
„Ich bin Künstler, kein Außenminister Israels“: Belu-Simion Fainaru über Ausgrenzung in Venedig
von Alon David
JERUSALEM / VENEDIG, 10.05.2026 – Als Belu-Simion Fainaru in Venedig ankommt, kommt er als Künstler. Nicht als Sprecher einer Regierung, nicht als Diplomat, nicht als Vertreter Benjamin Netanjahus. Doch genau so, sagt er, werde er behandelt. Der israelische Künstler präsentiert auf der Biennale seine Installation „Rose of Nothingness“. Ein Werk über Wasser, Leere, Licht, Erinnerung und jüdische Mystik. Doch über seine Kunst sprechen viele kaum noch. Es geht um seinen Pass.

„Von Anfang an“, sagt Fainaru im Gespräch mit Fokus Jerusalem, habe er gespürt, dass er politisch betrachtet werde. „Man versucht, mich als Künstler zu sehen, der nicht nur Israel, sondern eine Regierung oder ein Regime vertritt.“ Genau dagegen wehrt er sich. Israel sei eine Demokratie, kein totalitäres System. „In Saudi-Arabien oder Katar gibt es Regime. In Israel gibt es eine Regierung.“
Ein Künstler könne keine Regierung vertreten, sagt Fainaru. „Ein französischer Künstler vertritt nicht die Regierung Frankreichs. Ein italienischer Künstler vertritt nicht die Regierung Italiens.“ Kunst sei individuell. Ihre Kraft liege gerade darin, Menschen zum Denken zu bringen und Räume für Dialog zu öffnen.
Besonders erschütternd sei für ihn eine Begegnung mit einem Kurator aus Belgien gewesen, mit dem er früher zusammengearbeitet hatte. Fainaru sah ihn vor dem israelischen Pavillon, begrüßte ihn freundlich. Die Reaktion habe ihn getroffen: Der Mann sei zurückgewichen, habe mit Gesten signalisiert, Fainaru solle ihm nicht näherkommen. „Ich hatte das Gefühl, als wäre ich schmutzig“, sagt Fainaru. Für ihn sei das ein Moment gewesen, in dem aus politischer Distanz etwas anderes geworden sei: Ausgrenzung.
Gleichzeitig erlebte er auch unerwartete Solidarität. Kuratoren aus anderen Pavillons kamen zu ihm, manche flüsterten ihm zu, dass sie jüdisch seien. Auch das habe ihn überrascht. Noch stärker berührt habe ihn eine andere Szene: Die ersten Besucher seines Pavillons seien iranische Staatsbürger gewesen. „Sie kamen, umarmten mich und sagten: Wir sind mit euch, wir lieben euch.“ Einige hätten ihm gesagt, sie hofften, Israelis bald in Teheran und Iraner in Tel Aviv zu sehen.
Fainarus Installation arbeitet nicht mit plakativen israelischen Symbolen. Die jüdische und israelische Identität sei tiefer eingeschrieben: in Wasser, Licht, Spiegelung, Zahlen, Tropfen, Zeit. Er spricht von jüdischer Mystik, von der Bedeutung des „Nichts“ als Ursprung der Realität, von 42 Sekunden als Anspielung auf einen mystischen Gottesnamen im Judentum.

Gerade deshalb schmerzt ihn, dass viele nicht mehr auf das Werk schauen. „Man sieht mich nicht als Menschen, nicht als Künstler, sondern als Vertreter eines gewalttätigen Bildes von Israel“, sagt er. Bei anderen Ländern geschehe das nicht. Niemand frage einen saudischen Künstler zuerst nach dem saudischen König. Niemand mache einen Künstler aus den Emiraten automatisch verantwortlich für die Politik seines Landes. „Bei mir ist es anders. Man schaut auf meine Identität. Auf meinen Pass.“
Schon 2019 hatte Fainaru Rumänien auf der Biennale vertreten – als israelischer Künstler. Damals, sagt er, habe niemand gefragt, ob er die rumänische Regierung vertrete. Heute stehe seine jüdisch-israelische Identität im Mittelpunkt der Angriffe.
Sein Fazit ist düster. Die Kunstwelt, sagt Fainaru, verliere gerade etwas Wesentliches. „Die Kunst war immer ein offener Raum. Ein Raum der Freiheit, des Dialogs, der Begegnung.“ Wenn Hass, Boykott und Ausgrenzung diesen Raum übernehmen, verliere Kunst ihre Bedeutung. „Dann wird auch dieser Raum unfrei. Und wir leben in einer gewalttätigeren und weniger freien Welt.“
Titelbild: Der Künstler Belu-Simion Fainaru, Schöpfer der Installation „The Rose of Nothingness“ und Vertreter Israels auf der Biennale, posiert am 5. Mai 2026 in Venedig, Italien. Foto: Manuel Silvestri/Reuters