
Vor dem Angriff auf Gaza-Stadt: Tausende Reservisten melden sich zum Dienst, andere wollen den Dienst verweigern
JERUSALEM 03.09.2025 (LS) – Die israelischen Streitkräfte (IDF) treiben die Vorbereitungen für eine groß angelegte Mobilisierung von Reservisten und eine erwartete Ausweitung der Bodenoperationen im Gazastreifen voran, einschließlich eines erneuten Vorstoßes in Gaza-Stadt, wie das Militär am Dienstag bekanntgab.
Das israelische Sicherheitskabinett unter Vorsitz von Netanjahu hat letzten Monat einen Plan zur Ausweitung der Offensive im Gazastreifen gebilligt, mit dem Ziel, Gaza-Stadt einzunehmen, wo israelische Streitkräfte in der Anfangsphase des Krieges heftige Kämpfe mit der Hamas geführt hatten. Israel kontrolliert derzeit etwa 75 % des Gazastreifens.
Einberufung von 40.000 Reservisten
Der israelische Armeeradio berichtete, etwa 40.000 Reservisten werden sich zum Dienst für die Offensive in Gaza-Stadt melden. Das Militär erklärte, es bereite sich logistisch auf die Aufnahme der Reservisten vor der Offensive vor.
Die Truppen sollen mit vollständiger taktischer Ausrüstung, persönlicher Ausrüstung und Waffen ausgestattet werden, die auf die ihnen zugewiesenen Missionen zugeschnitten sind. Gleichzeitig haben die Einheiten ein umfangreiches Training sowohl im Stadt- als auch im Geländekampf absolviert, um ihre Einsatzbereitschaft zu verbessern.

Viele Soldaten gehen zum wiederholten Mal nach Gaza, nachdem sie dort bereits viele ihrer Kameraden verloren haben. Hagai, ein religiöser Soldat, der Thoralernen mit Armeedienst verbindet, erklärt:
„Die Trauer um unsere gefallenen Brüder ist Teil dieser Reise. Aber sie ist auch das, was mich stärkt. Ich kämpfe jetzt für sie – für ihr Andenken, damit ihr Opfer nicht umsonst war. Wenn wir nach Gaza zurückkehren, ist unsere Mission klar: zu siegen, dem Bösen ein Ende zu setzen und dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder geschieht.“
Verweigerung vor kritischer Phase
Im Gegensatz dazu steht eine Gruppe von linksgerichteten Reservisten, die gegen den Plan zur Eroberung von Gaza-Stadt ist. Sie kündigten an, den Dienst zu verweigern.

„Wir sind über 365 Soldaten, Tendenz steigend, die während des Krieges gedient haben und wir erklären, dass wir uns nicht zum Dienst melden werden, wenn wir erneut einberufen werden“, erklärte Oberfeldwebel (a. D.) Max Kresch auf einer Pressekonferenz in Tel Aviv. „Wir weigern uns, an Netanjahus illegalem Krieg teilzunehmen, und wir sehen es als unsere patriotische Pflicht an, uns zu weigern und von unseren Führern Rechenschaft zu verlangen.“
Netanjahu wendet sich an Soldaten
Am selben Abend hielt Premierminister Netanjahu eine Rede an die israelischen Soldaten. Netanjahu begann: „Ich stehe hinter euch und möchte euch, den Soldaten und Reservisten der israelischen Streitkräfte sowie euren Familien, meine tiefe Wertschätzung aussprechen. Ich weiß, dass ihr einen hohen Preis gezahlt habt – bei der Arbeit, im Studium und zu Hause.“
„Wir führen einen hartnäckigen und gerechten Krieg. Wir vergessen keinen Moment, was sie uns am 7. Oktober angetan haben: die Enthauptungen, die vergewaltigten Frauen, die verbrannten Babys und die Geiseln, die in die Tunnel von Gaza verschleppt wurden. Wir arbeiten daran, sie alle zurückzuholen“, erklärte er.
„Jetzt stehen wir vor der entscheidenden Phase. Ich glaube an euch. Ich verlasse mich auf euch, und das gesamte israelische Volk steht hinter euch. Mit Gottes Hilfe werden wir gemeinsam siegen“, schloss der Premierminister.
Titelbild: IDF-Soldaten im Einsatz im Gazastreifen. Foto: IDF SPOKESPERSON’S UNIT