
Pro Jahr werden in Israel 2,6 Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll geworfen
JERUSALEM, 26.11.2025 (NH) – Der Verband Leket Israel hat herausgefunden, dass 39 % der israelischen Lebensmittel im Müll landen. Das bedeutet, dass ein durchschnittlicher Haushalt jährlich Lebensmittel im Wert von mehr als 10.000 Schekel (2.630 Euro) wegwirft. Die Daten sind besonders erschreckend, wenn man bedenkt, dass 1,5 Millionen Bürger mit Ernährungsunsicherheit zu kämpfen haben. Jetzt plant die Regierung, Maßnahmen gegen die enorme Verschwendung von Lebensmitteln zu ergreifen. Diese hat den Staat im letzten Jahrzehnt mehr als 211 Milliarden Shekel (55 Milliarden Euro) gekostet. Ziel des Konzepts ist es, Lebensmittelabfälle zu verringern und die Rettung genießbarer Nahrungsmittel zu steigern. Der Report wurde in Zusammenarbeit mit dem Umwelt- und dem Gesundheitsministerium erstellt.
Lebensmittelverschwendung im Schatten von Hunger
In Israel leiden rund 485.000 Haushalte unter Ernährungsunsicherheit. Viele Israelis wissen nicht, ob sie sich im Laufe des Monats ausreichend Nahrungsmittel leisten können. Seit über 22 Jahren versorgt Leket Israel, die führende Lebensmittelrettungsorganisation des Landes, wöchentlich über 330.000 bedürftige Menschen. In ihrem jüngsten Bericht weist der Verband auf die enorme Verschwendung von Nahrungsmitteln im jüdischen Staat hin. Demnach sind im vergangenen Jahr 2,6 Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von 6 Milliarden Euro im Müll gelandet. Umgerechnet betrifft die Statistik 39 Prozent aller produzierten Lebensmittel. Gidi Kroch, der Geschäftsführer von Leket, bezeichnete die Ergebnisse als nationales Versagen, das sich moralisch, ökologisch, sozial oder wirtschaftlich nicht rechtfertigen lasse. „Nach einem Jahrzehnt des Bewusstseins ist die Zeit für Handeln gekommen. Wir müssen aufhören, Essen wegzuwerfen, und anfangen, es zu retten.“
Der Plan: Abfallverringerung und Lebensmittelrettung
Die Verschwendung hat hohe gesundheitliche Folgen: Krankheiten, die auf schlechte Ernährung zurückzuführen sind, kosten das Gesundheitssystem jährlich 1,36 Milliarden Euro. Ein Budget, das ein ohnehin schon belastetes System weiter schwächt. Laut dem Exposé beträgt der Wert der rettbaren Lebensmittel 2,61 Milliarden Euro pro Jahr. Wenn nur ein Teil davon eingespart wird, kann dies Hunderttausende von Haushalten in Israel mit Nahrung versorgen, die unter Ernährungsunsicherheit leiden. Dr. Moran Bleichfeld Magnazi vom Gesundheitsministerium erklärt: „Wir wissen, dass eine Steigerung des Verzehrs von Gemüse und Obst dramatische Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit hat. Dies ist ein Schritt, der Krankheiten verhindert und die Lebensqualität aufrechterhält.“ Zudem würden die nationale Wirtschaft gestärkt und Umweltschäden reduziert werden.
Nahrungsabfälle belasten die Staatskasse
Die Auswirkungen der enormen Nahrungsmittelverschwendung sind tatsächlich nicht nur gesundheitlicher Natur. Die Verschwendung zieht auch hohe ökologische Kosten nach sich. So belaufen sich die Umweltkosten in Israel beispielsweise auf jährlich 4,2 Milliarden NIS (fast eine Milliarde Euro). Dazu zählen Treibhausgasemissionen, enorme Wasser- und Landverschwendung sowie die Behandlung von Millionen Tonnen Abfall, die von Anfang an gar nicht erst hätten entstehen dürfen.
Umweltschutzministerin Idit Silman erklärte nun, das Ministerium „blicke nach vorn” und der neu erörterte nationale Plan biete „eine ökologische sowie sozioökonomische Antwort auf eine der größten Herausforderungen der israelischen Lebensmittelsysteme”.
Titelbild: Käufer auf dem Mahane-Yehuda-Markt in Jerusalem. Foto: Nati Shohat/Flash90