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Palästinensische Arbeitserlaubnisse auf Eis – Hunderttausende ausländische Arbeitskräfte fluten Israels Arbeitsmarkt

JERUSALEM, 06.01.2026 (NH) – Nach dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 hat Israels Regierung einen beschleunigten Prozess eingeleitet, um palästinensische Arbeiter durch ausländische Arbeitskräfte zu ersetzen. Die Rekrutierung der Ausländer wurde vor allem in Bereichen wie dem Bauwesen, der Landwirtschaft, dem Hotelgewerbe und der Industrie vorangetrieben. Der jüdische Staat, der sich mit immensen Sicherheitsbedenken konfrontiert sah, zielte auf die Verringerung der Abhängigkeit von palästinensischen Arbeitern ab. Dies führte dazu, dass Tausende Palästinenser ihren Lebensunterhalt in Israel verloren. Das hat wiederum komplexe wirtschaftliche und soziale Konsequenzen im sogenannten Westjordanland und in Gaza zur Folge.

Ausgabe von 100.000 Arbeitsgenehmigungen wurde ausgesetzt

Jahrzehntelang arbeiteten Palästinenser aus den besagten Gebieten in Israel. Vor den Ereignissen des 7. Oktober waren etwa 100.000 Palästinenser in Israel beschäftigt – heute sind es nur noch rund 8.000. Die entsprechenden Arbeitsgenehmigungen wurden von der israelischen Bevölkerungs- und Einwanderungsbehörde (PIBA) sowie vom Koordinator der Regierungsaktivitäten in den Gebieten ausgestellt. Kurz nach den Ereignissen des Schwarzen Schabbat hat das israelische Zivilkontrollzentrum einen Plan vorbereitet, um palästinensische Arbeiter aus Gaza sowie Judäa und Samaria durch ausländische Arbeitskräfte zu ersetzen. Der Plan sah die Einstellung von Arbeitskräften aus Sri Lanka, China, Indien, Thailand und Moldau vor. So wurden in den vergangenen zwei Jahren etwa 227.044 Arbeitserlaubnisse an ausländische Arbeitskräfte ausgestellt. Neben Stellen im Bauwesen und in der Landwirtschaft nutzen inzwischen auch Restaurants und die Industrie den Zustrom ausländischer Arbeitskräfte zu ihren Gunsten. Die Zahl der zugelassenen ausländischen Arbeiter hat sich somit nicht nur dramatisch erhöht, sondern es wurde auch die Anzahl der Sektoren, in denen sie arbeiten dürfen, ausgeweitet – zur großen Freude israelischer Arbeitgeber.

In Metula, an der israelischen Grenze zum Libanon, sind ausländische Arbeitskräfte in der Landwirtschaft beschäftigt. Foto: David Cohen/Flash90, 20. November 2024

Schwerer Schlag für Palästinenser und ihre Familien

Zwar lindern ausländische Kräfte den unmittelbaren Personalmangel, doch wird Israel nun mit einer komplexen Lohndynamik und Arbeitsrechtslage konfrontiert. Dror Litvak, CEO von ManpowerGroup Israel, warnt vor tiefgreifenden Veränderungen des Arbeitsmarktes: „Wir laufen Gefahr, einen Sklavenmarkt statt eines Arbeitsmarktes zu schaffen. Die Bedingungen, unter denen einige der Arbeiter leben, sind schlecht, und das wird am Ende noch größere Probleme verursachen.“ Zudem könne die Welle ausländischer, günstiger Kräfte letztendlich zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit unter Israelis führen. „Wer glaubt, die Arbeitslosenrate werde niedrig bleiben, irrt. Ausländer besetzen bereits Positionen, die zuvor von Israelis besetzt waren“, so Litvak. Regierungsmitglieder zeigen sich unbeeindruckt. Unter Berufung auf Sicherheitsbedenken scheint Israel bestrebt zu sein, langfristig so viele Verbindungen wie möglich zur Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) und zu palästinensischen Arbeitskräften abzubrechen. Kritiker behaupten, die neue Politik riskiere, die ohnehin angeschlagene Wirtschaft der PA zu schwächen und zu größerer Instabilität zu führen. Shai Grunberg, Sprecher der pro-palästinensischen Menschenrechtsorganisation Gisha, erklärt: „Dies ist eine Politik, die darauf abzielt, den Zerfall des Gefüges des palästinensischen Lebens herbeizuführen.“ Argumente von Regierungsbefürwortern, die Maßnahmen seien notwendig, um die Ausbeutung von Hilfsgeldern durch palästinensische Terrorgruppen zu verhindern, blendet Grunberg hingegen aus.

Titelbild: Ausländische Bauarbeiter vor dem Knesset-Museum, das im Gebäude der Ersten Knesset im Zentrum Jerusalems entstand, am 28. Juli 2024. Foto: Nati Shohat/Flash90

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