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Byzantinisches Mosaik offenbart neue Schichten der Geschichte Judäas

JERUSALEM, 24.08.2025 (BF) – Die unscheinbaren Ruinen einer alten Kreuzfahrerfestung zwischen Jerusalem und Jericho bergen seit Kurzem ein Geheimnis, das die Fachwelt elektrisiert. Archäologen stießen dort auf ein byzantinisches Mosaik, das unter den Mauern verborgen lag. Der Fund gibt einen seltenen Einblick in die wechselvolle Geschichte von Judäa und Samaria und zeigt, wie eng die Region mit den großen kulturellen Strömungen der Antike verknüpft war.

Die Ausgrabungen finden am Ort Talʿat ed Damm statt, einer Festung aus der Zeit der Kreuzfahrer. Lange galt die Anlage als relativ unspektakulär, man wusste lediglich, dass sie zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert als militärischer Stützpunkt und später als Herberge diente. Doch nun kam ans Licht, dass die Kreuzfahrer ihre Festung auf den Resten einer wesentlich älteren byzantinischen Struktur errichteten. Das Mosaik belegt eine Präsenz zwischen dem 4. und 7. Jahrhundert nach Christus, einer Zeit, in der das Land als Brücke zwischen dem östlichen und westlichen Teil des Römischen Reiches diente.

Ein Fenster in die Antike

Archäologe Yodan Fleitman und sein Team waren überrascht, als sie beim Abtragen der oberen Schichten auf farbige Steine stießen. „Mosaike waren in der Kreuzfahrerzeit äußerst selten. Ihr Auftauchen verweist eindeutig auf eine frühere Epoche“, erklärte er. Solche Funde sind nicht nur ästhetisch von Bedeutung, sie liefern auch wertvolle Hinweise auf die religiöse und kulturelle Bedeutung des Ortes.

Das byzantinische Reich war bekannt für seine prachtvollen Mosaike, die Kirchen, Klöster und Verwaltungsgebäude schmückten. Dass ein solches Werk in Judäa und Samaria entdeckt wurde, zeigt die Bedeutung der Region im Geflecht der damaligen Machtzentren. Es eröffnet ein neues Kapitel im Verständnis der byzantinischen Präsenz und macht zugleich deutlich, dass das Land seit Jahrhunderten ein Schmelztiegel war, geprägt von jüdischer Geschichte, christlicher Tradition und den großen kulturellen Entwicklungen der Antike.

Archäologie im Spannungsfeld

Die Entdeckung steht jedoch nicht isoliert. Sie fällt in eine Zeit, in der die Frage nach der Verantwortung für Ausgrabungen in Judäa und Samaria kontrovers diskutiert wird. Bisher liegt diese Verantwortung bei der Archäologie-Einheit der Zivilverwaltung des Verteidigungsministeriums. Ein neuer Gesetzesentwurf sieht vor, die Zuständigkeit an die Israelische Altertumsbehörde (IAA) zu übertragen.

Ein antiker Bodenbelag aus der Zeit des Zweiten Tempels, gefunden in der israelischen Siedlung Shilo. Auch sie liegt in den umstrittenen Gebieten (Westjordanland, biblisch Judäa und Samaria). Foto: Mendy Hechtman/Flash90

Befürworter argumentieren, nur eine stärkere institutionelle Verankerung könne das kulturelle Erbe schützen und Zerstörungen verhindern. Kritiker warnen hingegen, die Maßnahme könne als Schritt in Richtung einer schleichenden Annexion gedeutet werden und internationale Reaktionen hervorrufen. Viele Archäologen betonen, dass das eigentliche Problem nicht in der Zuständigkeit, sondern in fehlenden Ressourcen liegt.

Geschichte im Boden

Unabhängig von den politischen Debatten zeigt der Fund von Talʿat ed Damm einmal mehr, wie reich die Erde von Judäa und Samaria an Geschichte ist. Mehr als 2600 bekannte Stätten liegen in der Region, von biblischen Orten wie Schilo und Hebron über die Hasmonäer-Festungen bis hin zu den Qumran-Höhlen, in denen die Schriftrollen vom Toten Meer entdeckt wurden. Jede dieser Stätten erzählt ein Stück der komplexen Vergangenheit des Landes und trägt dazu bei, die Gegenwart besser zu verstehen.

Der byzantinische Mosaikboden wird derzeit sorgfältig dokumentiert und konserviert. Für die beteiligten Archäologen ist es ein Fund, der weit über das Lokale hinausweist: Er erinnert daran, dass die Region nicht nur ein Ort politischer Spannungen ist, sondern seit Jahrtausenden ein Knotenpunkt von Kulturen, Religionen und Geschichten.

Titelbild: Die Straße 1 führt von Jerusalem ans Tote Meer. Hier, in der Nähe von Kfar Adumim, wurde das Mosaik in der Kreuzfahrerfestung entdeckt. Foto: Yonatan Sindel / Flash 90

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