
Operation „Brüllender Löwe“ weitet sich aus – Israels Militär schlägt im Libanon zu
JERUSALEM, 03.03.2026 (BF) – Die israelische Militärführung hat klargestellt, dass der Konflikt im Norden nicht in einen begrenzten Schlagabtausch münden wird. Die Operation „Brüllender Löwe“ endet nach Worten von Generalstabschef Eyal Zamir erst dann, wenn die Hisbollah-Bedrohung vollständig ausgeschaltet ist. Hisbollah müsse vollständig entwaffnet werden, diese Forderung werde Israel nicht aufgeben. Die libanesische Regierung sei mehrfach gewarnt worden, die Miliz zu entwaffnen. Das sei nicht geschehen, daher werde Israel selbst handeln, sagte Zamir.
Zamir betonte zugleich, dass der Kern der Operation auf Iran gerichtet sei. Man agiere mit Nachdruck und in enger Koordination mit dem US-Militär. Nach dem Beschuss aus dem Libanon habe er angewiesen, auch gegen Hisbollah mit Härte vorzugehen. Die Armee sei vorbereitet, in mehreren Arenen gleichzeitig zu operieren. Die Sicherheit der Bewohner im Norden habe Priorität, weitere Evakuierungen werde es nicht geben.
Am selben Tag griff die Luftwaffe über 70 Waffendepots, Abschussrampen und Stellungen der proiranischen Miliz im Libanon an. In Beirut wurde zudem ein ranghoher Kommandeur des Palästinensischen Islamischen Dschihad getötet. Das Signal ist eindeutig: Die Operation umfasst Iran und dessen Vorfeldorganisationen gleichermaßen.
Raketen auf den Golan, Angriffe in Dahieh
In der Nacht folgte die unmittelbare Antwort. Hisbollah feuerte rund 15 Raketen in Richtung Golanhöhen und setzte Drohnen gegen Nordisrael ein. Sirenen heulten in Kibbutz Ortal, im oberen Galiläa und entlang der Grenze. Mehrere Flugkörper wurden abgefangen. Kurz darauf schlug die israelische Luftwaffe im Beiruter Vorort Dahieh zu, einem Kerngebiet der Organisation.

Entscheidend ist die offizielle Erklärung der Miliz: Man habe sich dem Krieg angeschlossen. Damit verlässt Hisbollah die Grauzone der indirekten Beteiligung und positioniert sich offen als Kriegspartei. Die gegenseitigen Angriffe markieren eine weitere Eskalationsstufe an der Nordfront.
Gleichzeitig bleibt die Behauptung aus Beirut, die Miliz sei entwaffnet, ohne Substanz. Die militärische Infrastruktur ist intakt, der Raketenbeschuss der Nacht belegt das.
Mehrfrontenlage mit Blick auf Iran
Die Offensive im Libanon ist eingebettet in eine größere strategische Bewegung. Der Fokus bleibt der Iran. In Jerusalem gilt die Einschätzung, dass Teheran versucht, seine Achse über Libanon, Gaza und andere Schauplätze handlungsfähig zu halten. Die jüngsten Entwicklungen unterstreichen, dass die Fronten miteinander verknüpft sind.
Die Armee verstärkt daher Offensive und Defensive zugleich. Der Norden steht unter erhöhter Bereitschaft, während Operationen jenseits der Grenze fortgesetzt werden. Israel signalisiert Handlungsfähigkeit, vermeidet jedoch eine unkontrollierte Ausweitung.
Washington erhöht den Druck
Parallel verschärft sich die Lage auf amerikanischer Seite. Die USA haben ihre Bürger aufgefordert, nahezu alle Länder des Nahen Ostens, einschließlich Israel, umgehend zu verlassen. Ein US-Offizieller sprach von möglichen weiteren Angriffen auf den Iran in den kommenden Tagen. Präsident Donald Trump kündigte Vergeltung an nach Angriffen auf amerikanische Einrichtungen in der Region und dem Tod von sechs US-Soldaten in Kuwait.
Damit verschiebt sich das strategische Umfeld. Israel agiert entschlossen an seiner Nordgrenze, während Washington den Druck auf Teheran erhöht. Die kommenden Tage dürften entscheiden, ob Abschreckung wirkt oder ob sich der Konflikt weiter ausdehnt.
Titelbild: Nach einem israelischen Angriff auf die südlichen Vororte von Beirut am frühen Morgen des Dienstags brechen Brände in beschädigten Gebäuden aus. Foto: AFP