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Ein Leben beginnt unter dem Donner der Raketen: Ein Sanitäter wird zum menschlichen Schutzschild

JERUSALEM, 11.03.2026 (NH) – Es sollte ein Moment purer Freude sein: der erste Schrei eines Neugeborenen, der den engen Raum eines Krankenwagens erfüllt. Doch auf der Autobahn nahe dem Nevatim-Knotenpunkt im Süden Israels vermischte sich dieses Zeichen des Lebens am vergangenen Sonntagabend mit dem schrillen Heulen der Sirenen. Nur Sekunden nach der Geburt eines Babys in einem Rettungswagen von Magen David Adom (MDA) löste ein Raketenangriff aus dem Iran Großalarm in der südlichen Region aus.

Ein Schrei des Lebens inmitten des Alarms

Die 23-jährige Mutter war auf dem Weg ins Krankenhaus, als klar wurde, dass das Baby nicht mehr warten wollte. Die Sanitäter stoppten den Krankenwagen am Straßenrand, um der Frau bei der Geburt zu helfen. Kaum war das Kind auf der Welt und tat seine ersten Atemzüge, erhielt das Rettungsteam die Warnmeldung über einen bevorstehenden iranischen Raketenangriff auf ihre Mobiltelefone. In einer Situation, die normalerweise von Erleichterung geprägt ist, brach die Realität des Krieges mit voller Wucht herein. Während die Sanitäter die Nabelschnur versorgten und Mutter sowie Kind stabilisierten, hallten im Hintergrund bereits die Sirenen – begleitet von den ersten Explosionen der israelischen Abfangsysteme. Da die frischgebackene und erschöpfte Mutter unmöglich in einen Schutzraum gebracht werden konnte, musste das Team sofort handeln. Der Fahrer parkte den Rettungswagen an einer vermeintlich sicheren Stelle, die Helfer legten allen Beteiligten Helme und Schutzwesten an. Doch der erfahrene Sanitäter Elad Pas tat noch mehr: Er nahm das wenige Sekunden alte Baby in seine Arme und verließ den Rettungswagen.

Autos gelten bei Raketenbeschuss als besonders gefährlich. Die dünnen Metall- und Glasscheiben bieten kaum Schutz vor Splittern oder herabfallenden Trümmern abgefangener Projektile. Bei Druckwellen können Scheiben zerbersten und zusätzliche Splitter verursachen – das Fahrzeug wird schnell zur Todesfalle.

Der Mensch als Schutzschild: Instinkt gegen die Angst

In einiger Entfernung vom Fahrzeug kniete sich Pas schützend über das Kind und nutzte seinen eigenen Körper als Schild gegen mögliche Splitter, Trümmer oder Druckwellen. „Das Baby ist hilflos. Es ist völlig von dir abhängig. Das sind seine ersten Atemzüge auf der Welt“, beschrieb Pas später den Moment. Ohne zu zögern wurde er zum lebenden Schutzschild für ein Leben, das gerade erst begonnen hatte. Er hielt das Kind fest umschlungen, bis die unmittelbare Gefahr vorüber war – ein Akt reiner Menschlichkeit inmitten eines technisierten Krieges.

Die Gefahr für das Team war erheblich. Raketenangriffe gehören zu den gefährlichsten Formen moderner Kriegsführung gegen zivile Gebiete. Die aus dem Iran abgefeuerten Raketen tragen hochexplosive Sprengköpfe, die beim Einschlag maximale Zerstörung anrichten sollen. Doch selbst wenn sie von Israels Abwehrsystemen abgefangen werden, bleibt das Risiko bestehen: Große Metallteile der zerstörten Geschosse stürzen aus großer Höhe zur Erde und können Menschen schwer verletzen oder töten. Auch Druckwellen stellen eine ernsthafte Bedrohung dar – besonders für Personen im Freien oder in Fahrzeugen. Auf der offenen Straße im Süden Israels gab es für das Rettungsteam kaum Deckung.

Nachdem schließlich Entwarnung gegeben wurde, konnte die Fahrt fortgesetzt werden. Mutter und Kind erreichten das Krankenhaus wohlbehalten und in gutem Zustand. Für Sanitäter Elad Pas wird dieser Einsatz unvergessen bleiben: ein Augenblick, in dem Leben und Tod nur Sekunden voneinander entfernt waren – und in dem ein Mensch entschied, ein anderes Leben über sein eigenes zu stellen.

Ein Neugeborenes begann sein Leben unter dem Donner der Raketen – doch seine ersten Minuten auf dieser Welt waren von Mut, Mitgefühl und dem selbstlosen Handeln eines Helfers geprägt.

Titelbild: Magen David Adom – Sanitäter Elad Pas schützt ein neugeborenes Baby während eines Raketenalarms. Foto: MDA

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