
„Ich bin am Leben“ – ehemalige Geisel Shlomi Ziv erzählt erstmals von der dramatischen Befreiung
JERUSALEM 29.07.2025 (LS) – Über ein Jahr lang hat Shlomi Ziv geschwiegen. Die ehemalige Geisel, die im Oktober 2023 von der Hamas entführt und Monate später von der israelischen Armee (IDF) in einem spektakulären Einsatz befreit wurde, hat nun öffentlich über seine Erlebnisse gesprochen.
Hamas-Gefangenschaft
Shlomi wurde zusammen mit mehreren anderen Israelis bei dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 aus dem Grenzgebiet entführt und in den Gazastreifen verschleppt. Dort verbrachte er acht lange Monate in wechselnden Verstecken – teils in Tunneln, teils in Wohnhäusern. Immer wieder hörte er Kampfgeräusche, doch wusste nie, ob sie seiner Befreiung dienten oder neuen Gefahren galten.
Er sprach von der Grausamkeit („Ich werde nicht mehr ins Detail gehen, als ich muss“), vom Hunger („Eine Pita pro Tag“) und von der psychischen Misshandlung. „Sie zeigten uns Aufnahmen von Angriffen auf Israel und Soldaten. Alles war darauf ausgerichtet, uns zu brechen.“
Seine Aussagen zeugen von tiefer Erschöpfung, aber auch von Dankbarkeit: „Ich hatte nie die Hoffnung aufgegeben, dass jemand da draußen nach mir sucht.“ Die Befreiung sei völlig überraschend gekommen – in einer Blitzaktion der IDF, die von Helikoptern begleitet wurde. „Ich dachte zuerst, sie seien gekommen, um uns zu töten – dann sah ich die israelische Flagge.“
Die Befreiung
Im Juni 2024 wurden Shlomi Ziv und zwei weitere Geiseln, Almog Meir Jan und Andrey Koslov, aus dem siebten Haus befreit, in dem sie gefangen gehalten worden waren. Bei der gewagten Mission, die vom israelischen Inhlandsgeheimdienst Shin Bet, der IDF und der Eliteeinheit Yamam der Grenzpolizei durchgeführt wurde, kam der Yamam-Offizier und Teamleiter Arnon Zamora ums Leben. Die Operation wurde später zu Ehren von Zamora benannt. In einer parallelen Mission wurde Noa Argamani als vierte Geisel an diesem Tag gerettet.

Ziv beschrieb das Chaos der Flucht. Er erzählte, wie sie unter unerbittlichem Beschuss zum Rettungsfahrzeug eilten, wie dieses im Sand stecken blieb und wie zwölf Panzer einen Schutzring um sie bildeten, bis sie in Sicherheit gebracht werden konnten.
Einer der bewegendsten Momente des Abends ereignete sich während der Fragerunde nach Zivs Rede. Ein Mann stand auf und stellte sich als Vater eines Soldaten vor, der in dem ersten Panzer gesessen hatte, der das Rettungsfahrzeug erreicht hatte. „Mein Sohn lässt Sie grüßen“, erzählte der Mann mit zitternder Stimme. Ziv, der den ganzen Abend über die Fassung bewahrt hatte, schien zum ersten Mal sichtlich bewegt.
Später stellte eine Frau aus dem Publikum eine Frage, die viele beschäftigt: „Wie sollen wir mit zurückgekehrten Geiseln umgehen? Was können wir tun, um Ihnen zu helfen, Ihre Wunden zu heilen?“ Ziv antwortete, ohne zu zögern. „Sie tun bereits alles, was getan werden muss“, erklärte er. „Die Öffentlichkeit war wunderbar. Wir fühlen uns aufgenommen. Wir fühlen uns geliebt.“
Titelbild: Die von der IDF befreite Geisel Shlomi Ziv kehrt am 25. Juni 2024 in sein Zuhause in Moshav Elkosh im Norden Israels zurück. Foto: Ayal Margolin/Flash90