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Zäher Widerstand – Israels Militär revidiert Einschätzung zu Hisbollah und Iran

JERUSALEM, 06.04.2026 (NH) – Die israelischen Streitkräfte (IDF) und internationale Geheimdienste sind im laufenden Regionalkonflikt mit dem iranischen Regime einer zunehmend komplexen Lage gegenüber gestellt. Während die politische Führung in Jerusalem weiterhin auf einen entscheidenden Sieg drängt, mehren sich innerhalb des israelischen Sicherheitsapparats Stimmen, die eine mögliche Unterschätzung der gegnerischen Widerstandsfähigkeit einräumen. Insbesondere die Fähigkeit der Hisbollah, ihre Schlagkraft trotz erheblicher Verluste wiederherzustellen, sowie die technologische Resilienz des iranischen Raketenprogramms fordern die bisherige US-israelische Strategie heraus.

Unterschätzte Regenerationskraft: Hisbollah bleibt gefährlich

Innerhalb der IDF wird inzwischen offen darüber diskutiert, dass das Ausmaß des Schadens an der libanesischen Hisbollah-Miliz im Vorfeld womöglich überschätzt wurde. Zwar hat die Intensität der Angriffe das tägliche Raketenfeuer auf Nordisrael von durchschnittlich rund 130 auf etwa 60 bis 100 Projektile reduziert, doch eine vollständige Unterbindung des Beschusses bleibt aus. Ein ranghoher General des Nordkommandos räumte ein, man sei von der Geschwindigkeit überrascht worden, mit der die Hisbollah ihre operative Handlungsfähigkeit nach schweren Angriffen wiederherstellen konnte.

Diese Einschätzung wird durch Erkenntnisse gestützt, wonach die Miliz ihre Abschussrampen dezentral in zivilen Gebieten sowie in bewaldeten Regionen positioniert. Dies erschwert eine vollständige Zerstörung durch Luftangriffe erheblich. Militärexperten warnen daher, das Ziel, die Hisbollah vollständig zu entwaffnen, sei im aktuellen Feldzug kurzfristig kaum erreichbar und stelle vielmehr eine langfristige strategische Herausforderung dar.

Irans Bunker-Strategie: Wiederherstellung im Stundentakt

Parallel zu den Kämpfen im Libanon zeigt sich auch der Iran augenscheinlich widerstandsfähig gegenüber Luftangriffen. Berichte von US-Geheimdiensten und dem israelischen Mossad deuten darauf hin, dass Teheran in der Lage ist, bombardierte Raketenbunker und unterirdische Silos innerhalb weniger Stunden wieder funktionsfähig zu machen. Iranische Pioniereinheiten nutzen demnach vorbereitete Notfallpläne und schweres Gerät, um verschüttete Startvorrichtungen rasch freizulegen und erneut einsatzbereit zu machen. Geheimdienstexperten gehen davon aus, dass der Iran trotz der Zerstörung von rund 11.000 Zielen in den vergangenen fünf Wochen weiterhin über etwa die Hälfte seiner ursprünglichen Raketenkapazität verfügt. Die Strategie der Mullahs ziele offenbar darauf ab, einen konstanten, wenn auch reduzierten Strom von Raketen- und Drohnenangriffen aufrechtzuerhalten, um Israel in einen langfristigen Abnutzungskrieg zu zwingen.

Solange der Konflikt andauert, so die Einschätzung in israelischen Sicherheitskreisen, dürfte das Ajatollahregime über ausreichende Reserven verfügen, um die Bedrohung für die israelische Zivilbevölkerung aufrechtzuerhalten.

Titelbild: Fragment einer aus dem Iran auf Israel abgefeuerten ballistischen Rakete, das nach dem Abfangen durch israelische Luftverteidigungssysteme im Boden des Moshav Shadmot Mehola im Beit-Sche’an-Tal steckt. Aufnahme vom 4. April 2026. Foto: Oren Ben Hakoon/Flash90

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