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Ärzte ohne Klarheit – Wie neutral ist die Hilfe im Gazastreifen wirklich?

von Alon David

JERUSALEM, 01.08.2025 – Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières, MSF) ist eine der renommiertesten humanitären Organisationen weltweit. Ihr Einsatz für Menschen in Not verdient Respekt – doch Respekt bedeutet nicht blinde Zustimmung. Vor allem dann nicht, wenn die Organisation in öffentlichen Stellungnahmen zur Lage im Gazastreifen politische Behauptungen aufstellt, ohne die entscheidenden Fragen zu beantworten.

In einer ausführlichen Reaktion auf meine Presseanfrage bestätigt MSF, dass derzeit über 90 Prozent der Mitarbeitenden im Gazastreifen Palästinenser sind, die dort leben. Das allein ist weder überraschend noch problematisch – solange diese Mitarbeitenden unabhängig agieren können. Doch genau hier liegt der blinde Fleck der Organisation. MSF gibt keinerlei Auskunft darüber, ob die eigenen Teams im Gazastreifen frei von Einfluss durch die Hamas operieren, also jener Terrororganisation, die den Küstenstreifen mit harter Hand kontrolliert und systematisch zivile Infrastruktur – inklusive Krankenhäuser – für ihre militärischen Zwecke missbraucht.

Stattdessen heißt es ausweichend, man stehe „mit jedem Akteur im Austausch“. Wer damit konkret gemeint ist, wird nicht gesagt. Auch welche Partnerorganisationen vor Ort eingebunden sind, welche ethischen Prüfstandards gelten oder wie interne Informationen auf politische Unabhängigkeit geprüft werden – all das bleibt offen. Dass MSF sich in einem der komplexesten und gefährlichsten Konflikte der Welt auf vage Floskeln zurückzieht, wirft Fragen auf.

Vage Behauptungen – keine Belege

Besonders problematisch ist die pauschale Behauptung, Israel halte dutzende Lastwagen mit Hilfsgütern an der Grenze auf. Auf unsere Nachfrage, wann genau, wo und durch wen dieser Zugang blockiert wurde, liefert MSF keine einzige konkrete Angabe. Kein Datum. Kein Ort. Kein Ansprechpartner. Stattdessen beruft man sich auf eine „massive Verknappung“ von Nahrungsmitteln und „bürokratische Hürden“.

Diese Darstellung steht im Widerspruch zu den bestätigten Zahlen der israelischen COGAT-Behörde vom 29. Juli 2025:

  • 220 Hilfstrucks gelangten an diesem Tag nach Gaza – zusätzlich zu Hunderten, die noch auf Abholung durch UN-Organisationen warteten.
  • Über 200 Hilfslieferungen wurden von UN und internationalen Partnern gesammelt und verteilt.
  • Vier Tanklaster mit UN-Treibstoff für lebenswichtige Infrastruktur wurden eingeführt.
  • 52 Hilfspaletten wurden in Zusammenarbeit mit Jordanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten per Luft abgeworfen.

Diese Zahlen stammen direkt von der zivil-militärischen Koordinierungsbehörde COGAT, die für humanitäre Zugänge zu Gaza verantwortlich ist – keine politische Quelle, sondern operativer Faktengeber.

Ernährungskrise – aber mit welchen Ursachen?

MSF berichtet zudem von alarmierender Mangelernährung: 25 % der Kinder unter fünf Jahren sowie 25 % der schwangeren/stillenden Frauen seien unterernährt. Die Organisation führt dies „klar“ auf die israelische Blockade zurück. Andere Faktoren – etwa wiederholte Vertreibungen durch Hamas-Raketenabschuss-Stellungen in Wohngebieten, die strategische Lagerung von Hilfsgütern durch Terrorgruppen oder die Plünderung von Konvois – werden nicht einmal erwähnt. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass zahlreiche Hilfsgüter auf dem Schwarzmarkt in Gaza auftauchen, oft mit dem Aufdruck „nicht zum Verkauf“.

Dosenfleisch aus jordanischen Hilfslieferungen, deutlich markiert mit ‚Nicht zum Verkauf‘, taucht nun auf Märkten in Zentralgaza auf – zum Preis von 45 bis 60 Dollar pro Dose.
Dosenfleisch aus jordanischen Hilfslieferungen, deutlich markiert mit ‚Nicht zum Verkauf‘, taucht nun auf Märkten in Zentralgaza auf – zum Preis von 45 bis 60 Dollar pro Dose. Foto: Social Media / frei zugängliches Bildmaterial

Auch hier fällt auf: Die Organisation betont Symptome, vermeidet aber systematisch die Frage nach politischen Ursachen, die sich nicht auf Israel reduzieren lassen.

Zurückhaltend bei der Wahrheit, laut bei der Anklage

Es ist legitim, Kritik zu üben – auch an der israelischen Regierung. Aber wer als internationale mit Organisation moralischem Anspruch operiert, darf sich der Gegenfrage nicht entziehen: Wer profitiert von bestimmten Narrativen? Wer lässt sich als Sprachrohr instrumentalisieren? Und warum fehlt jede Differenzierung, wenn es um die Verteilung von Verantwortung geht?

Die Wahrheit ist: Humanitäre Hilfe im Gazastreifen ist nicht nur medizinisch, sondern auch politisch hochgradig verwoben. Und wer in einem Gebiet arbeitet, das de facto von einer islamistischen Terrororganisation kontrolliert wird, kann nicht einfach behaupten, neutral zu sein, ohne die eigene Rolle kritisch zu reflektieren.

Dass MSF dies vermeidet – und gleichzeitig öffentlich Israel für die gesamte humanitäre Misere verantwortlich macht -, ist eine gefährliche Form der Einseitigkeit, die der eigenen Glaubwürdigkeit massiv schadet.

Titelbild: Eine palästinensische Mutter füttert ihr Kind in einem Zelt in Gaza-Stadt. Hilfsorganisationen wie „Ärzte ohne Grenzen“ geben alleine Israel die Schuld an der humanitären Situation und vermeiden es, die Hamas zu kritisieren. Foto: Ali Hassan / Flash90

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