
Neuausrichtung in Gaza: 5.000 palästinensische Polizisten vor dem Einsatz
JERUSALEM, 23.02.2026 (NH) – Im Rahmen eines neuen, umfassenden Stabilisierungsplans für den Gazastreifen ist die Entsendung von rund 5.000 Polizisten der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) vorgesehen. Die Kräfte sollen in den kommenden Wochen schrittweise in das Gebiet verlegt werden, um unter ziviler Führung die öffentliche Ordnung zu sichern und staatliche Strukturen wieder aufzubauen. Die Polizeieinheit soll Angaben aus palästinensischen Kreisen zufolge dem neu geschaffenen Nationalen Komitee für die Verwaltung des Gazastreifens (NCAG) unterstellt werden. Beobachter interpretieren diesen Schritt teilweise als eine mögliche Rückkehr zu den Prinzipien der Oslo-Abkommen und sehen darin den Versuch, die Verwaltungskompetenz der PA im Gazastreifen wieder zu stärken und an frühere sicherheitspolitische Arrangements anzuknüpfen.
Ausbildung in Ägypten und internationale Unterstützung
Die Rekrutierung und Ausbildung der neuen Sicherheitskräfte ist bereits in vollem Gange. Laut Berichten aus dem Umfeld des NCAG haben sich innerhalb kürzester Zeit über 2.000 Freiwillige für den Dienst gemeldet. Ein Teil der Ausbildung findet in Ägypten statt und wird durch jordanische Sicherheitsbehörden unterstützt. Das Ziel besteht darin, die ersten 5.000 Beamten innerhalb von etwa 60 Tagen einsatzbereit zu machen und in Gaza zu stationieren.
Parallel dazu wird über eine internationale Stabilisierungstruppe diskutiert, die perspektivisch rund 20.000 Soldaten umfassen und in mehrere Sektoren gegliedert sein soll. Diese Kräfte würden ergänzend zur palästinensischen Polizei agieren. Finanzielle Unterstützung kommt nach bisherigen Angaben unter anderem durch Zusagen der US-Regierung unter Präsident Trump sowie von Staaten wie Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kasachstan. Details zur konkreten Ausrüstung der Polizeikräfte oder zu Kontrollmechanismen vor Ort wurden bislang nicht veröffentlicht.
Zielsetzung: vollständige Entwaffnung und Wiederaufbau
Der Kernauftrag der 5.000 Polizisten besteht darin, das Prinzip „eine Autorität, ein Gesetz, eine Waffe“ durchzusetzen. Damit ist die Entwaffnung aller militanten Gruppen im Gazastreifen gemeint. Dabei bleibt insbesondere die Rolle der Hamas entscheidend. Ob und in welchem Umfang eine tatsächliche Entwaffnung umgesetzt werden kann, ist eine zentrale Voraussetzung für einen nachhaltigen Wiederaufbau.
Neben sicherheitspolitischen Herausforderungen steht die Palästinensische Autonomiebehörde selbst unter Druck. Im sogenannten Westjordanland kämpft sie mit finanziellen Engpässen und politischer Erosion. Gleichwohl soll sie die Gehälter der neuen Polizeikräfte übernehmen und die zivile Verwaltung in Gaza verantworten. Ob die Entsendung der 5.000 Polizisten zu einer dauerhaften Stabilisierung beiträgt, hängt maßgeblich von der Sicherheitslage vor Ort sowie der Kooperationsbereitschaft aller beteiligten Akteure ab. Fest steht: Der geplante Einsatz markiert einen bedeutenden Schritt in den Bemühungen, die Kontrolle über Gaza wieder stärker in zivile Hände zu legen und die Voraussetzungen für einen strukturierten Wiederaufbau zu schaffen.
Titelbild: Mitglieder palästinensischer Sicherheitskräfte und Trauergäste nehmen an der Beerdigung von Saher Erheil, einem Angehörigen der Präsidentengarde, in Nablus teil. Er kam bei Zusammenstößen mit bewaffneten Palästinensern in Dschenin ums Leben. Foto: Nasser Ishtayeh/Flash90