
Seltener 1.300 Jahre alter Menorah-Bleianhänger auf dem Tempelberg entdeckt
JERUSALEM, 16.12.2025 (NH) – Bei einer archäologischen Ausgrabung auf dem Tempelberg, nördlich der David-Stadt, ist ein spektakulärer und seltener Anhänger aus dem 7. Jahrhundert n. Chr. (späte byzantinische Zeit) entdeckt worden, der mit dem Symbol der jüdischen Menora verziert ist. Die Arbeiten werden in Kooperation mit der Davidsstadt und der Gesellschaft für den Wiederaufbau und die Entwicklung des jüdischen Viertels in Jerusalem durchgeführt. Der spannende Fund ist jetzt zum ersten Mal zu den Chanukka-Feiertagen zu sehen.
Seltenes, 1.300 Jahre altes Halsamulett sorgt für Euphorie
„Eines Nachmittags, während ich in einem der alten Gebäude grub, sah ich plötzlich etwas anderes zwischen den Steinen der Mauer, das grau war“, berichtet Ayayo Balta, ein Mitarbeiter der Davidsstadt. „Ich zog das Fundstück aus dem Boden und sah, dass es ein Kettenanhänger mit der Menora darauf war. Ich war sehr aufgeregt.“ Der Gegenstand befand sich in einer dicken Füllschicht von etwa acht Metern, die als Fundament für einen Komplex monumentaler Gebäude aus der Umayyadenzeit diente. Diese Schicht bedeckte frühere Überreste aus der spätbyzantinischen Zeit, darunter verschiedene Baureste.
Eine Seite des Fundstücks und dessen Menorah-Verzierung sind sehr gut erhalten. Die andere Seite ist jedoch mit Patina bedeckt, einer verwitterten oder gealterten Oberfläche, die sich durch chemische Reaktionen mit der Umwelt oder durch Abnutzung entwickelt. Eine Röntgenfluoreszenzanalyse, kurz XRF-Test, ergab, dass der Anhänger zu etwa 99 % aus Blei besteht. Laut den Archäologen der Israelischen Altertumsbehörde Dr. Yuval Baruch, Dr. Philip Vukosbovich, Esther Rakov-Malt und Dr. Shulamit Terem ist ein Anhänger aus reinem Blei, verziert mit einer Menora, ein äußerst seltener Fund. „Wir kennen nur einen weiteren Anhänger auf der Welt, der das Symbol der Menora trägt und aus Blei gegossen ist.“ Das zweite Medaillon, dessen Ursprung unbekannt ist, wird im Walters Art Museum in Baltimore, USA, aufbewahrt.

Anhänger symbolisiert Bekenntnis zum religiösen Glauben
Die Experten sind der Meinung, das doppelte Erscheinungsbild der Menora auf beiden Seiten des Anhängers zeuge von der tiefen Bedeutung des Symbols und verdeutliche die zentrale Stellung der Menora im visuellen Ausdruck der Verbundenheit mit dem Tempel und seiner Erinnerung – selbst in der Zeit nach dessen Zerstörung. Die Forscher nehmen an, dass das Schmuckstück einem Juden gehörte, der die Stadt während der byzantinischen Epoche bereiste, als es Juden verboten war, Jerusalem zu betreten. „Der Fund wirft die Frage auf, ob es sich um zufällige Funde handelt oder ob es sich um private Gegenstände von Juden handelt, die aus verschiedenen Gründen in die Stadt kamen: Kaufleute, Personen mit Verwaltungsmissionen oder Einzelpersonen, die als verdeckte Pilger und unter inoffiziellen Umständen in die Stadt kamen“, erklären die Experten.

Trotz Verbot: Juden lassen sich in Jerusalem nieder
Dr. Yuval Baruch, der seit 25 Jahren im Auftrag der Israelischen Altertumsbehörde Ausgrabungen an der Stätte durchführt und das Thema Menora untersucht, betont, dies sei „ein ungewöhnlicher Fund“. Gerade während der byzantinischen Zeit wurde die Menora zum Symbol des nationalen Gedächtnisses und der Erwartung einer Wiederbelebung unter den jüdischen Gemeinden im Land Israel. In den letzten Jahren seien demnach eine wachsende Zahl archäologischer Belege gefunden worden, die darauf hindeuten, dass Juden trotz aller ihnen auferlegten Verbote und Schwierigkeiten Wege fanden, Jerusalem zu erreichen – und es könnte sogar einige gegeben haben, die sich dort niederließen.
Der seltene Menora-Anhänger wird erstmals während des jetzigen Chanukka-Festes der Öffentlichkeit präsentiert. Er ist Teil von Führungen und Aktivitäten für Familien und Einzelpersonen, die im Nationalen Archäologischen Komplex des Landes Israel in Jerusalem stattfinden.
Foto: Der seltene Menora-Anhänger, der bei Ausgrabungen der Davidsstadt und der Israelischen Altertumsbehörde entdeckt wurde. Foto: Eliyahu Yanai/Davidsstadt