
Warum der Krieg nicht endet: Irans Strategie und die anhaltende Bedrohung für Israel
JERUSALEM, 02.04.2026 (BF) – Immer wieder gibt es Signale, dass der Krieg gegen den Iran und seine Verbündeten sich seinem Ende nähern könnte. Politische Aussagen aus Washington und Jerusalem sprechen von erreichten Zielen, von einer „Abschlussphase“ der militärischen Operationen. Doch die Realität vor Ort zeichnet ein anderes Bild. Der Krieg ist nicht vorbei. Und vieles deutet darauf hin, dass er so schnell auch nicht enden wird.
Irans Strategie: Kein Chaos, sondern Kontrolle
Die Angriffe aus dem Iran wirken auf den ersten Blick wie massive, teils unkoordinierte Vergeltungsschläge. Doch genau das trifft nicht zu. Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass Teheran weiterhin über funktionierende Kommando- und Kontrollstrukturen verfügt. Die Angriffe folgen erkennbaren Mustern.
Iran reagiert nicht nur direkt auf Angriffe auf eigenem Territorium, sondern spiegelt gezielt Kategorien von Zielen. Wird Energieinfrastruktur getroffen, folgt ein Angriff auf Energieanlagen. Wird ein nuklearer Standort angegriffen, reagiert Teheran mit Beschuss in vergleichbaren Bereichen. So wurden etwa die Raffinerien in Haifa nach Angriffen auf iranische Gasfelder getroffen, während Beschuss im Raum Dimona im Zusammenhang mit Angriffen gegen iranische Nuklearanlagen gesehen wird.
Diese Logik zeigt, dass es sich nicht um wahlloses Feuer handelt. Vielmehr versucht der Iran, eine eigene Abschreckungsformel zu etablieren. Dabei geht es nicht nur um Israel. Angriffe auf Energieinfrastruktur im Golf verdeutlichen, dass Teheran bereit ist, den Konflikt regional auszuweiten und wirtschaftlichen Druck zu erzeugen.
Gleichzeitig verschiebt sich die Strategie. Aus einem „Auge um Auge“ wird zunehmend ein Ansatz, der darüber hinausgeht. Iran signalisiert offen, dass künftige Angriffe stärker ausfallen könnten. Die Drohung richtet sich dabei nicht nur gegen militärische Ziele, sondern zunehmend auch gegen zivile und wirtschaftliche Strukturen.

Geschwächt, aber weiterhin handlungsfähig
Auch militärisch ergibt sich ein differenziertes Bild. Israel und die USA haben dem iranischen Regime und seinen Verbündeten spürbare Schäden zugefügt. Infrastruktur wurde zerstört, militärische Kapazitäten reduziert. Doch entscheidende Elemente bleiben intakt.
Das gilt vor allem für die strategischen Ziele des Regimes. Der Anspruch, ein nukleares Programm voranzutreiben, besteht weiterhin. Auch wenn Teile davon schwer getroffen wurden, ist die Fähigkeit zur Weiterentwicklung nicht verschwunden. Im Gegenteil: Beobachter gehen davon aus, dass der Druck den Anreiz sogar erhöhen könnte, diesen Weg konsequenter zu verfolgen.
Hinzu kommt das Netzwerk an Verbündeten. Die Hisbollah im Libanon gilt als deutlich geschwächt. Führungsebenen wurden getroffen, Waffenarsenale reduziert. Dennoch zeigt sich in den vergangenen Wochen, dass die Organisation weiterhin in der Lage ist, Israel regelmäßig zu beschießen.
Auch in anderen Regionen bleibt die Lage angespannt. Die Huthi im Jemen drohen mit Störungen zentraler Seewege, während im Gazastreifen Hinweise darauf bestehen, dass die Hamas im Hintergrund Kräfte neu organisiert. Das Gesamtbild ist eindeutig: Das Netzwerk ist beschädigt, aber nicht zerschlagen.
Warum der Krieg weitergehen könnte
Der zentrale Punkt ist strategischer Natur. Selbst wenn aktuelle militärische Ziele erreicht wurden, sind die grundlegenden Konfliktursachen nicht beseitigt. Das iranische Regime verfolgt weiterhin klar formulierte Ziele, die sich gegen Israel und den Westen richten. Eine grundlegende politische Veränderung im Iran ist bislang nicht eingetreten.
Gleichzeitig hat der Krieg gezeigt, dass der Iran trotz massiver Angriffe weiterhin in der Lage ist, erheblichen Schaden anzurichten und den Konflikt aktiv zu steuern. Die Fähigkeit, verschiedene Fronten gleichzeitig zu aktivieren, erhöht den Druck auf Israel und seine Verbündeten erheblich.
Für Israel bedeutet das aus Sicht vieler Beobachter eine mögliche langfristige Herausforderung. Selbst wenn die aktuelle militärische Phase abklingen sollte, bleibt die Sorge, dass die Bedrohung bestehen bleibt und sich der Konflikt eher verlagert als endet.
Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob der Krieg endet, sondern in welcher Form er weitergeht. Für viele Beobachter ist klar: Solange die strategischen Ziele des iranischen Regimes unverändert bleiben und seine Strukturen weitgehend intakt sind, wird der Konflikt Israel weiter begleiten.
Titelbild: Menschen stehen zwischen den Raketensalven an einem Schutzraum in der südisraelischen Stadt Dimona, 22. März 2026. Foto: Chaim Goldberg/Flash90