
Netanjahu stimmt Trumps Friedensplan für den Gazastreifen zu: „Historische Chance“
WASHINGTON / JERUSALEM, 29.09.2025 (TM) – Israel hat den Plan von US-Präsident Donald Trump für einen Frieden im Gazastreifen akzeptiert. Wenn die Hamas zustimmt, kommen alle israelischen Geiseln innerhalb von 72 Stunden frei. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz erklärten Trump und Netanjahu, der Plan biete die Chance für eine historische Neuordnung des Nahen Ostens und für einen dauerhaften Frieden.
Trump sprach von der historischen Chance, das „Jahrhunderte lange Blutvergießen in der Region“ zu beenden. Er habe die wichtigsten muslimischen Führer in den Plan eingebunden, darunter die Türkei, Jordanien, Indonesien, Pakistan und viele andere. Ein zentraler Punkt sei die sofortige Freilassung der israelischen Geiseln. Dafür habe die Hamas nach Inkrafttreten des Planes maximal drei Tage Zeit. Das führe dann zu einem sofortigen Ende des Krieges. Der Gazastreifen werde entmilitarisiert, Damit sollen sich verschiedene arabische Staaten befassen. Die Waffenfabriken der Hamas müssten zerstört werden, außerdem wolle man eine zivile Polizei aufbauen. Die israelische Armee werde sich schrittweise aus dem Küstenstreifen zurückziehen, bis nur noch ein schmaler Sicherheitskorridor von Israel kontrolliert werde. Außerdem sollen fast 2000 palästinensische Strafgefangene freigelassen werden.
„Friedensrat unter Trumps Leitung“
Die Hamas wird laut Trump politisch keine Rolle mehr spielen. Sie müsse die Kontrolle über das Gebiet an ein „technokratisches, unpolitisches palästinensisches Komitee“ übergeben. Dieses Gremium würde von einem „Friedensrat“ unter der Leitung und dem Vorsitz von Trump beaufsichtigt werden, an dem auch andere Spitzenpolitiker, darunter der ehemalige britische Premierminister Tony Blair, beteiligt seien.
Zwar stehe eine Antwort der Hamas noch aus, aber er höre positive Signale, so Trump weiter. Der Plan werde von Katar und anderen einflussreichen Staaten unterstützt. „Das Volk Israel will Frieden“, unterstrich der US-Präsident. Er rief die Palästinenser auf, selbst die Verantwortung für ihr Schicksal zu übernehmen.
Premierminister Benjamin Netanjahu dankte Trump für sein Engagement: „Israel hatte nie einen größeren Freund im Weißen Haus.“ Die jetzige Friedensperspektive hätten die israelischen Soldaten möglich gemacht, „die kämpfen wie die Löwen.“ Der Trump-Plan stimme mit Israels Zielen überein: der Rückkehr aller Geiseln, der Zerschlagung der Hamas, der Entmilitarisierung des Gazastreifens und einer neuen zivilen Regierung in dem Küstengebiet, die nicht Hass gegen Israel predige.
Netanjahu warnte die Terrorgruppen in Gaza: Sollten sie den Friedensplan ablehnen, werde Israel „den Job zu Ende bringen“. Trump hat Israel für diesen Fall die volle Unterstützung zugesagt.
Netanjahu wandte sich erneut gegen einen Palästinenserstaat, den er als „Belohnung für Terror“ bezeichnete.
Netanjahu entschuldigt sich bei Katar
Vor der Pressekonferenz hatte Netanjahu mit dem Premierminister von Katar telefoniert und sich für den israelischen Luftangriff in Doha entschuldigt. Dabei war ein katarischer Staatsbürger ums Leben gekommen. In Israel wurde Netanjahus Entschuldigung sowohl von rechten als auch von linken Politikern als „Einknicken“ kritisiert.
Unklar ist, wie lange die Hamas Zeit hat, um dem Plan zuzustimmen. Beobachter gehen davon aus, dass die Islamisten von mächtigen arabischen Staaten massiv unter Druck gesetzt werden, die Vorschläge zu akzeptieren. Ein Hamas-Vertreter erklärte am Abend, man habe Trumps Plan noch nicht erhalten.
Titelbild: US-Präsident Donald Trump (rechts) und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu stellten in Washington den „20-Punkte-Plan“ für einen Frieden im Nahen Osten vor. Foto: Screenshot Liveübertragung /GPO
UPDATE: Die Hamas hat angekündigt, Trumps Plan zu prüfen. Das könne Tage dauern. Die Huthi-Terrorgruppe im Jemen erklärte: „Trumps Plan ist nicht umsetzbar und zielt darauf ab, die Lage der Hamas zu erschweren und ihnen die Schuld zu geben. Trumps Plan soll die weltweite Empörung gegen Israel stoppen und die internationale Solidarität mit Palästina unterbinden.“ Die Islamische Dschihad-Bewegung, die einige Geiseln festhält, hat das Abkommen abgelehnt. Die Ayalon-Autobahn in Tel Aviv wurde zeitweise blockiert. Die Demonstranten befürchten, dass der Plan für die Hamas zu hart ist, um ihn zu akzeptieren, was die Rückkehr der Geiseln verhindern und den Krieg verlängern würde.
Die israelischen Oppositionsführer Yair Lapid, Yair Golan, Benny Gantz und Gadi Eizenkot akzeptieren und unterstützen den Plan und bieten ein „Sicherheitsnetz“ an – das heißt, wenn ein Teil der Koalition nicht dafür stimmt, werde eine Oppositionspartei dies tun.