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UN-Sonderberichterstatterin Albanese gerät juristisch und politisch weiter unter Druck

von Alon David

JERUSALEM, 20.05.2026 – Die umstrittene UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese steht erneut im Zentrum heftiger Kritik. Während ein US-Bundesgericht entschieden hat, dass ihr eine Verleumdungsklage auch per E-Mail und über soziale Medien rechtlich zugestellt werden darf, sorgt zugleich ein neuer Beitrag von ihr über Deutschland, Israel und die Shoah für Empörung.

Albanese ist Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für die palästinensischen Gebiete. Seit Jahren wird der italienischen Juristin (49) von Israel und zahlreichen jüdischen Organisationen vorgeworfen, ihre UN-Position nicht für neutrale Menschenrechtsarbeit, sondern für eine einseitige Dämonisierung Israels zu nutzen. Nun spitzt sich der Konflikt weiter zu.

Albanese kann Klage nicht einfach ausweichen

In den USA läuft gegen Albanese eine Klage zweier christlicher pro-israelischer Organisationen: Christian Friends of Israeli Communities und Christians for Israel USA. Die Gruppen werfen ihr vor, sie mit schweren Anschuldigungen öffentlich diffamiert zu haben. Unter anderem soll Albanese den Organisationen vorgeworfen haben, mit ihrer Unterstützung für israelische Gemeinden in Judäa und Samaria an mutmaßlichen Kriegsverbrechen beteiligt zu sein. Die Kläger weisen diese Vorwürfe zurück und sprechen von rufschädigenden, falschen Behauptungen.

Ein US-Bundesgericht im Bundesstaat Colorado entschied nun, dass die Klage Albanese auf elektronischem Weg zugestellt werden darf. Damit sollen bisherige Hürden bei der formalen Zustellung der Klage umgangen werden. Laut Berichten hat Albanese nach der Zustellung 21 Tage Zeit, auf die Klage zu reagieren; andernfalls könnte ein Versäumnisurteil drohen.

Der Gerichtssaal des Colorado Supreme Court im US-Bundesstaat Colorado. Foto: Jeffrey Beall/Wikimedia Commons

Für die Kläger ist die Entscheidung mehr als nur ein juristischer Zwischenschritt. Sie sehen darin ein Signal, dass auch UN-Funktionäre sich vor Gerichten verantworten müssen, wenn sie private Organisationen öffentlich schwer belasten. In der Klage geht es um Vorwürfe der Verleumdung, der geschäftsschädigenden Falschdarstellung und der gezielten Behinderung ihrer Arbeit.

Neuer Streit um Deutschland und die Erinnerung an den Holocaust

Parallel zur juristischen Auseinandersetzung löste Albanese mit Aussagen über Deutschland, Israel und die deutsche Verantwortung nach der Shoah neue Empörung aus. In einem Beitrag warf sie Deutschland sinngemäß vor, seine Unterstützung für Israel nicht aus echter historischer Verantwortung abzuleiten, sondern aus einem problematischen Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Israel National News berichtet, Albanese habe die Deutschen aufgefordert, sich von historischer Schuld und der daraus folgenden Bindung an Israel zu befreien.

Besonders brisant ist der Ton dieser Aussagen vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte. Deutschland hat nach dem Holocaust seine besondere Verantwortung gegenüber dem jüdischen Volk und dem Staat Israel immer wieder als Teil seiner Staatsräson beschrieben. Albanese stellt genau diese Verbindung infrage – und deutet sie nicht als moralische Konsequenz aus der Shoah, sondern als Ausdruck eines ungelösten deutschen Komplexes.

Eine lange Reihe umstrittener Aussagen

Albanese steht nicht zum ersten Mal in der Kritik. Bereits frühere Äußerungen hatten internationale Reaktionen ausgelöst. Unter anderem wurde sie für Aussagen kritisiert, in denen sie vom Einfluss einer „jüdischen Lobby“ sprach – eine Formulierung, die von Kritikern als antisemitisches Stereotyp eingeordnet wurde. Albanese wies den Vorwurf des Antisemitismus zurück und erklärte später, sie habe den Ausdruck aus Unwissenheit über dessen problematische Bedeutung benutzt.

Auch nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 wurde Albanese scharf kritisiert, weil sie den Angriff in einen Kontext israelischer Politik stellte. Israelische Vertreter werfen ihr vor, palästinensischen Terror zu relativieren und Israel systematisch als Täterstaat darzustellen.

Keine Menschenrechtsarbeit, sondern Aktivismus

Israels UN-Vertretung in Genf hat Albanese wiederholt scharf angegriffen. Nach israelischer Darstellung handelt es sich bei ihren Berichten nicht um nüchterne Menschenrechtsdokumente, sondern um politisch motivierte Anklageschriften gegen Israel. Israel National News zitiert die israelische Mission mit der Einschätzung, Albanese sei keine Förderin der Menschenrechte, sondern eine Akteurin, die extremistisches Narrativ verbreite und die Existenz Israels untergrabe.

Warum der Fall über Albanese hinausweist

Der Fall Albanese berührt eine größere Frage: Wie weit darf eine UN-Funktionärin gehen, wenn sie im Namen der Menschenrechte spricht? Und wo beginnt der Missbrauch eines internationalen Mandats für politische Kampagnen gegen einen einzelnen Staat?

Für Israel ist die Antwort klar: Albanese steht aus israelischer Sicht exemplarisch für eine UN-Kultur, in der Israel nicht wie andere Staaten behandelt wird, sondern dauerhaft unter moralischen Generalverdacht gestellt wird. Der aktuelle Streit um Deutschland verschärft diesen Eindruck zusätzlich. Denn wer die deutsche Erinnerung an den Holocaust gegen Israels Existenz und Sicherheit wendet, greift nicht nur die Politik Jerusalems an – sondern auch das Fundament der deutsch-israelischen Beziehungen.

Die Entscheidung des US-Gerichts könnte nun dafür sorgen, dass Albanese sich erstmals nicht nur politischer Kritik, sondern auch konkreten rechtlichen Fragen stellen muss. Für ihre Kritiker ist das längst überfällig.

Titelbild: Francesca Albanese sorgt erneut für Schlagzeilen. Foto: Mohamed Mdalla/Anadolu via AFP

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