
Katars leise Macht: Warum Israel in Doha eine strategische Gefahr sieht
Von Alon David
JERUSALEM, 26.06.2026 – Katar gilt nach außen als Vermittler. Das kleine, extrem reiche Emirat spricht mit den USA, mit Israel, mit der Hamas und mit dem Iran. Doch in Israel wächst die Sorge, dass Doha längst nicht nur vermittelt, sondern eigene Interessen verfolgt, die Israels Sicherheit gefährden.
Ein Bericht des israelischen Senders N12 zeichnet Katar als strategischen Akteur, der nicht mit Panzern und Raketen arbeitet, sondern mit Geld, Medienmacht, Lobbyarbeit und diplomatischem Einfluss. Katar habe es geschafft, sich im Westen als unverzichtbarer Partner zu präsentieren, während es zugleich enge Kontakte zu islamistischen Kräften pflegt.
Ein kleines Land mit großem Einfluss
Katars Macht basiert vor allem auf seinem Gasreichtum. Mit Milliardeninvestitionen in Sport, Medien, Universitäten, Immobilien und Politik hat Doha weltweit Netzwerke aufgebaut. Der Sender Al Jazeera, die Fußball-WM 2022 und große Investitionen in westliche Staaten sind Teil dieser Strategie.

Besonders in Israel wird kritisch gesehen, wie stark Katar in den USA und an westlichen Universitäten präsent ist. Die Sorge: Doha baut langfristig Einfluss auf jene Eliten auf, die morgen über Israel, den Nahen Osten und internationale Politik entscheiden.
Gaza, Hamas und die israelische Fehleinschätzung
Besonders deutlich wird Katars Rolle im Gazastreifen. Über Jahre flossen katarische Gelder nach Gaza. Offiziell sollten sie der Bevölkerung helfen und Ruhe an der Grenze ermöglichen. Nach dem Massaker vom 7. Oktober wird diese Politik in Israel jedoch grundlegend infrage gestellt.
Kritiker sagen: Die Zahlungen stabilisierten auch die Herrschaft der Hamas. Gleichzeitig beherbergte Katar die politische Führung der Terrororganisation in Doha und wurde später zum zentralen Vermittler in den Geiselverhandlungen. Für Israel entstand damit eine gefährliche Abhängigkeit.
Die zentrale Frage lautet heute: Hat Israel Katar zu lange als nützlichen Gesprächskanal betrachtet, obwohl Doha längst ein eigener Machtfaktor gegen israelische Interessen geworden ist?
Katar ist kein klassischer militärischer Feind wie der Iran. Doch gerade deshalb ist die Herausforderung kompliziert. Doha kämpft nicht offen, sondern über Narrative, Geld, Netzwerke und diplomatische Nähe. Für Israel bedeutet das: Katar darf nicht länger nur als Vermittler gesehen werden. Es ist ein Akteur mit eigener Agenda.
Titelbild: Die Skyline von Doha, der Hauptstadt Katars. Foto: ekrem/Pixabay