
Archäologen finden 2600 Jahre altes, mit Eisenkugeln beladenes Schiffswrack
JERUSALEM, 27.03.2025 (TPS-IL/BF) – Vor der Küste Israels haben Archäologen einen außergewöhnlichen Fund gemacht. Im flachen Wasser der Dor-Lagune südlich von Haifa wurden neun massive Eisenklumpen entdeckt, die rund 2600 Jahre alt sind. Die Funde stammen aus einem Schiffswrack und geben seltene Einblicke in den Handel im östlichen Mittelmeer der Antike.
Die Entdeckung erfolgte im Rahmen einer Unterwassergrabung und wurde anschließend von Forschern der Universität Haifa detailliert untersucht. Die Ergebnisse wurden in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht.
Rohmaterial statt fertiger Ware
Das Besondere an dem Fund ist der Zustand des Eisens. Anders als bei den meisten archäologischen Metallfunden zeigen die Klumpen keinerlei Spuren von Weiterverarbeitung. Sie wurden offenbar direkt nach dem Schmelzprozess verladen und transportiert.
Die Analyse zeigt, dass es sich um sogenanntes Roh-Eisen handelt, das noch nicht geschmiedet oder gereinigt wurde. Im Inneren fanden die Forscher eine poröse Struktur mit Schlackenresten, charakteristisch für Material unmittelbar aus dem Ofen.
Das deutet darauf hin, dass das Eisen nicht am Herstellungsort weiterverarbeitet wurde, sondern als Rohstoff verschifft wurde. Erst am Zielort dürfte es von Schmieden weiterverarbeitet worden sein.
Für die Forschung ist das ein wichtiger Hinweis. Bislang wurde häufig angenommen, dass Metall überwiegend in bereits bearbeitetem Zustand transportiert wurde.
Dor als Knotenpunkt des Handels
Die Dor-Lagune war bereits in der Antike ein bedeutender Hafen. Die nahegelegene Stadt Dor galt als wichtiger Umschlagplatz zwischen verschiedenen Kulturen, darunter Kanaaniter und später Phönizier.
Die geschützte Bucht bot ideale Bedingungen für Schiffe. Gleichzeitig war die Region ein Zentrum für wirtschaftliche Aktivitäten wie Metallverarbeitung und Fischerei.

Der Strand von Haifa an einem windigen Wintertag. In der Antike galt die Gegend als tückisch, viele Schiffe versanken in den Fluten. Foto: Sharon Leibel/TPS-IL
Die neuen Funde zeigen, dass Dor nicht nur ein Handelsplatz für fertige Waren war, sondern offenbar auch eine Rolle im Austausch von Rohmaterialien spielte. Eisen konnte demnach über weite Strecken transportiert und erst am Zielort weiterverarbeitet werden.
Ein weiteres Detail hilft bei der zeitlichen Einordnung: Ein verkohltes Holzfragment, das in einem der Eisenstücke eingeschlossen war, wurde mittels Radiokarbonmethode datiert. Es stammt aus dem späten 7. bis frühen 6. Jahrhundert vor Christus, kurz vor der babylonischen Eroberung der Region.
Gut erhalten durch natürliche Schutzschicht
Bemerkenswert ist auch der Erhaltungszustand der Funde. Obwohl sie mehr als zwei Jahrtausende unter Wasser lagen, sind die Eisenstücke außergewöhnlich gut erhalten.
Grund dafür ist eine natürliche Schutzschicht aus Schlacke, die das Metall umhüllt. Sie wirkte wie eine Versiegelung und schützte das Eisen vor Korrosion.
Für die Forschung eröffnet der Fund neue Perspektiven. Er zeigt, dass Handelsnetzwerke in der Antike komplexer organisiert waren als lange angenommen. Rohstoffe wurden offenbar gezielt transportiert, um sie an anderen Orten weiterzuverarbeiten.
Der Fund aus der Dor-Lagune liefert damit nicht nur ein seltenes archäologisches Beispiel, sondern auch ein konkretes Bild davon, wie wirtschaftliche Prozesse vor mehr als 2500 Jahren funktionierten.
Titelbild: Vor der Küste Haifas liegen mehr als 20 antike Schiffswracks mit ihren Ladungen im Sand vergraben. Wissenschaftler der Uni Haifa erforschen sie. Foto: Institut für maritime Zivilisationen/Universität Haifa