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Australien lässt israelischen Abgeordneten nicht einreisen: Diplomatischer Streit eskaliert

JERUSALEM, 19.08.2025 (BF) – Australien und Israel befinden sich in einer handfesten diplomatischen Auseinandersetzung. Ausgelöst wurde sie durch die Entscheidung der australischen Regierung, die Einreiseanträge des rechtsnationalen Knesset-Abgeordneten Simcha Rothman sowie der ehemaligen Justizministerin Ayelet Shaked abzulehnen. Wenige Stunden vor Rothmans Abflug teilte Canberra die Stornierung seines Visums mit und begründete dies mit dem Vorwurf, er wolle „Hass und Spaltung“ ins Land tragen. Auch Shaked wurde die Einreise verweigert. Zuvor war bereits der pro-israelische Aktivist Hillel Fuld von australischer Seite abgewiesen worden.
Australiens Innenminister Tony Burke erklärte, wer nach Australien komme, um Zwietracht zu säen, habe dort keinen Platz. Rothman könne frühestens in drei Jahren einen neuen Antrag stellen. Der Abgeordnete, Mitglied der religiös-zionistischen Partei von Finanzminister Bezalel Smotrich, sprach dagegen von einem „Einknicken vor Terrorismus und Antisemitismus“. Die Entscheidung sei eine direkte Folge der jüngsten symbolischen Abstimmung in der Knesset für eine mögliche Annexion von Judäa und Samaria. 


Simcha Rothman, der Vorsitzende des Ausschusses für Verfassung, Recht und Justiz im israelischen Parlament, darf drei Jahre lang nicht nach Australien einreisen. Foto: Yonatan Sindel / Flash90

Auch in Australien selbst sorgte die Entscheidung für Streit. Die Australian Jewish Association, die Rothman eingeladen hatte, sprach von einem „antisemitischen Schritt“ und warnte vor zunehmender Unsicherheit unter australischen Juden. Deren Vorsitzender Robert Gregory ging so weit zu sagen, jüdische Besucher sollten zweimal abwägen, ob sie Australien überhaupt noch bereisen. Gleichzeitig mehren sich Berichte, dass immer mehr jüdische Familien Auswanderung in Betracht ziehen.
Israels scharfe Antwort und wachsender Unmut
Die israelische Regierung reagierte umgehend und hart. Außenminister Gideon Sa’ar kündigte an, den australischen Vertretern bei der Palästinensischen Autonomiebehörde die Aufenthaltsgenehmigungen zu entziehen. Zudem werde künftig jede australische Visaanfrage für Israel genau geprüft. Sa’ar begründete die Maßnahmen nicht nur mit der Ablehnung Rothmans und Shakeds, sondern auch mit Australiens Ankündigung, im kommenden Monat einen palästinensischen Staat offiziell anzuerkennen.
Premierminister Benjamin Netanjahu warnte bereits, eine solche Politik sei Teil einer internationalen Isolierungskampagne gegen Israel. In einem beispiellosen persönlichen Angriff bezeichnete Premierminister Benjamin Netanjahu den australischen Premierminister Anthony Albanese als „schwachen“ Politiker, der „Israel verraten“ und die jüdische Gemeinde seines Landes „im Stich gelassen“ habe.
Unterstützung bekam Netanjahu von mehreren Kabinettskollegen. Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir bezeichnete die Entscheidung aus Canberra als „historische Schande“. Diaspora-Minister Amichai Chikli sprach von einer „Verhöhnung der Opfer von Hamas“ und warf Australien vor, dem islamistischen Terror den Weg zu ebnen.
Australiens Außenministerin Penny Wong wies die Vorwürfe zurück. Sie bezeichnete die israelische Reaktion als „ungerechtfertigt“ und warf der Regierung Netanjahu vor, Israel selbst zu isolieren. Gerade jetzt seien Dialog und Diplomatie notwendig, sagte Wong, nicht Eskalation und Abschottung. Canberra betont, man wolle sich weiter für eine Zwei-Staaten-Lösung einsetzen, für eine Waffenruhe im Gazastreifen und für die Freilassung der israelischen Geiseln.
Die Affäre spiegelt eine tiefere Verschiebung wider. Australien, traditionell eng mit Israel verbunden, zeigt in den vergangenen Monaten eine zunehmend kritische Haltung. Premierminister Anthony Albanese hatte bereits angekündigt, bei der kommenden UN-Generalversammlung die Anerkennung Palästinas mitzutragen. Für Jerusalem ist dies ein empfindlicher diplomatischer Rückschlag, gerade weil auch europäische Staaten wie Frankreich und Großbritannien ähnliche Schritte erwägen.
Symbolpolitik oder strategischer Bruch?
Hinter dem Streit steht mehr als eine bloße Visumsentscheidung. Israel wertet die australische Haltung als Teil einer größeren Front, die das Land international unter Druck setzen soll. Für Canberra ist der Schritt jedoch Ausdruck einer Politik, die auf Ausgleich zwischen den Bevölkerungsgruppen im eigenen Land zielt und die internationale Linie vieler westlicher Verbündeter widerspiegelt.
Die Folgen könnten weitreichend sein. Während Israel die eigene Souveränität verteidigen und seine Repräsentanten schützen will, riskiert Australien eine Verschlechterung der Beziehungen zu einem langjährigen Partner. Zugleich verstärkt der Streit das Gefühl in Israel, zunehmend isoliert zu werden, während die Terrorangriffe der Hamas und die offene Feindschaft des Iran die Sicherheitslage verschärfen.
Ob sich die Lage beruhigt oder ob beide Länder auf eine längere diplomatische Eiszeit zusteuern, ist offen. Klar ist nur: Der Fall Rothman ist weit mehr als eine Einzelfrage. Er steht für die wachsende Distanz zwischen Israel und Teilen der westlichen Welt – und für die Gefahr, dass wichtige Partner im Kampf gegen Antisemitismus und Terror aneinander vorbeireden.

Titelbild: Demonstranten bei einer israelfeindlichen Kundgebung für Gaza in Sydney. Israel wirft der australischen Regierung vor, Stimmung gegen Juden zu machen. Foto: Bianca De Marchi /AAPIMAGE via Reuters Connect

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