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Armee kündigt Evakuierung von Gaza-Stadt an – Kirchen stellen sich gegen Räumungsbefehl

JERUSALEM, 28.08.2025 (BF) – Die israelische Armee (IDF) bereitet die großangelegte Einnahme von Gaza-Stadt vor. Am Mittwoch erklärte der arabischsprachige IDF-Sprecher Avichay Adraee, die Evakuierung der Stadt sei „unvermeidbar“. Gleichzeitig erhielten mehrere Kirchen in Gaza konkrete Räumungsbefehle, doch deren Führung kündigte an, die Stadt nicht zu verlassen.

Evakuierung ist unvermeidbar“

Adraee wies Spekulationen zurück, im Süden des Gazastreifens gebe es keinen Platz mehr für Geflüchtete. Die IDF habe für sie neue Flächen festgelegt, Wasserleitungen verlegt und Zeltstädte vorbereitet. Jede Familie, die sich in den Süden begebe, solle „die umfangreichste humanitäre Hilfe erhalten“. Ziel sei es, die Zivilbevölkerung vor Beginn der nächsten Kriegsphase aus der Gefahrenzone zu bringen.

Tausende Palästinenser leben in Gaza-Stadt in Zeltstädten, die sie nun räumen sollen. Foto: Ali Hassan / Flash90

Israel bereitet eine erweiterte Bodenoffensive vor, die mit der Einberufung von 60.000 Reservisten ab dem 2. September beginnen soll. Nach Einschätzung der israelischen Regierung ist die Eroberung von Gaza-Stadt notwendig, um einen entscheidenden Schlag gegen Hamas zu führen.

Kirchen widersprechen Evakuierungsbefehl

Besonders brisant ist, dass auch die griechisch-orthodoxe Kirche St. Porphyrius sowie das anglikanische St.-Philips-Kirchengelände auf den Evakuierungskarten der IDF rot markiert sind. Damit sollen hunderte Zivilisten, darunter Frauen, Kinder, Alte und Menschen mit Behinderung, ebenfalls evakuiert werden.

Kirchenführer reagierten mit einer gemeinsamen Stellungnahme: „Das Verlassen von Gaza-Stadt wäre nichts anderes als ein Todesurteil. Unsere Geistlichen und Nonnen bleiben, um bei den Menschen auszuharren.“ Die Erklärung wurde von der griechisch-orthodoxen und dem Lateinische Patriarchat von Jerusalem veröffentlicht.

Die Kirchen dienen seit Beginn des Krieges als Schutzräume für hunderte Binnenflüchtlinge. Schon im Juli wurde die katholische Kirche der Heiligen Familie durch einen fehlgeleiteten IDF-Beschuss beschädigt, drei Menschen kamen ums Leben. Der Vorfall sorgte für internationale Empörung und belastete die Beziehungen Israels zur christlichen Welt.

Internationale Kritik wächst

Die Entscheidung, ganze Stadtviertel einschließlich Kirchen zu evakuieren, stößt auf Kritik von Menschenrechtsgruppen und Regierungen.

Auch innerhalb Israels gibt es Bedenken. Familien von Geiseln warnen, eine Bodenoffensive in Gaza-Stadt könne das Leben der Gefangenen gefährden. Militärkreise halten dagegen, dass nur ein massiver Schlag die verbliebenen Hamas-Strukturen zerstören könne.

Mit der angekündigten Offensive und den Evakuierungsbefehlen erreicht der Krieg im Gazastreifen eine neue Stufe. Israel betont, dass die Maßnahmen dem Schutz der Zivilbevölkerung dienen. Doch die Bilder von widerständigen Kirchen, die ihre Türen nicht schließen wollen, werden international für Aufsehen sorgen. Ob es gelingt, militärische Notwendigkeit und humanitäre Verantwortung in Einklang zu bringen, entscheidet über die politische und moralische Deutung dieses nächsten Kapitels des Krieges.

Titelbild: Griechisch-orthodoxer Gottesdienst in der Kirche St. Porphyrius in Gaza-Stadt. Das Gotteshaus ist vom Räumungsbefehl des israelischen Militärs betroffen. Foto: Hassan Jedi/Flash90

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