
Wasserversorgung eingestellt: Gaza-Wasserunternehmen stoppt Versorgung für rund die Hälfte des Gazastreifens nach Festnahme durch Hamas
JERUSALEM 19.11.2025 (LS) – Ein Wasserversorgungsunternehmen im Gazastreifen hat seinen Betrieb kurzzeitig komplett ausgesetzt, um gegen die Festnahme eines Mitarbeiters durch die Hamas zu protestieren. Die Maßnahme trifft etwa die Hälfte der Bevölkerung des Gebiets und verschärft die ohnehin kritische Wasser- und Versorgungssituation deutlich.
Betriebsstopp nach Festnahme von Mitarbeiter
Das Unternehmen Abdul Salam Yassin Company (ASYCo), das mehrere Entsalzungs- und Wasserverteilungsanlagen im Gazastreifen betreibt, hat seinen Dienst aus Protest gegen die Festnahme eines Mitarbeiters durch die Hamas eingestellt. Laut Angaben eines Vorstandsmitglieds betrifft der Stopp über 70 Wasserlieferwagen und mehr als eine Million Menschen – etwa die Hälfte der Bevölkerung des Gazastreifens. Die Hamas gab bislang keine Erklärung für die Festnahme ab.
Im Umfeld eines zweijährigen Kriegs und beschädigter Infrastruktur verschärft sich die Versorgungskrise durch diesen Schritt weiter. „Ich weiß, dass es katastrophal ist, aber der Schutz unserer Mitarbeiter ist eine heilige Pflicht“, erklärte Yassin gegenüber Reuters.
Hamas weiterhin in Kontrolle
Die Hamas hat nach und nach die Kontrolle über Gebiete im Gazastreifen zurückerobert, aus denen sich Israel zurückgezogen hat, während die Gespräche über dessen Zukunft weitergehen.
Dieser Protest ist ein seltener Ausdruck der Opposition gegenüber der Hamas, die seit 2007 die palästinensische Enklave regiert. Im März und April kam es kurzzeitig zu Demonstrationen, bei denen ein Ende des Krieges und der Rücktritt der Hamas gefordert wurden, die jedoch nach einer Warnung, öffentliche Unruhen würden nicht toleriert, schnell wieder abebbten.
Wintereinbruch verschärft Lebensbedingungen
Mit dem Einsetzen des Winters verschlechtert sich die Lage im Gazastreifen. Viele Bewohner leben nach der Zerstörung ihrer Häuser in provisorischen Zelten, die weder gegen Regen noch gegen Kälte schützen. Die ersten starken Niederschläge führten bereits dazu, dass Zeltlager überflutet wurden. Regenwasser sammelte sich auf unbefestigtem Boden, Zelte liefen voll und konnten dem Wind kaum standhalten. Familien berichteten, dass Zelte über Nacht umgestürzt oder durchweicht waren und bereits beschädigte Unterkünfte endgültig unbrauchbar wurden.
Die meisten Wasser- und Sanitärinfrastrukturen wurden zerstört, und Pumpen aus dem Grundwasserleiter sind oft auf Strom aus kleinen Generatoren angewiesen.
Titelbild: Von Regen überflutete Straße in Khan Yunis im südlichen Gazastreifen. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90