
„Keine Juden erlaubt“: Antisemitismus-Skandal um bayerisches Hotel sorgt für Empörung
von Alon David
LAM (BAYERN) / JERUSALEM, 04.06.2026 – Ein Hotel im bayerischen Lam steht nach einer antisemitischen Nachricht an israelische Gäste massiv in der Kritik. Auf eine Buchungsanfrage über Booking.com soll das „Hotel zum Hirschen“ geantwortet haben: „Sorry, there are no Jews allowed in our hotel“ – auf Deutsch:„Es tut uns leid, aber in unserem Hotel sind keine Juden erlaubt.“
Öffentlich gemacht wurde der Fall durch die israelische Generalkonsulin für Süddeutschland, Talya Lador. Sie schrieb auf X: „Sind wir wieder in den 1930er-Jahren?“ Dazu veröffentlichte sie einen Screenshot der Nachricht und begrüßte, dass Booking.com das Hotel von seiner Plattform entfernt habe.
Der Satz löste nicht nur in Israel, sondern auch in Deutschland Entsetzen aus. Denn er erinnert in seiner Brutalität an eine Zeit, von der Deutschland immer wieder beteuert, gelernt zu haben. Gerade deshalb wiegt dieser Vorfall so schwer: Nicht irgendwo am Rand Europas, nicht in einer anonymen Internetspalte, sondern in einem deutschen Hotel erhält ein Israeli die Botschaft, Juden seien dort nicht willkommen.
Das Hotel spricht von Fake-Buchungen
Die Betreiber des „Hotel zum Hirschen“ entschuldigten sich später bei dem betroffenen Gast. Nach ihrer Darstellung sei die Nachricht nicht aus Judenhass entstanden, sondern im Zusammenhang mit einer Reihe angeblicher Fake-Buchungen und Phishing-Versuche über Booking.com. Die Anfrage aus Israel sei fälschlicherweise für einen weiteren Betrugsversuch gehalten worden.
In einem Entschuldigungsschreiben erklärte das Hotel, es sei „definitiv falsch“ gewesen, auf diese Weise zu antworten. Man habe nicht Menschen jüdischen Glaubens gemeint, sondern aus Ärger über vermeintliche Fake-Buchungen reagiert. Zugleich räumten die Betreiber ein, dass eine solche Nachricht in einem professionellen Betrieb nicht passieren dürfe. Dem betroffenen Gast wurde offenbar ein kostenloser Aufenthalt angeboten.
Doch die Erklärung ändert nichts an der Wucht des Satzes. Wer einem Israeli schreibt, in seinem Hotel seien „keine Juden erlaubt“, bedient nicht irgendeine unglückliche Formulierung. Er greift auf eine Sprache der Ausgrenzung zurück, die in Deutschland eine ganz konkrete historische Bedeutung hat.
Zentralrat fordert rechtliche Prüfung
Der Zentralrat der Juden in Deutschland reagierte scharf. Präsident Josef Schuster erklärte, die menschenverachtende Aussage „keine Juden erlaubt“ lasse sich unabhängig von jedem Versuch der Kontextualisierung nicht rechtfertigen. Er forderte, den Vorfall auf strafrechtliche Konsequenzen zu prüfen.

Nach Berichten der „Jüdischen Allgemeinen“ ermittelt inzwischen die Generalstaatsanwaltschaft München wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Auch der zuständige Landkreis Cham und die Gemeinde Lam distanzierten sich von der Nachricht. Antisemitismus habe dort keinen Platz, hieß es aus der Region.
Damit ist der Fall nicht mehr nur ein PR-Skandal für ein einzelnes Hotel. Er ist ein Test dafür, wie ernst Deutschland seine eigenen Versprechen nimmt. Es reicht nicht, Antisemitismus in Gedenkreden zu verurteilen, wenn jüdische und israelische Menschen im Alltag wieder erleben müssen, dass sie nicht willkommen sind.
Ein Satz, der alles verändert
Seit dem 7. Oktober 2023 berichten jüdische und israelische Menschen weltweit von wachsender Unsicherheit. In Europa werden Israelis auf Flughäfen, in Restaurants, auf Demonstrationen und im öffentlichen Raum immer wieder zur Zielscheibe. Der Fall aus Bayern reiht sich in diese Entwicklung ein – gerade weil er so alltäglich beginnt: mit einer einfachen Hotelbuchung.
Dass das Hotel sich entschuldigt hat, ist notwendig. Aber eine Entschuldigung allein beantwortet nicht die entscheidende Frage: Wie kommt jemand in Deutschland überhaupt auf den Gedanken, einem Gast zu schreiben, Juden seien nicht erlaubt?
Genau darin liegt der Kern dieses Skandals. Antisemitismus zeigt sich nicht nur in Gewalt, Parolen oder Schmierereien. Er zeigt sich auch in einem Buchungsportal, in einer kurzen Nachricht, in einem Satz, der scheinbar beiläufig verschickt wird – und doch alles offenlegt.
Für Israelis und Juden ist dieser Satz keine abstrakte Entgleisung. Er ist eine Warnung. Und für Deutschland sollte er ein Alarmsignal sein.
Titelbild: Screenshot/Israelisches Generalkonsulat München auf X.