte eine Stichprobe von 2.500 Personen, dass 53 Prozent der Traumapatienten ihren Konsum von Psychopharmaka erhöht hatten. Dr. Tali Shmueli, Leiterin der Abteilung für psychische Gesundheit des Gesundheitsdienstleisters Maccabi, fügte hinzu, dass 43 Prozent der Bevölkerung über eine Verschlechterung ihrer chronischen Erkrankungen seit Beginn des Krieges berichteten, verglichen mit 34 Prozent vor dem Krieg. Dr. Shmueli erklärte weiter, dass es einen alarmierenden Anstieg von über 50 Prozent bei Alkoholkonsum, Rauchen oder Drogenrückfällen gebe. Shmueli unterstrich, dass es einen gefährlichen Mangel an psychiatrischem Personal gebe, insbesondere in den südlichen Regionen Israels. Die Wartezeit für eine psychiatrische Behandlung könne bis zu einem Jahr betragen..

Titelbild: Regale mit Medikamenten in der Apotheke des Shaare Zedek Medical Center in Jerusalem. Foto: Yoav Dudkevitch/TPS

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