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CNN-Team in Samaria festgesetzt – IDF-Einheit suspendiert

JERUSALEM, 31.03.2026 (BF) – Ein Vorfall in Samaria sorgt für ungewöhnlich deutliche Worte an der Spitze der israelischen Armee. Nachdem Reservisten ein Team des US-Senders CNN festgesetzt und mutmaßlich angegriffen haben sollen, spricht IDF-Generalstabschef Eyal Zamir von einem „schweren ethischen Vorfall“. Die Reaktion fällt entsprechend klar aus: Ein beteiligter Soldat soll entlassen werden, eine gesamte Reserveeinheit mit mehreren Hundert Soldaten wurde vorübergehend aus dem Einsatz abgezogen.

Der Zwischenfall ereignete sich nahe des palästinensischen Dorfes Tayasir im Norden von Samaria. Dort kontrollierten Soldaten eine Gruppe von Journalisten, die über Spannungen rund um einen illegalen Außenposten berichteten. Nach Angaben von CNN wurde das Team über einen längeren Zeitraum festgehalten, ein Kameramann soll dabei gewaltsam angegangen worden sein. Die Vorwürfe werden derzeit von der Militärpolizei untersucht.

Armee räumt Verfehlungen ein

In einer ersten internen Untersuchung stellte die Armee mehrere Fehlverhalten im Umgang mit den Journalisten fest. Besonders schwer wiegen Aussagen eines Reservisten, der laut Videoaufnahmen ideologisch aufgeladene und extremistische Positionen äußerte. Er sprach demnach davon, aus „Rache“ zu handeln, und stellte die Zugehörigkeit des gesamten Westjordanlands infrage.

Zamir machte deutlich, dass ein solches Verhalten nicht mit den Grundsätzen der Armee vereinbar sei. Waffen dürften ausschließlich zur Erfüllung des Auftrags eingesetzt werden, nicht aus persönlichen Motiven. Die Armee betonte zudem, man respektiere die Pressefreiheit und habe nach dem Vorfall direkten Kontakt zu den betroffenen Journalisten gehalten, einschließlich einer persönlichen Entschuldigung.

Gleichzeitig weist das Militär zentrale Vorwürfe zurück. So gebe es keine Hinweise darauf, dass Soldaten gezielt Gewalt gegen Zivilisten ausgeübt hätten. Auch eine Verbindung zwischen den eingesetzten Kräften und mutmaßlichen Angriffen durch Siedler sei nicht belegt. Laut IDF waren die Soldaten vor Ort, um Spannungen zu verhindern und den Bereich zu sichern, bis Polizeikräfte den Außenposten räumten.

Politische Kritik an der Entscheidung

Die Entscheidung, die betroffene Einheit aus dem Einsatz zu nehmen, stößt in der Politik nicht nur auf Zustimmung. Der Vorsitzende des Knesset-Ausschusses für Außen- und Sicherheitspolitik, Boaz Bismuth, kritisierte den Schritt scharf. Aus seiner Sicht untergrabe die Suspendierung das Vertrauen der Soldaten in ihre Führung und schwäche ihre Einsatzbereitschaft.

Bismuth argumentierte, dass nicht die Soldaten, sondern vielmehr externe Akteure im Einsatzgebiet stärker in den Fokus genommen werden müssten. Die militärische Führung hätte die Truppe unterstützen sollen, statt ein Signal der Distanz zu senden.

Teil eines größeren Spannungsfeldes

Der Vorfall steht im Kontext einer angespannten Lage in Samaria und Judäa. In den vergangenen Wochen berichten israelische Medien zunehmend über wachsende Spannungen zwischen Siedlern und Palästinensern, insbesondere im Norden der Region. Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen.

Gleichzeitig wächst der internationale Blick auf das Verhalten von Sicherheitskräften vor Ort, insbesondere im Umgang mit Journalisten. Dass die Armee selbst von einem „schweren ethischen Vorfall“ spricht, unterstreicht die Sensibilität des Themas.

Die IDF kündigte an, die betroffene Einheit nun einer grundlegenden Überprüfung zu unterziehen, bevor sie wieder in den Einsatz zurückkehrt. Ziel sei es, sowohl die professionelle Einsatzfähigkeit als auch die Einhaltung der eigenen Werte sicherzustellen.

Titelbild: Israelische Soldaten während eines Militäreinsatzes in Hebron am 22. Januar 2026. Foto: Wisam Hashlamoun/Flash90

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