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Streit um staatlich geförderte Auslandsreisen für Ultraorthodoxe, die keinen Armeedienst leisten

JERUSALEM, 27.08.2025 (BF) – Kurz vor den Hohen Feiertagen ist in Israel ein neuer Konflikt um die Wehrpflicht entbrannt. Führende Politiker der ultraorthodoxen Parteien Shas und Vereinigtes Thora-Judentum (UTJ) drängen Premierminister Benjamin Netanjahu, Tausenden wehrpflichtigen, aber nicht dienenden Ultraorthodoxen (hebräisch Haredim) die Ausreise zu religiösen Pilgerfahrten zu gestatten. Dabei geht es vor allem um die jährliche Wallfahrt nach Uman in der Ukraine sowie um Reisen nach New York.

Der Chef der ultraorthodoxen Shas-Partei, Aryeh Deri, verhandelt seit Wochen mit dem Verteidigungsministerium und dem Büro des Premiers. Sein Ziel: eine Sondergenehmigung für rund 50.000 Gläubige, die traditionell zum Neujahrsfest Rosch HaSchana am Grab von Rabbi Nachman von Breslow in Uman beten. „Es handelt sich nicht um Freizeitreisen, sondern um ein religiöses Gebot“, betont Deri. Sein Büro erklärte, er habe mit Netanjahu eine Lösung abgestimmt, damit die Pilgerfahrt trotz fehlender Direktflüge und trotz des Krieges in der Ukraine stattfinden könne.

Auch UTJ-Vorsitzender Jitzhak Goldknopf schaltete sich ein. Er schrieb an Netanjahu, dass auch Reisen nach New York ermöglicht werden müssten. Diese Auslandsfahrten seien für viele chassidische Juden ein „erhabenes spirituelles Erlebnis“, das nicht durch Reisesperren verhindert werden dürfe.

Finanzielle Unterstützung durch den Staat

Nach Angaben mehrerer hebräischer Medien hat die Regierung rund 10 Millionen Schekel für die Pilgerfahrten bereitgestellt. Die Finanzierung erfolgt über mehrere Ressorts, darunter das Außen-, das Verkehrs- und das Innenministerium sowie das Ministerium für Jerusalem und Kulturerbe.  Ein Teil der Summe wird für Flüge von insgesamt 50.000 Pilgern eingeplant, 15.000 mehr als im Vorjahr. Weitere Gelder fließen an Moldau, das für die Abwicklung der Transit- und Sicherheitslogistik zuständig ist.

Wenn Tausende der Strenggläubigen vor dem jüdischen Neujahrsfest in die Ukraine reisen, herrscht Hochbetrieb am Ben-Gurion-Flughafen. Foto: Avi Dishi/Flash90

Meir Porush, UTJ-Politiker und ehemaliger Minister für Jerusalemer Angelegenheiten, erklärte, er habe selbst Mittel für den Zweck freigegeben: „Vor meinem Rücktritt habe ich zwei Millionen Schekel an das Außenministerium überwiesen, das die Koordination übernommen hat.“

Sicherheitsbedenken und politische Kritik

Während Haredi-Vertreter auf religiöse Notwendigkeit pochen, erinnern andere an die realen Gefahren. Kiew und auch israelische Sicherheitsbehörden hatten in den vergangenen Jahren von Reisen nach Uman abgeraten. Seit dem russischen Angriff 2022 ist die Stadt mehrfach beschossen worden.

Zudem sorgt die Forderung nach Ausnahmeregelungen für Wehrpflichtige in Israel für Kritik. Viele säkulare Israelis empfinden es als Provokation, dass ausgerechnet jene, die den Armeedienst verweigern, nun staatlich geförderte Auslandsreisen antreten dürfen. Die Debatte fällt mitten in die ohnehin hitzige Auseinandersetzung um die Wehrpflicht für Ultraorthodoxe, die die Koalition im Sommer in die Krise gestürzt hat.

Da es keine Direktflüge nach Kiew gibt, wird die Pilgerreise über Moldau organisiert. Der dortige Regierungschef Dorin Recean bestätigte nach einem Telefonat mit Netanjahu, dass Israel die Kosten für Sicherheit und Logistik übernimmt. Moldaus Botschafter in Israel erklärte, man sei bereit, Israel bei der Organisation zu unterstützen, erwarte aber finanzielle Kompensation.

Rosch HaSchana beginnt am Abend des 22. September. Ob bis dahin eine endgültige Regelung gefunden wird, bleibt unklar. Fest steht: Die Wallfahrt nach Uman ist für viele Haredim religiös unverzichtbar, für andere jedoch ein Symbol für die wachsende Kluft zwischen denjenigen, die dienen, und jenen, die Ausnahmen beanspruchen. Netanjahu steht damit erneut zwischen den Erwartungen seiner Koalitionspartner und dem Druck der breiten Öffentlichkeit.

Titelbild: Jüdische Männer singen und tanzen 2024 am Grab von Rabbi Nachman in Uman (Ukraine). Foto: Chaim Goldberg/Flash90

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