
In 30 Minuten von Tel Aviv nach Haifa: Israels Bahnprojekt der Superlative nimmt Fahrt auf
TEL AVIV, 28.07.2025 (BF) – Israel treibt eines seiner ambitioniertesten Infrastrukturvorhaben der letzten Jahrzehnte voran. Bis 2029 soll eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke die Städte Tel Aviv und Haifa in nur 30 Minuten miteinander verbinden. Damit setzt das Land nicht nur auf Tempo, sondern auch auf eine umfassende Transformation seines Bahnnetzes. Die Auswirkungen reichen weit über den Verkehr hinaus: Sie betreffen Mobilität, Umwelt und Gesellschaft.
Die sogenannte Coastal Railway ist Teil einer nationalen Vision. Ziel ist ein Hochgeschwindigkeitsnetz, das von Kiryat Shmona im Norden bis Eilat im Süden reicht. Das Projekt, das von der israelischen Eisenbahngesellschaft umgesetzt wird, sieht Züge mit bis zu 250 Kilometern pro Stunde vor. Damit werden neue Maßstäbe für den öffentlichen Verkehr in Israel gesetzt.
Modernisierung auf ganzer Strecke
Die erste Bauphase umfasst rund 70 Kilometer neue Gleise. Sie verläuft vom Bahnhof Hof HaCarmel in Haifa bis in die Gegend um Shefayim, nördlich von Tel Aviv. Diese Strecke wird vollständig elektrifiziert und bildet die Grundlage für ein zweigleisiges, leistungsstarkes System. Die Reisezeit zwischen den beiden Metropolen, die bisher meist über eine Stunde beträgt, soll auf nur 30 Minuten reduziert werden.
Nach Angaben des Verkehrsministeriums und der Bahngesellschaft handelt es sich um das größte Infrastrukturprojekt in der Geschichte der Israel Railways. Die Regierung hat bereits 300 Millionen Schekel bereitgestellt, um die nächste Bauphase zu finanzieren. Insgesamt wird das Projekt auf 15,5 Milliarden Schekel geschätzt, also mehr als 3,8 Milliarden Euro.

Er ist der Motor des Ausbaus: Eisenbahn-Geschäftsführer Moshe Jana, ein ehemaliger Admiral der israelischen Marine. Foto: Tommy Mueller / Fokus Jerusalem
Gleichzeitig laufen weitere Ausbauarbeiten im Großraum Tel Aviv. Besonders relevant ist dabei der Bau des vierten Gleises entlang des Ayalon-Korridors, der als eines der Hauptnadelöhre im israelischen Schienennetz gilt. In Kombination mit der neuen Hochgeschwindigkeitslinie soll so die Kapazität im Bahnverkehr landesweit deutlich steigen.
Nachhaltigkeit und nationale Vernetzung
Die Coastal Railway ist weit mehr als nur eine Verbindung zwischen zwei Städten. Sie ist wichtig für eine umfassende Bahnstrategie, die auf Schnelligkeit, Umweltschutz und verbesserte Verbindungen in abgelegene Gebiete setzt. Transportministerin Miri Regev bezeichnet das Projekt als einen weiteren Schritt in einer „Verkehrsrevolution“. Ziel sei es, die Metropolen mit dem Rest des Landes zu verbinden und die Lebensqualität der Menschen spürbar zu verbessern.
Die neue Strecke wird vollständig elektrifiziert und mit modernen Zügen betrieben. Diese sollen nicht nur schnell, sondern auch komfortabel und umweltfreundlich sein. Das Projekt passt in die Bemühungen der Regierung, mehr Menschen für den öffentlichen Verkehr zu gewinnen und gleichzeitig die CO₂-Emissionen zu senken.
Ein ambitioniertes Ziel wurde ebenfalls bereits formuliert: Bis 2040 sollen rund 300 Millionen Bahnfahrten jährlich in Israel stattfinden. Das wäre etwa das Fünffache des heutigen Aufkommens. Die neue Verbindung zwischen Tel Aviv und Haifa ist ein zentraler Baustein auf dem Weg dorthin.
Das Hochgeschwindigkeitsprojekt ist ein Symbol für die Zukunftsfähigkeit Israels. Es verspricht nicht nur kürzere Reisezeiten, sondern auch einen bedeutenden Fortschritt in Sachen Nachhaltigkeit und Lebensqualität. Sollte das Projekt wie geplant 2029 abgeschlossen sein, wird Israel über eine moderne Bahnverbindung verfügen, die mit internationalen Standards mithalten kann. Die neue Strecke wird nicht nur Pendler entlasten, sondern auch den Tourismus stärken und den öffentlichen Nahverkehr insgesamt attraktiver machen.
Titelbild: Ein Mann wartet in Tel Aviv auf den Zug. Die Bahnstrecke rund um die Mittelmeer-Metropole soll erweitert und modernisiert werden. Foto: Chaim Goldberg / Flash90