
Israels Schulen sagen Smartphones den Kampf an – Handyverbot nun auch an Mittelschulen
JERUSALEM, 22.05.2026 (NH) – Der israelische Bildungsminister Yoav Kisch hat angekündigt, dass ab dem kommenden Schuljahr die Nutzung von Mobiltelefonen an allen Mittelschulen untersagt wird. Die neue Richtlinie folgt auf die bereits im Februar eingeführte Regelung für Grundschulen und soll die soziale Interaktion stärken sowie Ablenkungen im Unterricht reduzieren. Mobiltelefone müssen während des gesamten Schultages, einschließlich der Pausen, ausgeschaltet in den Taschen der Schüler oder in speziellen Aufbewahrungsvorrichtungen verbleiben. Eine Nutzung soll künftig nur noch in ausgewählten Unterrichtsstunden erlaubt sein, sofern Lehrkräfte dies ausdrücklich zu pädagogischen Zwecken gestatten. Kisch erklärte, der Entscheidung sei eine umfassende Prüfung sowie Konsultationen mit Bildungsfachkräften, Eltern und Schülern vorausgegangen.
Wissenschaftlicher Hintergrund und internationale Vorbilder
„Wir sehen zu viele Fälle, in denen Kinder gemeinsam im Unterricht sitzen, aber jeder allein auf seinen Bildschirm blickt“, erklärte Kisch. „Es ist nicht nur ein technologisches Problem, sondern auch eine Bildungs- und ethische Frage.“ Nach Angaben des Bildungsministeriums stützt sich die Entscheidung auf Untersuchungen zu den negativen Auswirkungen exzessiver Bildschirmnutzung. Genannt werden unter anderem soziale Isolation trotz physischer Präsenz, Schlafstörungen, verringerte Aufmerksamkeitsspannen und Anzeichen von Abhängigkeit von sozialen Netzwerken. Kisch erklärte, Schulen müssten Orte sein, die Kindern menschliche Begegnungen zurückgeben und die Konzentration auf das Lernen fördern. Eine Delegation des Ministeriums reiste nach New York, um sich mit Experten wie Jonathan Haidt auszutauschen, der die Auswirkungen von Smartphones und sozialen Medien auf die psychische Gesundheit Jugendlicher untersucht.
Internationale Studien und Beispiele, unter anderem aus den Niederlanden, deuteten darauf hin, dass Einschränkungen bei der Smartphone-Nutzung das Schulklima, die Lernleistungen sowie die zwischenmenschlichen Interaktionen verbessern könnten.
Kritik von Schülern und Eltern: „Lehrer werden zu Polizisten“
Trotz der angeführten Vorteile stößt das Vorhaben auf Kritik. Dror Cohen, Vorsitzender des Nationalen Schüler- und Jugendrates, bezeichnete die Entscheidung als „realitätsfern“ und kritisierte, dass Schüler nicht als Partner in die Diskussion eingebunden werden. Er warnte davor, Lehrer müssten dadurch die Rolle von „Polizisten“ übernehmen, was das Vertrauensverhältnis belasten könne. Auch die nationale Elternvertretung äußerte Skepsis. Zwar teile man die Sorge über den steigenden Medienkonsum, ein Verbot ohne begleitende pädagogische Maßnahmen und zusätzliche Ressourcen greife jedoch zu kurz. Einige Eltern befürchten zudem, dass Schüler die Geräte heimlich weiter nutzen könnten, was die Durchsetzung der Regelung erschweren würde. Kritische Stimmen aus dem politischen Umfeld werfen dem Ministerium zudem vor, mit der Ankündigung von sinkenden Leistungen israelischer Schüler in Kernfächern ablenken zu wollen.
Das Ministerium machte zunächst keine Angaben zu möglichen Disziplinarmaßnahmen bei Verstößen oder zum Ermessensspielraum der Schulleitungen. Weitere Richtlinien für Schulen, Lehrkräfte und Eltern sollen vor Beginn des neuen Schuljahres am 1. September veröffentlicht werden.
Titelbild: Israel weitet das Smartphone-Verbot ab 2026/27 auf Mittelschulen aus. Schüler und Eltern kritisieren die Maßnahme scharf. Foto: Illustrationsfoto/KI