
Netanjahu legt in Pressekonferenz einen Fünf-Punkte-Plan für Gaza vor – Israels Bedingungen für ein Ende des Krieges
JERUSALEM 11.08.2025 (LS) – In einer englischsprachigen Pressekonferenz hat Premierminister Benjamin Netanjahu gestern Israels Plan zur Fortführung des aktuellen Gazakriegs vorgestellt und mit Nachdruck erklärt, Israel habe keine andere Wahl, als seine Militäroffensive auszuweiten.
„Die Hamas verfügt nach wie vor über Tausende bewaffneter Terroristen im Gazastreifen. Sie schwört, das Massaker vom 7. Oktober zu wiederholen und dies immer wieder zu tun. Sie bekennt sich offen zu ihrem Ziel, den Staat Israel zu vernichten. Sie unterwirft die Bewohner des Gazastreifens, raubt ihnen ihre Lebensmittel und schießt auf sie, wenn sie versuchen, sich in sichere Gebiete zu begeben. Und ich finde es aufschlussreich, dass sich nun viele Bewohner des Gazastreifens wehren. Sie flehen uns an, und sie flehen die Welt an: ‚Befreit uns. Befreit uns und befreit Gaza von der Hamas.’“
„Keine Nation kann eine genozidale Terrororganisation akzeptieren, eine Organisation, die sich ihrer Vernichtung verschrieben hat und nur einen Steinwurf von ihren Bürgern entfernt ist. Unser Ziel ist es nicht, Gaza zu besetzen. Unser Ziel ist es, Gaza zu befreien, es von den Terroristen der Hamas zu befreien. Der Krieg kann morgen enden, wenn Gaza, oder besser gesagt, wenn die Hamas ihre Waffen niederlegt und alle verbleibenden Geiseln freilässt.“
„Angesichts der Weigerung der Hamas, ihre Waffen niederzulegen, hat Israel keine andere Wahl, als die Aufgabe zu Ende zu bringen und die Zerschlagung der Hamas zu vollenden.“
Fünf-Punkte-Plan
Netanjahu gab in der Pressekonferenz fünf Ziele an, die aus israelischer Sicht erreicht sein müssen, bevor die Kampfhandlungen enden können:
- Vollständige Entwaffnung der Hamas – inklusive Raketen, Drohnen und Sprengstofflager
- Rückgabe aller Geiseln – Lebende und Verstorbene
- Nachhaltige Demilitarisierung des Gazastreifens – keine Reorganisierung bewaffneter Gruppen
- Dauerhafte israelische Sicherheitskontrolle – insbesondere entlang der Grenze zu Ägypten und der Küstenlinie
- Einsetzung einer neuen zivilen Verwaltung – keine Hamas, keine Palästinensische Autonomiebehörde
Evakuierung der Zivilisten und Hilfslieferungen
Netanjahu erklärte, die zivile Bevölkerung werde die Kampfbereiche verlassen und in designierte sichere Zonen geleitet. In diesen sicheren Zonen werde es Zugang zu ausreichend Wasser, Essen und medizinischer Versorgung geben. Netanjahu listete dazu verschiedene Maßnahmen auf: Die Einrichtung sicherer Korridore für die Verteilung humanitärer Hilfe, die Erhöhung der Anzahl sicherer Verteilungsstellen der GHF (Gazan Humanitarian Foundation) und Luftabwürfe mit Lebensmittelpaketen durch die israelische Luftwaffe. Andere Länder könnten sich an den Lebensmittelabwürfen beteiligen. Hunderte von Lastwagen fuhren in den letzten Tagen in Koordination mit US-Präsident Donald Trump und dessen Team in den Gazastreifen ein.
Militärische Umsetzung – Risiken und operative Überlegungen
Aus militärischer Sicht bedeutet der Plan eine massive und koordinierte Operation. Der Generalstab rechnet mit bis zu 90 Tagen Kampfzeit allein für die Einnahme von Gaza-Stadt, insbesondere der stark verbarrikadierten Viertel. Tunnelsysteme, improvisierte Sprengfallen und die Nähe zu Zivilisten erhöhen die Gefahr für Soldaten und Geiseln erheblich. Militärstrategen weisen darauf hin, dass die Hamas gezielt unterirdische Kommandoposten unter Krankenhäusern und Schulen betreibt, um israelische Angriffe politisch zu delegitimieren.
Israel plant deshalb eine Kombination aus gezielten Bodenoperationen, Luftunterstützung und psychologischer Kriegsführung, um die feindlichen Strukturen schneller zu zerschlagen. Geheimdienstquellen berichten, die IDF teste bereits neue Drohnentechnologie, um Tunnelöffnungen in dicht bebauten Gebieten präzise zu orten.
Titelbild: Premierminister Netanjahus Pressekonferenz am 10. August 2025. Foto: Alon David/Fokus Jerusalem