
Netanjahu plant vollständige Einnahme des Gazastreifens – trotz Kritik aus dem Militär
JERUSALEM 06.08.2025 (LS) – Laut Berichten aus israelischen Medien bereitet Premierminister Benjamin Netanjahu derzeit einen Kabinettsbeschluss vor, der eine tatsächliche Besetzung aller Teile des Gazastreifens vorsieht – inklusive der Gebiete, in denen noch immer israelische Geiseln festgehalten werden. Der IDF-Generalstab ist ausdrücklich dagegen und warnt vor katastrophalen Folgen und einer Destabilisierung der Truppen.
Interner Konflikt: Militär gegen Politik
Während Netanjahus Regierung – vor allem rechte Minister wie Itamar Ben‑Gvir, Bezalel Smotrich und Ron Dermer – auf eine vollständige Kontrolle drängen, lehnt der militärische Oberbefehl, insbesondere Generalstabschef Eyal Zamir, den Plan vehement ab. Zamir befürchtet irreversible Schäden an der Moral der Truppen und betont, ein Krieg bis in urbane Zentren Gazas könnte Jahre dauern. Kritiker forderten bereits öffentlich, er müsse zurücktreten, sollte er Netanjahus Befehl ablehnen. Inmitten der Diskussionen über das weitere Vorgehen in Gaza hat Zamir kürzlich eine geplante Reise in die Vereinigten Staaten abgesagt.
Die Offensive würde gezielt auch in Gebiete führen, wo israelische Geiseln vermutet werden – ein Szenario, das sowohl Sicherheitsverantwortliche als auch einige Familien der Entführten als existenzielles Risiko einstufen.
Die Geiselfamilien des Tikva-Forums hingegen befürworten ein härteres Vorgehen des Militärs, was ihrer Meinung nach die einzige Möglichkeit ist, alle Geiseln zu befreien. Jeder Deal würde einige Geiseln vielleicht für immer in Gaza zurücklassen. Tzvika Mor, dessen Sohn Eitan in Gaza als Geisel festgehalten wird, erklärte in einem Interview: „Wir fordern die israelische Regierung auf, eine Entscheidung zu treffen, um die Hamas in Gaza zu besiegen. Um eine Situation zu schaffen, in der 100 % des Gazastreifens unter unserer Kontrolle stehen. (…) Druck auf die Hamas erhöht tatsächlich die Chancen, alle nach Hause zu bringen.“
Verteidigungsminister: „Die IDF muss den politischen Vorgaben folgen“
Während Sicherheitsberater und der Generalstab öffentliche Zweifel äußern, ob ein großer Plan zur Einnehmung Gazas praktikabel oder sicher ist, betonte Verteidigungsminister Katz bei seinem Besuch im Gazastreifen eindeutig: Die IDF werde jeden Beschluss des Kabinetts umsetzen. Dabei verwies er darauf, dass demokratisch legitimierte politische Vorgaben Vorrang haben, selbst wenn die militärische Führung Bedenken anmeldet.
„Die Ziele dieses Krieges – die Niederlage der Hamas und die Schaffung der Voraussetzungen für die Rückkehr unserer Geiseln – bleiben unsere obersten Prioritäten. Wir müssen alle notwendigen Schritte unternehmen, um diese Ziele zu erreichen“, erklärte Katz. „Ebenso wichtig ist die langfristige Sicherheit der israelischen Gemeinden, die eine permanente Präsenz der israelischen Streitkräfte in strategisch wichtigen Gebieten innerhalb des Gazastreifens erfordert. Diese Gebiete sind von entscheidender Bedeutung, um künftige Angriffe und Waffenschmuggel zu verhindern.“
Titelbild: Der Stabschef der israelischen Streitkräfte, Eyal Zamir, an der Klagemauer. Foto: Yonatan Sindel/Flash90