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Warum Israel jetzt nicht zuschlägt, obwohl das Mullah-Regime im Iran wankt

von Benjamin Funk

JERUSALEM, 09.01.2026 – Die Lage rund um Iran ist so angespannt wie seit Jahren nicht mehr. Während das Regime in Teheran mit massiven inneren Unruhen ringt, steht Israel in erhöhter Alarmbereitschaft. Raketenprogramme, Drohungen aus Teheran und eine zunehmend aggressive Rhetorik treffen auf soziale Verwerfungen, Proteste und einen Machtapparat, der sichtbar unter Druck steht. Genau diese Mischung macht die Situation gefährlich.

Proteste im Inneren und die Logik der Ablenkung

Seit über zehn Tagen erlebt Iran landesweite Proteste. In vielen Städten richten sich Demonstrationen und massive Ausschreitungen gezielt gegen staatliche Einrichtungen, Sicherheitskräfte und andere Symbole der Macht.

Während große Teile der Bevölkerung um ihre Existenz kämpfen, investiert das Regime weiterhin gigantische Summen in sein Atom- und Raketenprogramm sowie in die Finanzierung seiner regionalen Stellvertreterkriege. Sicherheitskreise in Israel beobachten diese Entwicklung sehr genau.

Ein Regime, das seine eigene Bevölkerung nur noch mit Gewalt kontrollieren kann, sucht häufig den Ausweg nach außen. Ein äußerer Feind soll die Reihen schließen und vom inneren Zerfall ablenken. Israel gilt in dieser Logik als bevorzugtes Ziel.

Warum Israel derzeit nicht angreift

Trotz der Bedrohung und der realen Möglichkeit, Irans Raketenprogramm empfindlich zu treffen und dem Regime schweren Schaden zuzufügen, verzichtet Israel derzeit auf einen offenen militärischen Schlag gegen Teheran. Stattdessen sendet Jerusalem bewusst Signale der Zurückhaltung. Das geschieht nicht aus Schwäche, sondern aus strategischem Kalkül. Ein direkter Angriff würde das Regime eher stabilisieren als schwächen und ihm den Vorwand liefern, die inneren Proteste unter dem Banner eines äußeren Krieges brutal niederzuschlagen.

Gleichzeitig scheint Israel längst im iranischen Raum aktiv zu sein. Geheimdienstliche Operationen, Cybermaßnahmen und verdeckte Eingriffe gehören weiterhin zum Instrumentarium. Sie wirken unterhalb der Eskalationsschwelle und halten den Druck hoch, ohne dem Regime den gewünschten Vorwand für einen großen Krieg zu liefern.

Die Rolle der USA und Trumps klare Linie

Ein entscheidender Faktor ist Washington. Der Besuch von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in den USA hat gezeigt, dass die Linie zwischen Jerusalem und Washington derzeit eng abgestimmt ist. US-Präsident Donald Trump hat Iran erneut unmissverständlich gewarnt. Sollten Demonstranten weiterhin gezielt getötet werden, werde dies Konsequenzen haben.

Kriegspropaganda: Eine Plakatwand mit symbolischen Bildern von Särgen amerikanischer und israelischer Soldaten sowie einer Erklärung des iranischen Parlamentspräsidenten Ali Larijani mit dem Titel „Passt auf eure Soldaten auf“ hängt an einem staatlichen Gebäude in der Innenstadt von Teheran. Foto: Morteza Nikoubazl/NurPhoto via AFP

Diese Drohungen sind mehr als Rhetorik. In sicherheitspolitischen Kreisen wird offen darüber gesprochen, dass ein amerikanischer Schlag möglich wäre, sollte Teheran die Repression weiter verschärfen oder militärisch eskalieren. Israel lässt den USA bewusst die politische und militärische Führung und bleibt gleichzeitig in voller Bereitschaft, sollte die Lage kippen. Israel handelt hier nicht defensiv, sondern taktisch vorausschauend.

Libanon, Hisbollah und ein unglaubwürdiges Narrativ

Parallel dazu sorgt der Libanon für neue Schlagzeilen. Die Regierung in Beirut erklärte zuletzt, man habe die Hisbollah entwaffnet. In Israel stößt diese Aussage auf breites Misstrauen. Weder Geheimdienste noch Militär sehen dafür belastbare Hinweise. Waffenlager, Infrastruktur und Führungsstrukturen der Terrororganisation sind weiterhin intakt und werden sogar systematisch wieder ausgebaut.

Die Armee hat der Regierung in Jerusalem vor wenigen Tagen die volle militärische Kampffähigkeit gemeldet. Die Streitkäfte warten nun auf eine politische Entscheidung über das weitere Vorgehen.

Auch hier spielt Iran eine zentrale Rolle. Ein größerer Schlag gegen die Hisbollah würde Teheran zwangsläufig in den Konflikt hineinziehen und zugleich den internationalen Fokus erneut massiv auf Israel lenken. Genau diese Eskalationsdynamik versucht Jerusalem in der aktuellen Lage bewusst zu vermeiden.

Ein bewusstes Abwarten in gefährlicher Lage

Israel befindet sich damit in einer Phase strategischer Zurückhaltung. Die Bedrohung ist real, die Vorbereitung sichtbar, doch der Zeitpunkt wird bewusst nicht erzwungen. Jerusalem setzt darauf, dass der innere Druck im Iran weiter wächst und Washington die Führung übernimmt, sollte das Regime eine rote Linie überschreiten.

Die Gefahr liegt darin, dass ein geschwächtes Regime irrational handeln kann. Gerade deshalb bleibt Israel in höchster Alarmbereitschaft. Die Eskalation wird nicht gesucht, aber sie wird einkalkuliert.

Titelbild: Iraner versammeln sich während einer Protestaktion in Kermanshah und blockieren dabei eine Straße. Die Demonstrationen gegen das Mullah-Regime haben sich auf das ganze Land ausgebreitet. Foto: Kamran /Middle East Images via AFP

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